Prof. Helmut Hoping
Prof. Helmut Hoping

Helmut Hoping ist Professor für Dogmatik und Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg im Breisgau. Er ist verheirateter Ständiger Diakon.

04.08.2014

Freiburger Dogmatiker kritisiert ausufernden Friedensritus Wenn Friedensgrüße die Anbetung kreuzen

Der Friedensgruß in der Messe sollte nach Einschätzung des Freiburger Dogmatikers Helmut Hoping nüchterner ausfallen. Warum ein zu ausufernder Friedensritus die Vorbereitung auf die Kommunion stört, erklärt Hoping im domradio.de-Interview.

domradio.de: Sie sind auch Diakon, das heißt, Sie sprechen auch diese Aufforderung zum Friedensgruß. Wie erleben Sie persönlich den Friedensgruß in den Gottesdiensten?

Helmut Hoping (Professor für Dogmatik und Liturgiewissenschaft an der Albert-Ludwig-Universität Freiburg und ständiger Diakon): Mir war der Friedensgruß am Anfang – ich bin vor 19 Jahren geweiht worden – ganz wichtig, aber zunehmend habe ich damit Probleme bekommen. Einmal weil die Übersetzung zur Aufforderung dieses Friedensgrußes ziemlich falsch ist. Es heißt ja "Gebt einander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung“. Im Lateinischen heißt es eigentlich nur "Gebt den Frieden“. Das Problem ist, dass hier in der deutschen Übersetzung der Eindruck eines Versöhnungsritus erweckt wird, der aber meines Erachtens an dieser Stelle zu spät kommt. Und dann kommt natürlich hinzu, worauf die Gottesdienstkongregation schon 2004 reagiert hat, dass der Austausch eines Zeichens des Friedens in den letzten Jahren ziemlich ausgeufert ist und wir ja doch inzwischen erhebliche Virtuosen unter den Gottesdienstteilnehmern haben, was den Friedensgruß betrifft: Umarmungen, Küsse und sehr intensive Zeichen, so dass man nicht nur seinem unmittelbaren Nachbarn den Friedensgruß gibt, sondern auch weiteren oder der Priester während des Zeichens des Friedensgrußes den Altarraum verlässt, was schon 2004 untersagt wurde. Da hat sich eigentlich nichts dran geändert. Darauf hat jetzt die Gottesdienstkongregation noch einmal gedrängt. Und das ist auch sehr wichtig. Ich habe mit einem Priester zusammengearbeitet, der dann in die Bank reinging und noch während des Agnus Dei-Gesanges den Friedensgruß entbat. Das geht nun gar nicht, weil während des Agnus Dei das Eucharistische Brot zu brechen ist und man nicht als Priester in der Kirche herumgehen muss und den Friedensgruß geben sollte.

domradio.de: Was spricht denn dagegen, dass man als Gläubiger nicht nur seinem Nachbarn rechts und links die Hand reicht, sondern noch einigen mehr?

Hoping: Die unmittelbare Vorbereitung auf die Kommunion wird dadurch gestört. Man darf ja nicht vergessen, früher war dieser Friedensgruß am Ende der Fürbitten, etwa bei Tertullian, bei Justin. Papst Gregor hat ihn dann als Vorbereitung unmittelbar vor die Kommunion verlegt. Ich denke, dass vor der Kommunion doch auch die Zeit der Stille, der Anbetung, der inneren Vorbereitung auf die Kommunion ist und hier ein so extensiv ausufernder Friedensritus doch die Vorbereitung sehr stört. Das war übrigens auch der Grund, weshalb Papst Benedikt XVI. 2007 in dem nachsynodalen Schreiben "Sacramentum Caritatis“ hier eine Überprüfung der Stellung des Friedensritus angeregt hat. Die Mehrheit der Bischofskonferenzen wird sich aber wohl dagegen ausgesprochen haben, denn jetzt nach sieben Jahren der Prüfung hat man durch die Gottesdienstkongregation und mit Genehmigung von Papst Franziskus entschieden, dass die Position des Friedensgrußes erhalten bleibt, aber er in größerer Nüchternheit erfolgen soll.

domradio.de: Würde nicht eine Verlegung zum Beispiel nach den Fürbitten die Art des Friedensgrußes verändern?

Hoping: Das würde ein wenig die Art des Friedensgrußes verändern, aber wir müssen ja sehen, dass die Stellung des Friedensgrußes in der römischen Messe seit Gregor dem Großen keineswegs jetzt so repräsentativ ist für die unterschiedlichen Liturgiefamilien. Im Mailändischen Ritus hat der Friedensgruß auch eine andere Stellung, nämlich am Ende des Wortgottesdienstes. In den orientalischen Riten befindet sich der Friedensgruß unmittelbar vor dem Hochgebet, also vor dem Eintritt ins Zentrum der Eucharistie und hat hier die Bedeutung, dass man, bevor man das Opfer darbringt, sich mit seinem Bruder versöhnen soll. Der Friede im römischen Ritus geht vom Altar aus, vom Auferstandenen, der sich uns im Sakrament der Eucharistie schenkt. Und die Frage wäre gewesen, ob man bereit ist, hier eine Reform vorzunehmen, aber dazu hat sich die Gottesdienstkongregation und der Heilige Stuhl nicht durchringen können – vermutlich aufgrund der Voten der einzelnen Bischofskonferenzen, die ja alle gefragt wurden, wie sie über eine Verlegung des Friedensgrußes denken.

domradio.de: Was glauben Sie, wie wird man das aufnehmen in den Bischofskonferenzen, auch unter den Gläubigen? Gibt es nicht wichtigere Probleme, als die Position oder die Nüchternheit des Friedensgrußes zu beurteilen?

Hoping: Ich befürchte leider, da sich ja seit 2004 nicht allzu viel verändert hat und diese Instruktion weitestgehend wirkungslos geblieben ist, dass auch dieses Schreiben der Gottesdienstkongregation wirkungslos bleiben wird, außer die Deutsche Bischofskonferenz nimmt sich der Sache nun wirklich an und hält die Priester und Diakone an, hier nun anders zu verfahren. Es ist ja sowieso so, dass die Aufforderung, sich ein Zeichen des Friedens zu geben, fakultativ ist, immer fakultativ war. Es besteht überhaupt keine Notwendigkeit, dass der Priester oder der Diakon das jeden Sonntag macht. Das steht nirgendwo geschrieben. Man könnte ja auch erwarten, wenn er es nicht tut, dass die Gläubigen es von sich aus tun. Man müsste hier von Seiten der Bischofskonferenz schon – und dazu sind die Bischofskonferenzen ja aufgefordert – wirklich einige Maßnahmen unternehmen, um hier das Ausufernde des ganzen Ritus etwas zurückzuschrauben. Das hielte ich im Sinne der Vorbereitung auf die Kommunion auch für notwendig. Ob das möglich ist, das wird man sehen. Das wird auch ein Thema der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz sein.

(DR)

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