Kardinalsrat mit Papst Franziskus
Kardinalsrat mit Papst Franziskus

09.02.2015

Reformrat tritt im Vatikan zusammen "K9" hinter verschlossenen Türen

Im Vatikan tagt noch bis Mittwoch der Kardinalsrat über neue Strukturen für die vatikanische Kurie. Zu den Mitgliedern gehört Kardinal Reinhard Marx. Thema soll auch eine Reform der Vatikanmedien sein.

Der Kardinalsrat, auch "K9"-Rat genannt, war im April 2013 genau einen Monat nach der Papstwahl gegründet worden, um die Kurienkonstitution "Pastor bonus" aus dem Jahr 1988 zu überarbeiten und neu zu fassen. Während des Vorkonklaves hatten zahlreiche Kardinäle unzureichende Strukturen im Vatikanapparat für Pannen im Pontifikat von Benedikt XVI. (2005-2013) verantwortlich gemacht. Dazu zählten sie insbesondere den Diebstahl und die Veröffentlichung vertraulicher Papstdokumente ("Vatileaks"-Affäre) und den Skandal um den Holocaustleugner Richard Williamson, der vom Vatikan aufgrund mangelnder interner Kommunikation teilrehabilitiert worden war.

Aus den Beratungen des "K9-Rates" ist bereits die Gründung eines vatikanischen Wirtschaftsrates und eines Wirtschaftssekretariates hervorgegangen. Bei den nächsten Sitzungen stehen weitere Diskussionen über die vatikanischen Dikasterien an, insbesondere über die Päpstlichen Räte und das Staatssekretariat. Die Arbeiten an der Kurienreform sollen mindestens bis 2016 dauern.

Bei einem Konsistorium will Papst Franziskus am Donnerstag und Freitag das Kardinalskollegium über die bisherigen Planungen zur Kurienreform informieren und die Meinung seines obersten Beratungsgremiums dazu einholen.

Medienreform Thema für eine der nächsten K9-Sitzungen

Der Kardinalsrat für die Kurienreform soll sich laut Katholischer Nachrichtenagentur in einer seiner nächsten Sitzungen auch mit einem Umbau der vatikanischen Medienlandschaft beschäftigen. Hier liegt Einiges im Argen, wie schon ein Blick auf die vatikanische Internetseite vatican.va zeigt. Sie ist mehr Labyrinth als Service. Insgesamt fehle die Koordination, bemängeln Beobachter schon seit längerem - obwohl in den einzelnen Medien und Einrichtungen oft sehr gute Arbeit geleistet werde.

Die grobe Richtung hatte Kurienkardinal George Pell bereits im Sommer 2014 skizziert, als er die Einrichtung einer Kommission für die Reform der Medienlandschaft bekanntgab: Die digitalen Kanäle des Vatikan müssten gestärkt werden. Es gelte, vor allem mehr junge Katholiken anzusprechen, so der Australier. Jene zehn Prozent aller Katholiken weltweit, die vatikanische Medien derzeit erreichten, seien zu wenig. Als gelungene Beispiele der jüngsten Zeit führte Pell die "Pope App" und den Twitter-Kanal von Franziskus an, der mittlerweile auf die Marke von 20 Millionen Nutzern zusteuert.

Konkrete Vorschläge erarbeitet derzeit die vom Papst eingesetzte Kommission. Geleitet wird das elf Mitglieder zählende Gremium vom Kanzler der Universität Oxford und früheren BBC-Aufsichtsratsvorsitzenden Christopher Patten. Der Kommission gehören Medienfachleute, Journalisten, Vatikanvertreter und ein Unternehmensberater von McKinsey an. Unter ihnen ist auch Daniela Frank, die Leiterin des Catholic Media Council CAMECO, einer in Aachen ansässigen Einrichtung, die kirchliche Medien in Entwicklungsländern fördert.

Im Dezember führte die Kommission eine Befragung unter den beim Vatikan akkreditierten Journalisten durch. Darin bat sie unter anderem darum, um Vorschläge für Veränderungen zu machen. Auch die betroffenen Medien selbst wurden von der Kommission um ihre Meinung gebeten.

Radio Vatikan sendet in 37 Sprachen

Die vatikanische Medienlandschaft ist vielfältig: Da ist zunächst der Sender "Radio Vatikan". Mit mehr als 350 Mitarbeitern aus mehr als 60 Ländern, die in 37 Sprachen senden, ist er das mit Abstand größte und kostspieligste vatikanische Medium. Die zuletzt jährlich 27 Millionen, die der Vatikan für den Sender ausgibt, sind zwar gemessen am Haushalt öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten in Deutschland Peanuts. Doch für den Haushalt des Vatikanstaates ist das ein erheblicher Brocken.

Außerdem gibt es die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" und das Fernsehzentrum CTV. Für die Betreuung der Journalisten sind das vatikanische Presseamt und der päpstliche Medienrat zuständig. Dazu kommt noch das Internetportal news.va, das die Nachrichten, die Radio Vatikan und der "Osservatore" auf ihren jeweiligen Internetseiten veröffentlichten sowie die täglichen Mitteilungen des Presseamtes bündelt. Die Kongregation für die Evangelisierung der Völker schließlich unterhält noch den Pressedienst "Fides", der Nachrichten aus Afrika, Asien und Lateinamerika verbreitet. Die einzelnen vatikanischen Einrichtungen unterhalten schließlich noch mehr als zwei Dutzend eigene Internetauftritte.

Viele der mehr als 350 Mitarbeiter bei "Radio Vatikan" befürchten derzeit Entlassungen. Patten hatte allerdings die Behauptung zurückgewiesen, dass es in erster Linie ums Sparen gehe: "Uns treiben die moralischen Überlegungen an, wie wir besser kommunizieren können", sagte er im "Radio Vatikan"-Interview. Bis Ostern will die Kommission ihre Arbeit abgeschlossen haben.

(KNA)

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