Papst Franziskus und Patriarch Kyrill
Papst Franziskus und Patriarch Kyrill

05.02.2016

Erstes Treffen zwischen Papst und Moskauer Patriarch auf Kuba Ende einer tausendjährigen Eiszeit

Vor knapp tausend Jahren spaltete sich die Christenheit in zwei Kulturkreise, die sich über lange Zeit gegenseitig bekämpften. Das erste Treffen zwischen einem katholischen und einem russisch-orthodoxen Kirchenoberhaupt soll tiefe Gräben überwinden.

Zuerst nähert der Vatikan die USA und Kuba einander an, dann führt Havanna Rom und Moskau zueinander. So hieß es in Rom ironisch, als der Plan für das historische Treffen zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I. bekannt wurde. Ebenso wie die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Washington und Havanna schien eine Begegnung der Oberhäupter der katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche lange ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

Über Jahrzehnte hatten Papstgesandte in Moskau vergeblich für ein solches Treffen geworben, das nun am 12. Februar stattfinden soll.

Eine Überraschung

Ein Besuch in Moskau gehörte zu den am innigsten gehegten Wünschen von Papst Johannes Paul II., die unerfüllt blieben. Dann überraschten Kuba und die USA die Weltöffentlichkeit mit ihrer von Franziskus vermittelten Versöhnung. Nun wird der kubanische Staatschef Raúl Castro Papst Franziskus persönlich am Flughafen von Havanna begrüßen, um ihn zu der von beiden Kirchen als historisch eingestuften Begegnung zu begleiten.

In der Vergangenheit konnte auch die im Vergleich zu den Protestanten große Nähe zwischen Orthodoxen und Katholiken in vielen liturgischen und theologischen Fragen die ablehnende Haltung Moskaus nicht aufweichen. Wenige Tage nach der Ankündigung, dass der Papst an den Feiern zum Reformationsgedenken im schwedischen Lund teilnehmen wird, fällt nun eine weitere Mauer in den ökumenischen Beziehungen. Zum Auftakt des 500. Reformationsjubiläums veranstalten der Lutherische Weltbund und der vatikanische Einheitsrat in Lund eine gemeinsame Gedenkfeier am 31. Oktober 2016.

"Jetzt steht die Ampel nicht mehr auf Rot, sondern auf Gelb."

Dass die Begegnung von langer Hand her geplant war, zeigt, dass an den Plänen für die Mexiko-Reise, in deren Rahmen sie stattfindet, nur die Abflugzeit von Rom geändert wurde. Nach der Ankündigung der Papstreise zum Reformationsgedenken hatte der vatikanische "Ökumene-Minister", Kardinal Kurt Koch, im Hinblick auf ein mögliches Treffen mit dem Moskauer Patriarchen mit der für ihn typischen Vorsicht vor ein paar Tagen eingestanden: "Jetzt steht die Ampel nicht mehr auf Rot, sondern auf Gelb."

In der für ihn typischen Offenheit hatte Franziskus selbst bereits im November 2014 auf dem Rückflug von Istanbul die Möglichkeit für eine Begegnung in Aussicht gestellt. "Es gibt den Willen, uns zu treffen". Er habe Kyrill gesagt: "Ich komme dahin, wo Du willst. Du rufst mich und ich komme. Er hat den gleichen Wunsch." So offenherzig hatte vor Franziskus kein Papst den Wunsch nach einer Begegnung geäußert.

Verstimmung Moskauer Patriarchat wegen Diözesenerrichtung

Ende der 90er Jahre hatte der damalige Papst Johannes Paul II. mit der Errichtung katholischer Diözesen in Russland noch für erhebliche Verstimmung im Moskauer Patriarchat gesorgt. Aus dessen Sicht verletzte Rom damit die Territorialhoheit der orthodoxen Kirche.

Überdies berief der polnische Papst polnische Geistliche zu Bischöfen der neuen Diözesen, die aufgrund historischer Konflikte dort als Invasoren angesehen wurden. Nach dem Ende der Sowjetunion sorgte überdies die Existenz von mit Rom unierten Kirchen vor allem in der Ukraine für Streit unter anderem um Kirchenbesitz.

Versöhnlicherem Kurs entgegen

Nach dem Tod von Patriarch Alexej II. und der Wahl seines Nachfolgers Kyrill I. schien die ablehnende Haltung Moskaus gegenüber Rom einem versöhnlicheren Kurs zu weichen. Johannes Pauls Nachfolger Benedikt XVI. umwarb die Orthodoxen in so begeisterter Form, dass mitunter der Eindruck entstand, er vernachlässige den Dialog mit den Protestanten zugunsten einer Annäherung an die als äußerst konservativ geltenden Moskauer Kirchenführer. Doch der lang erhoffte Durchbruch gelang erst Papst Franziskus.

 

Bettina Gabbe
(epd)

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