Nunzio Galantino, Generalsekretär der Italienischen Bischofskonferenz
Nunzio Galantino, Generalsekretär der Italienischen Bischofskonferenz

20.08.2015

Katholische Kirche in Italien in Streit um Flüchtlingsumgang verwickelt Offensiver gegen Rechts

In Italien streiten die katholische Kirche und die Lega Nord über den richtigen Umgang mit Flüchtlingen. Letztlich hat die Partei wohl den Papst selbst im Visier.

Die Differenzen zwischen der italienischen Rechten und der katholischen Kirche in der Flüchtlingsfrage eskalieren seit vergangener Woche in einem offenen Streit. Im Mittelpunkt: Nunzio Galantino, der Generalsekretär der Italienischen Bischofskonferenz (CEI), und Lega Nord-Chef Matteo Salvini. Als "Marktschreier", die mit geistlosen Parolen auf Stimmenfang gingen, titulierte der Kirchenmann die Rechtsparteien in einem Radiointerview. Salvini wetterte daraufhin gegen den "kommunistischen Bischof" und beschuldigte kirchliche Organisationen, am Massenandrang über das Mittelmeer mitzuverdienen.

"Vatikan soll sich nicht in die Politik einmischen"

Letztlich hat seine Partei aber wohl den Papst selbst im Visier. Franziskus müsse angesichts seiner ständigen Appelle an die Nächstenliebe mal jemand erklären, dass zwei von drei Migranten nicht vor Gewalt und Verfolgung flüchteten, sondern aus wirtschaftlichen Gründen nach Europa kämen, sagte der Lega Nord-Politiker und Präsident der Region Venetien, Luca Zaia. Salvini rief den Vatikan auf, sich beim Thema Flüchtlinge nicht in die Politik einzumischen.

Vatikan und Kirche treten unter Franziskus in sozialen Fragen offensiver auf

Der jüngste Streit verstärkt den Eindruck, dass Vatikan und italienische Kirche unter dem "Papst der Armen" in sozialen Fragen offensiver auftreten. Es war Galantino, der mit seinen Äußerungen im Gespräch mit Radio Vatikan als erster in den Ring stieg. In einem Interview mit der Zeitschrift "Famiglia Cristiana" griff er sogar die sozialdemokratische Regierung an, gegenüber dem Flüchtlingselend teilnahmslos zu bleiben. Kurz nach der Veröffentlichung ließ Galantino den Text, der nur auf einem Hintergrundgespräch basierte, zwar zurückziehen. Trotzdem hieß es in der Presse: Die Bischöfe sind zurück in der politischen Arena. Bezeichnenderweise erscheint der von Franziskus hoch geschätzte und von ihm persönlich ins Amt berufene CEI-Generalsekretär viel präsenter als der Präsident der Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, der dem Papst weniger nahe steht. Gestützt auf das päpstliche Vertrauen ist Galantino eine zentrale Figur der italienischen Kirche geworden.

Große Differenzen zwischen Italiens Rechten und Vatikan

Daneben verdeutlicht der Vorgang, wie groß die Kluft zwischen Italiens Rechten und dem Vatikan geworden ist. In der Amtszeit von Benedikt XVI. hatte es die Liga nicht an Respekt vor dem Papst fehlen lassen. Franziskus" Einsatz für die Flüchtlinge wurde von ihr sofort als Provokation begriffen. Das zeigte sich schon bei seinem Besuch auf Lampedusa 2013, als es erstmals zu persönlichen Angriffen aus den Reihen der Partei kam. Warum Franziskus denn nicht selbst Flüchtlinge im Vatikan aufnehme, hieß es damals.

Auch diesmal fehlte nicht der Vorwurf, die Kirche mahne dauernd zu mehr Hilfe, tue selbst aber wenig. Laut Kirchenangaben kümmern sich Bistümer und Pfarrgemeinden um die Versorgung von 15.000 Neuankömmlingen. In den Einrichtungen der Caritas würden sogar 20.000 Menschen versorgt. Damit hätte die Kirche die Verantwortung für gut ein Drittel der Flüchtlinge, die sich derzeit in Italien aufhalten.

 

(KNA)

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