Priester im Sommer auf dem Petersplatz
Priester im Sommer auf dem Petersplatz

22.07.2016

Auch bei 35 Grad ist der Priesterkragen ein Muss Hochwürden im Hochsommer

Die heißen Wochen des Jahres werden zur Prüfung für Kleriker: Wie kleidet man sich korrekt, ohne im Schweiß zu zerfließen? Die katholische Welthauptstadt Rom lehrt die Grenzen des Möglichen.

Sommerzeit ist Leidenszeit für Priester in Italien: Hier, wo die geistliche Kleiderordnung noch in Ehren steht, wird bei 35 Grad im Schatten das beliebte schwarze Kollarhemd aus Polyester zum reinsten Saftbeutel. Zwar darf sich der geweihte Mann von Welt inzwischen auch in kurzen Ärmeln sehen lassen, aber mit offenem Kragen sollte man seinem Bischof nicht unbedingt unter die Augen treten.

Dennoch: Hitzschlag muss nicht sein - betont Don Paolo Scipioni, Pfarrvikar der römischen Kirche Santa Croce in Gerusalemme, im Zivilberuf Kardiologe. Grundsätzlich gelte auch für Geistliche: leichte, luftige Kleidung, möglichst Baumwolle. Am geschlossenen Kragen führt indes kein Weg vorbei. "Er darf nicht den Atem abschnüren, also lieber eine Nummer größer wählen", rät Scipioni.

Initiative von Papst Johannes Paul II.

An der Beschwernis nicht ganz unschuldig ist Papst Johannes Paul II. (1978-2005): Da sich selbst in Rom der Sinn für das Heilige beängstigend verflüchtigt habe, sollten Priester im Straßenbild die Menschen an Gott erinnern, schrieb er an seinen Kardinalvikar Ugo Poletti. Klerikale Kleidung müsse den Geistlichen von seiner weltlichen Umgebung unterscheiden. Der Brief stammt vom 8. September 1982. Drei Tage zuvor registrierten Roms Wetterstationen den mit 37 Grad heißesten Tag des Jahres.

Des Papstes Wort gilt ungebrochen. Nach dem vatikanischen "Direktorium für Dienst und Leben der Priester" von 2013 soll allezeit auch durch das Äußere des Priesters "seine Identität und seine Zugehörigkeit zu Gott und zur Kirche unmittelbar erkenntlich" sein. Die Deutsche Bischofskonferenz präzisiert: "Als kirchliche Kleidung gelten Oratorianerkragen oder römisches Kollar, in begründeten Ausnahmefällen dunkler Anzug mit Kreuz." Der Begriff "Sommergarderobe" ist kirchlichen Dokumenten fremd.

Klerus-Ausstatter mit limitiertem Angebot

Auch Klerus-Ausstatter in Rom trumpfen nicht gerade mit saisonalen Kollektionen auf. Die Via dei Cestari - Einkaufsmeile für Priester, Ordensfrauen, blutjunge Seminaristen und hoffnungsfrohe Kardinalsanwärter: Auf Presseanfragen reagieren die Geschäftsinhaber eher zugeknöpft. Bleibt eine verdeckte Recherche auf der Suche nach dem idealen Sommerhemd.

Bei Luciano Ghezzi geht Stil vor Wohlbefinden: Für feierliche Anlässe rät man wetterunabhängig zum römischen Kollarhemd mit einem umlaufenden Kragen aus versteifter Baumwolle; ansonsten genügt die einfachere Kragenvariante mit weißem Einschieber. Was die Stoffe angeht, bestehen die günstigsten Modelle aus schweißtreibenden 65 Prozent Polyester. Wer sich und seinem Nächsten etwas Gutes tun will, bekommt zum doppelten Preis reine Baumwolle oder - für immer noch schlanke 45 Euro - ein Baumwoll-Leinen-Mischgewebe.

Hingegen verzichtet der Traditionsschneider Barbiconi komplett auf das hautfreundliche Leinen: Das Material knittert - was den Träger genauso unrühmlich aussehen lässt wie eine heraushängende weiße Plastikzunge am offenen Priesterkragen. Junior-Chef Francesco Barbiconi bricht sogar eine Lanze für Synthetik: In Priesterkommunitäten, wo man oft nicht so genau auf Waschtemperatur und Farbechtheit achtet und auch keine große Sorgfalt aufs Bügeln legt, hat man mit Polyester länger Freude am neuen Hemd.

Farbe Schwarz ist Pflicht

Bei Soutanen bieten Roms Priesterboutiquen für den Sommer ausgesprochen leichte Wollstoffe in feinster italienischer Anzugqualität. Unerreicht sind die Trageeigenschaften: Wolle absorbiert Schweiß und lüftet gut aus, ohne zu muffeln. Die Farbe Schwarz ist jedoch Pflicht: Weiß geht nur in den traditionellen Missionsgebieten Afrikas und Asiens.

Wer's leger liebt und doch den Priesterberuf nicht verleugnen will, wird bei Mario Bianchetti fündig: Ein Kleriker-Polo aus hauchfeinem Baumwollgarn, fast seidengleich, mit dem traditionellen Einsteckkragen über der kurzen Knopfleiste. Einzig dieses Hemd ist ungestraft über der Hose zu tragen; damit lässt sich gut dem Sommer trotzen.

Soviel Lässigkeit ist nicht jedermanns Sache, das weiß man auch bei Bianchetti. "Es gibt Priester, die tragen das ganze Jahr das Gleiche", heißt es dort. Und: "Das Hitzeempfinden ist sehr subjektiv."

Burkhard Jürgens
(KNA)

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