Sechs Wochen vor der Familiensynode im Vatikan

"Der Papst will die Bischöfe offen diskutieren lassen"

Wenige Wochen vor der Familiensynode im Vatikan sei es schwierig, mögliche Ergebnisse abzusehen, sagt Pater Hagenkord von Radio Vatikan im domradio.de-Gespräch. Ohnehin werde die Diskussion über die katholische Ehe-Lehre noch Jahre andauern.

Hände einer Familie (KNA)
Hände einer Familie / ( KNA )

domradio.de: Auch für den Vatikan ist eine  Bischofssynode keine Alltagsveranstaltung - wie laufen die Vorbereitungen?

Pater Bernd Hagenkord (Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan): Routiniert, würde ich sagen. Man hat ja viel gelernt aus der Bischofssynode vor fast einem Jahr. Es ist ja zum ersten Mal so, dass es zwei Synoden zum selben Thema gibt. Das muss man auch erst einmal lernen. Aber meine Beobachtung ist, dass bei den Vorbereitungen alles im grünen Bereich ist. 

domradio.de: Von den Bischofskonferenzen kommen einzelne Bischöfe - auch aus Deutschland. Außerdem kann der Papst noch andere Personen benennen. Wie heikel sind diese Ernennungen? 

Pater Hagenkord: Heikel sind sie nicht. Es ist einfach die Frage, wen der Papst da sitzen haben will, wer beraten soll. Die Synode ist ja ein Beratungs- und kein Entscheidungsgremium. Da hat er beim letzten Mal schon einige dazu geholt, wie zum Beispiel Kardinal Kasper. Die Namen für die jetzige Synode sind aber noch nicht bekannt. Die Personen sind sozusagen Zugaben. Ich wäre aber vorsichtig, in die Auswahl schon etwas hineinzuinterpretieren, was der Papst erreichen will. Er will einfach nur deutliche Meinungen bei der Synode haben.    

domradio.de: Sie haben es schon angesprochen: Vor knapp einem Jahr hat es ja eine außerordentliche Bischofssynode zum Familienthema gegeben. Schon da konnte man sehen, dass es schwer ist, die unterschiedlichen Strömungen in der Kirche zu vereinen. Warum versuchen sich jetzt schon einige Bischöfe und Kardinäle so eindeutig zu positionieren? 

Pater Hagenkord: Bei einigen sind es Positionierungen, bei anderen sind es einfach Beiträge. Ich finde es gut, dass sehr viele Leute auch sagen, was sie denken - und das auch im Vorfeld in der Öffentlichkeit und nicht im Hinterzimmer tun. So dass es debattiert werden kann und eine breite Debatte daraus wird. Vielleicht hat man in Deutschland damit etwas spät begonnen, nämlich erst im Frühjahr. Egal was das Ergebnis der Synode sein wird: Das Thema wird uns noch in den nächsten zehn Jahren beschäftigen.

domradio.de: Der Vatikan hat im Juni ein Arbeitsdokument für die geplante Bischofssynode über den Umgang der katholischen Kirche mit Ehe, Familie und Sexualität veröffentlicht. Was lässt das für die anstehende Synode vermuten?  

Pater Hagenkord: Ich würde sagen, noch nicht so viel. Es sind keine riesen Würfe drin. Das ist ja auch die Idee des Papstes: Er will ja etwas von den Bischöfen, die da kommen werden, hören. Er will den Bischöfen ja kein fertiges Papier vorlegen. Er will die Bischöfe offen und ehrlich diskutieren lassen. Dafür, glaube ich, ist das Arbeitsdokument eine gute Basis, weil es noch nicht die Ergebnisse vorweg nimmt.  

domradio.de: Der Papst hat bis jetzt eindeutige Festlegungen zum Thema vermieden. Wird Franziskus sich irgendwann eindeutig positionieren? 

Pater Hagenkord:  Spätestens nach der Familiensynode muss er das tun, weil er aus den Ergebnissen ein Dokument erstellen muss. Es gibt ja ein sogenanntes postsynodales Schreiben. Der Vatikan nimmt also die Vorschläge aus der Synode und macht daraus ein Dokument. Spätestens dann wird er seine eigene Stellungnahme auch einarbeiten. Er spricht aber auch schon seit Januar jeden Mittwoch bei der Generalaudienz über Familie. Da spricht er sehr pastoral ohne die Themen vorwegzunehmen. Er möchte die Debatte offen lassen. Er setzt große Stücke auf die Synode.   

domradio.de: Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat sich für behutsame Reformen der katholischen Ehe-Lehre ausgesprochen. Wie realistisch ist eine solche Änderung?  

Pater Hagenkord: Das kann ich sechs Wochen vor der Synode schlecht einschätzen. Das hängt sehr stark von der Debatte ab und davon, wie viele Themen da gleichzeitig verhandelt werden. Es hängt auch von der Rolle der Experten ab. Und, wie gesagt, es ist mindestens für die nächsten zehn Jahre ein Thema. Die Fragestellungen in Afrika und Indien zum Beispiel sind ja auch andere als bei uns. Das muss auch erstmal kommuniziert werden und ankommen. Das ist mit einem Dokument nicht zu machen.

domradio.de: Medial gesehen wird oft über Wiederverheiratung und Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern diskutiert. Kritiker sehen darin eine Abwertung der traditionellen Ehe. Doch eine konkrete Gefährdung von Familie und Kinder besteht ja vor allem durch Armut und Hunger - wie sehr werden solche Aspekte auf der Familiensynode eine Rolle spielen?  

Pater Hagenkord: Wenn man das Maß der letzten Familiensynode nimmt: Da hat es eine wahnsinnig wichtige Rolle gespielt. Es gibt jede Menge Stellungnahmen, zum Beispiel eine von Kardinal Marx, der sagt: Die wahren Gefährder für Familie sind Vertreibung, Armut und Ausbeutung. Leider ist das Thema medial nicht so interessant wie zum Beispiel wiederverheiratet Geschiedene.

 

Das Gespräch führte Mathias Peter.


Quelle:
DR