KNA-Chefredakteur Ludwig Ring-Eifel
KNA-Chefredakteur Ludwig Ring-Eifel

11.06.2015

Ring-Eifel lobt Justizstelle für Missbrauchsvergehen "Eine kleine Revolution"

Mit einer neuen Gerichtssektion will die katholische Kirche verhindern, dass sexueller Missbrauch vertuscht wird. Das werde den Umgang mit neuen Fällen komplett verändern, sagte KNA-Chefredakteur Ludwig Ring-Eifel im Interview mit domradio.de.

domradio.de: Eine neue Gerichtssektion in der Glaubenskongregation die soll in Zukunft die rechtliche Beurteilung und die Prozessführung gegen die beschuldigten Bischöfe führen - auch gegen Bischöfe, die Aufklärung in ihren Bistümern verhindern oder verschleppen. Ist das wirklich eine bahnbrechende Neuerung im Kampf gegen sexuellen Missbrauch?

Ludwig Ring-Eifel (Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur): Ich halte das in der Tat für eine kleine Revolution im vatikanischen Umgang mit den Missbrauchsfällen, weil es eben künftig nicht nur gegen die Missbrauchstäter geht, sondern auch gegen all jene Personen, die die Aufsichtspflicht in solchen Fällen haben oder hatten. Das betrifft also in erster Linie die Bischöfe, in zweiter Linie aber sicher auch Generalvikare und Personalchefs, die ja im Auftrag der Bischöfe diese Fälle oft behandeln. Da haben wir jetzt die Revolution, dass eben nicht mehr nur der Täter vor Gericht kommt, sondern auch derjenige, der als Vorgesetzter die Taten vertuscht hat, der Leute versetzt hat, ohne andere zu informieren. Also die Dinge, die in der katholischen Kirche leider lange Zeit gängige Praxis waren und bis heute in einigen Ländern auch so gehandhabt werden.

domradio.de: Seit den 1990er Jahren sind nach und nach auf der ganzen Welt Missbrauchsfälle bekanntgeworden. Und auch wenn die Aufklärung teilweise verhindert oder verschleppt wurde. Mehrere Bischöfe mussten wegen der Vertuschung zurücktreten - warum ist also diese neue Sektion trotzdem nötig?

Ring-Eifel (KNA): Diese Rücktritte waren ja keine wirklichen gerichtlich geregelten Fälle, sondern die sind auf vatikanischen Druck oder auf Grund der Öffentlichkeit zurückgetreten. Jetzt soll es ein rechtliches Verfahren geben. Diese Beschlüsse sollen angezeigt werden bei der römischen Bischofskongregation und dann anschließend verurteilt werden von der römischen Glaubenskongregationen. Also, es wird jetzt ein geregeltes Verfahren dafür geben und einen neuen Straftatbestand, eben den Straftatbestand des Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch. Das verändert die Landschaft komplett.

domradio.de: Schon lange fordern Missbrauchsopfer, dass Bischöfe besser belangt werden, die sexuellen Missbrauch vertuschen oder die Aufklärung behindern. Glauben Sie, dass der Vatikan in Zukunft tatsächlich konsequenter gegen betroffene Oberhirten vorgeht?

Ring-Eifel (KNA): Das wird er sicherlich tun, aber der viel wichtigere Effekt ist ja der, dass jetzt bei den Bischöfen vor Ort der Schalter umgelegt werden wird. Jeder Bischof weiß jetzt, wenn so ein Fall bei ihm auftritt, dass er selber sich dann in Rom wird verantworten müssen, für das Verhalten, was er gegenüber diesem Fall an den Ta legt. Das wird eben die Veränderung bringen. Weniger das Hinterherarbeiten an alten Fällen – das wird es auch geben. Aber der Umgang mit neuen Fällen wird sich jetzt verändern, weil eben diese Strafdrohung gegen die Bischöfe im Raum steht.

(dr)

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