Kardinal Gerhard Ludwig Müller
Kardinal Gerhard Ludwig Müller
Kardinal Marc Ouellet
Kardinal Marc Ouellet

15.06.2016

Der Vatikan will charismatische Bewegungen stärker kontrollieren "Keine Parallelgemeinschaft"

​Charismatische Bewegungen haben die Institution Kirche immer schon belebt, aber auch die Autorität der Amtsträger herausgefordert. Nun sprach der Vatikan ein Machtwort. Über den Zeitpunkt gibt es Rätselraten.

Der Konflikt zwischen Hierarchie und Charisma ist so alt wie die katholische Kirche selbst. Die Frage, wie Spontanität, kreative Unruhe und geistliche Radikalität mit dem institutionellen Gebäude, mit dem Gehorsam gegenüber den Bischöfen, Treue zum Lehramt und dem regulären Gemeindeleben zu vereinbaren sind, stellt sich immer wieder aufs Neue.

Am Dienstag hat der Vatikan nun ein neues Kapitel in dieser unendlichen Geschichte aufgeschlagen: Die Glaubenskongregation veröffentlichte einen Brief an die Bischöfe der Weltkirche über den Umgang mit charismatischen Bewegungen. Mit diesen in den vergangenen Jahrzehnten entstandenen Gruppierungen gab es immer wieder Konflikte. Anlass waren oft sektiererische Tendenzen.

Vertieftes Bewusstsein statt neuer Vorschriften

Das 30-seitige Schreiben mit dem lateinischen Titel "Iuvenescit Ecclesia" ("Die Kirche verjüngt sich") bietet zwar keine Sensationen. Neue kirchenrechtliche Vorschriften enthält es nicht. Man wolle damit ein "vertieftes Bewusstsein für das Verhältnis von charismatischen und hierarchischen Gaben" fördern, erklärte der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, am Dienstag im Vatikan.

Dennoch: Die Botschaft ist trotz aller Wertschätzung, die darin für charismatische Bewegungen geäußert wird, unüberhörbar: Die Bischöfe sollen eine härtere Gangart einschlagen. Rom will Abweichungen vom kirchlichen Lehramt und ein Sektierertum solcher Gruppierungen nicht dulden. Die Bischöfe müssten sicherstellen, dass sich solche Bewegungen nicht als "Parallelgemeinschaft zum kirchlichen Leben" verstünden. Die Charismatiker müssten die "Autorität der Hirten der Kirche als wesentlichen Bestandteil des christlichen Lebens anerkennen" und dürften sich nicht "jenseits des Lehramts und der kirchlichen Gemeinschaft bewegen". 

Auf "wandelnde Umstände" reagieren

Warum das Papier gerade jetzt veröffentlicht wurde, blieb am Dienstag allerdings unklar. Der Text selbst bietet keine konkreten Anhaltspunkte. Erst vor zwei Wochen hatte der Vatikan die Mitglieder einer katholischen Gemeinschaft in Italien exkommuniziert, weil sie nach seiner Auffassung nicht mehr auf dem Boden der kirchlichen Lehre stand. Doch das allein dürfte kaum der Grund gewesen sein. Auf die Frage einer Journalistin antwortete Kardinal Müller in der Pressekonferenz nur, man müsse eben bisweilen angesichts sich wandelnder Umstände über das Verhältnis von Hierarchie und Charisma neu nachdenken.

Ungewöhnlich war am Dienstag nicht nur, dass zwei der einflussreichsten Kurienkardinäle gemeinsam das Papier vorstellten; zusammen mit Müller trat der Präfekt der Bischofskongregation, Marc Ouellet, auf. Noch ungewöhnlicher war, dass unter ihren Zuhörern ein weiterer Kurienkardinal und Behördenleiter saß: Joao Braz de Aviz, der brasilianische Präfekt der vatikanischen Ordenskongregation hatte sich unter die Journalisten gemischt.

Beobachter hatten sich bereits gewundert, warum sein Name nicht in der Ankündigung der Pressekonferenz auftauchte. Denn es schien offensichtlich, dass das Thema des Schreibens auch die traditionellen Ordensgemeinschaften betrifft. Doch Aviz blieb an diesem Dienstag Zuhörer. Medien hatten in der Vergangenheit von angeblichen Differenzen zwischen Müller und Aviz im Umgang mit dem Dachverband der US-amerikanischen Frauenorden berichtet. Am Dienstag fiel nur auf, dass Kardinal Müller nach seinem Eintreffen direkt zum Podium schritt, ohne den einige Meter entfernt stehenden Aviz zu begrüßen.

Auch traditionelle Ordensgemeinschaften betroffen

Es war Kardinal Ouellet, der in der Pressekonferenz deutlich machte, dass das Papier auch traditionelle Ordensgemeinschaften betrifft. Orden hätten bisweilen eine "Gegenmacht" zu den Ortsbischöfen gebildet und sich nicht an deren Anordnungen gebunden gefühlt, so Ouellet. Konkrete Beispiele nannte jedoch auch er nicht.

Der Brief der Glaubenskongregation stärkt die Position der Ortsbischöfe gegenüber Ordensleuten. Die traditionelle Einrichtung der «Exemption» vieler Orden, also ihre Freistellung von der Gerichtsbarkeit des Ortsbischofs, bedeute nicht eine "abstrakte Überörtlichkeit oder eine falsch verstandene Autonomie», heißt es darin. 

Thomas Jansen
(KNA)

Nachrichten-Video

Zum Video:
Dienstag, 16.01.2018

Video, Dienstag, 16.01.2018:Christliche Nachrichten

Jetzt im Radioprogramm

15:00 - 19:00 Uhr 
Der Tag

Informationen, Musik und nette Menschen

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 16.01.
06:05 - 06:30 Uhr

Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

Der Morgen

  • Papst Franziskus in Chile und Peru
  • SPD-Chef Schulz auf GroKo-Tour durch Deutschland
  • Karneval einmal klassisch: eine Mischung aus Musik und Literatur.
10:00 - 15:00 Uhr

Der Tag

  • Der Papst in Chile
  • Das Unwort des Jahres
  • 18. Internationales Bischofstreffen im Heiligen Land
10:00 - 15:00 Uhr

Der Tag

  • Der Papst in Chile
  • Das Unwort des Jahres
  • 18. Internationales Bischofstreffen im Heiligen Land
15:00 - 19:00 Uhr

Der Tag

  • Thierse zu möglichen Koalitionsverandlungen
  • Wie läuft es mit der Ehrenamtskoordination?
  • Bilderreihe St.Severin-Köln
15:00 - 19:00 Uhr

Der Tag

  • Thierse zu möglichen Koalitionsverandlungen
  • Wie läuft es mit der Ehrenamtskoordination?
  • Bilderreihe St.Severin-Köln
19:00 - 22:00 Uhr

Der Abend

  • Der Papst in Chile
  • Thierse zu möglichen Koalitionsverandlungen
  • 18. Internationales Bischofstreffen im Heiligen Land
22:00 - 22:30 Uhr

Nachtgebet

00:00 - 06:00 Uhr

Nachtportal

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Komplet – Das Nachtgebet mit Weihbischof Ansgar