Vatikan
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17.10.2013

Vatikanbeobachter: Limburg ist nur ein Gesprächsthema "Es ist alles offen"

Papst Franziskus hat den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, empfangen. Details wurden zunächst nicht bekannt, doch es ging mit Sicherheit nicht nur um den Limburger Bischof, so Stefan von Kempis (Radio Vatikan).

domradio.de: Erzbischof Robert Zollitsch ist jetzt gerade in Rom. Was haben Sie davon bisher mitbekommen?

Stefan von Kempis (Radio Vatikan): Wir hatten am Montag, also am ersten Tag als er gekommen war, eine Pressekonferenz mit ihm. Da ging es eigentlich um das Projekt eines Vorhofs der Völker, also das Gespräch zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden, das Ende November in Berlin stattfindet. Aber natürlich fragten wir "bösen Journalisten" auch nach Limburg und dazu gab Zollitsch auch eine Erklärung ab. Seitdem habe ich zwar gehört, dass er mit diesem und jenem zu Abend gegessen hat oder dass er viele Gespräche führt beim Rat für Neuevangelisierung, zu dem er gehört und der diese Woche tagt, aber so richtig gesehen, hat man ihn diese Woche auf den römischen Straßen nicht.

domradio.de: Auch der Limburger Bischof Tebartz-van Elst ist in Rom.  Hat er sich denn blicken lassen und schon eine Gelegenheit gehabt, mit Papst Franziskus zu sprechen?

Kempis: Ich habe Bischof Tebartz nicht gesucht in Rom, aber man weiß, dass er im Priesterkolleg Santa Maria dell´Anima zunächst abgestiegen ist. Gesehen haben wir ihn nicht. Ich vermute, dass auch er Gespräche mit Bekannten an der römischen Kurie führt, dabei scheint es für mich gar nicht gesagt, ob er unbedingt mit dem Papst auch sprechen will, so gut kennt der Papst sich ja mit dem Thema Limburg - vorsichtig gesagt - ja wohl auch nicht aus. Es wird wahrscheinlich darum gehen, dass er auch mal zur Bischofskongregation geht, die ja für ihn direkt zuständig ist als Bischof und da austariert, welche Möglichkeiten für ihn bestehen. Auf jeden Fall hat das Bistum betont, als er nach Rom flog, die Entscheidung über seine Zukunft liege in den Händen des Papstes und damit, das kann man herunterdeklinieren, in der Bischofskongregation. Da scheinen mir die entscheidenden Gespräche stattzufinden.

domradio.de: Wie genau muss der formale Weg eigentlich aussehen? Die deutschen Medien sind sich ja im Prinzip einig, dass jetzt ein schneller Rücktritt des Limburger Bischofs anzustehen habe, aber wie kann das praktisch aussehen?

Kempis: Also deutsche Medien oder auch "Limburger Wutbürger", um das mal so zu sagen, sind jetzt nicht Experten darin, wie Bischöfe zurücktreten sollten. Das Kirchenrecht macht ganz klare Vorgaben. Ein Bischof kann nicht einfach, außer aus schwerwiegenden Gründen und gut dokumentiert, aus dem Amt entfernt werden. Ein Bischof ist immerhin, und das ist etwas Theologisches, Nachfolger der Apostel. Bischöfe werden im Neuen Testament erwähnt, eine Bischofskonferenz zum Beispiel nicht. Bischof ist die höchste Weihe, die man in der katholischen Kirche überhaupt bekommen kann. Was machbar ist, ist, dass man einen Bischof darum bittet, aber auch aus guten Gründen, von sich aus den Amtsverzicht anzubieten und dann hat der Vatikan, hat der Papst, hat die Bischofskongregation eine einfache Handhabe dem zu entsprechen oder auch nicht. Nun gibt es - ich rede jetzt gar nicht speziell zum Fall Tebartz, sondern so etwas passiert in der Weltkirche immer wieder mal - wenn ein Bischof, der irgendetwas falsch gemacht hat, nicht zurücktreten will, obwohl es einen gewissen Druck gibt und er bietet seinen Amtsverzicht nicht an, dann muss eben genau dokumentiert und untersucht werden mit schriftlichem Dossier usw. Aber so hoppla hopp, nur weil das so gerade gewünscht wird, geht das nicht. Da hat der Vatikan ja auch eine Fürsorgepflicht, nicht nur gegenüber den Katholiken im Bistum Limburg und in der deutschen Kirche, sondern auch konkret gegenüber den Bischöfen. Was auch immer passiert, wird überlegt geschehen.

domradio.de: Ihre Einschätzungen klingen ein deutliches Maß nüchterner und gelassener als die, die man so in der deutschen Presse mitbekommt. Liegt Ihnen da überhaupt eine Vorhersage auf den Lippen, was mit Bischof Tebartz-van Elst geschieht?

Kempis: Ich komme aus dem Erzbistum Köln und ich werde immer darauf angesprochen, wer der nächste Erzbischof von Köln wird. Wir sind zwar am Vatikan, aber nicht direkt im Vatikan, als ob man das jetzt hier alles so genau mitbekäme. Ich sage mir selber immer, wir sind hier nicht als Propheten angestellt. Die hat es im Alten Testament gegeben und dann vielleicht als letzte Hildegard von Bingen in unseren Breiten. Wir sind hier nicht Propheten, sondern Beobachter der Situation und da kann ich nur sagen, es ist alles offen. Heute redet Erzbischof Zollitsch mit dem Papst und ich glaube übrigens, dass er auch über die ursprünglich vorgesehenen Themen reden wird und nicht nur über Limburg. Limburg ist eines der Themen, die der deutschen Kirche unter den Nägeln brennen und natürlich muss Erzbischof Zollitsch auch über die Gespräche auf der Herbstvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz erzählen und den Papst auch mal ein bisschen näher kennenlernen, denn so lange ist der ja auch noch nicht dabei, hier im Vatikan. Wie das jetzt mit Bischof Tebartz ausgeht, das muss man einfach mal sehen. Möglichkeiten gibt es viele, klar ist, es sollte nicht nur nach einer schnellen gesichtswahrenden Lösung gesucht werden oder nach einer "populistischen Aktion", also auf alles eingehen, was gerade so gefordert wird. Es muss eine vernünftige, tragfähige, transparente, offene Lösung geben und wenn sie Zeit brauchen sollte, dann muss man sich die Zeit auch nehmen. Wenn die Zeit aber nur zum Vertuschen und Vermauscheln da ist, dann ist zu viel Zeit nehmen natürlich auch nicht gut.

Das Interview führte Daniel Hauser

(DR)

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