Das Krematorium als Kunstinstallation
Das Krematorium als Kunstinstallation

05.07.2013

Vor 50 Jahren erlaubte die katholische Kirche Feuerbestattung Eine Kulturrevolution

Am 5. Juli 1963 erlaubte das Heilige Offizium, die Vorgängerbehörde der heutigen Glaubenskongregation im Vatikan, Katholiken  die Feuerbestattung. Was unter Papst Paul VI. endete, begann mit Karl dem Großen.

Zwischendrin tauchen eine ganze Reihe illustrer Persönlichkeiten auf. Preußen-König Friedrich der Große ist darunter, der Mediziner Rudolf Virchow sowie Unternehmer vom Schlag eines Friedrich Siemens. Dabei, mag manch einer aufgerufen, ging es nur um ein Häufchen Asche: eben das, was von einem Verstorbenen nach der Verbrennung gemeinhin übrig bleibt. Aber genau das war Katholiken lange verboten.

Von einer «wahren Kulturrevolution» spricht der Hamburger Historiker Norbert Fischer. Bis zu der aufsehenerregenden Entscheidung unter Papst Paul VI. (1963-1978) definierten Spötter den klassischen Katholiken so: "einer, der sich nicht verbrennen lassen darf´". Schwer nachvollziehbar angesichts der Tatsache, dass in der frühen Geschichte der Menschheit Erd- und Feuerbestattung nebeneinander her existierten.

Verbrannt wurden nur Verbrecher

Die Kehrtwende kam im frühen Mittelalter. Im Edikt von Paderborn verbot Karl der Große 785 bei Todesstrafe die Durchführung von Feuerbestattungen. Nur für Verbrecher oder solche, die dafür gehalten wurden, kam die Verbrennung in Betracht - oft bei lebendigem Leibe. Stützen konnten sich Karl und die Häupter der Christenheit auf biblische Überlieferungen. Im Alten Testament wurde die Feuerbestattung als schwere Schande angesehen. Positives Vorbild war die Grablegung Jesu.

Bis in die Neuzeit hinein hatte die liebe Seele ihre Ruh'. Daran konnten auch aufmüpfige Freigeister nicht rütteln. Der legendäre Preußenkönig Friedrich der Große verfügte für den Fall eines Todes auf dem Schlachtfeld seine Einäscherung. Dazu kam es freilich nicht: Der Monarch starb 74-jährig in einem Sessel. Ernst machten hingegen die Freunde des vor der italienischen Küste ertrunkenen Percy B. Shelley. Sie verbrannten die Leiche des britischen Dichters 1822 am Strand nahe der Stadt Massa.

Konsequenzen mussten die prominenten Vertreter aus Aufklärung und Romantik, die sich auch in letzten Dingen an antiken Vorbildern orientierten, dank ihres Bekanntheitsgrades nicht befürchten. Auch fehlte es an technischen Mitteln, die Einäscherungen in großem Stil möglich gemacht hätten. Das änderte sich jedoch wenig später.

Scharfe Debatte

Angesichts des rapiden Bevölkerungswachstums ab Mitte des 19. Jahrhunderts platzten viele Städte aus allen Nähten. Das begünstigte einerseits die Ausbreitung von Seuchen; andererseits wurde der Platz auf den Friedhöfen rar. Mediziner, darunter Rudolf Virchow, rieten zur angeblich hygienischeren Feuerbestattung. Die von Unternehmern wie Friedrich Siemens vertriebenen Öfen schufen die praktischen Grundlagen; "Feuerbestattungsvereine" trugen ab den 1870er Jahren diese Ideen in eine breite Öffentlichkeit.

Antikirchliche Töne waren anfangs eher selten, so Historiker Fischer. Die Debatte gewann trotzdem bald an Schärfe. Die Freunde der Feuerbestattung erschauerten in Gedanken "an die feuchte, kalte Erde und den langsamen Moder", der das tote Gebein dereinst emporkriechen würde. Gegner sprachen von einer "alles Gefühl beleidigenden Rohheit" und fragten fassungslos: "Aber um des Himmels willen, was findet ihr doch Poetisches, Feierliches, Anziehendes an einem Leichname, der wie eine Salami auf eine unförmige Metallplatte festgebunden ist in einem Ofen?"

Das katholische Kirchenrecht stellte 1917 klar: "Einem Gläubigen, der die Verbrennung seines Leichnams anordnet, wird das kirchliche Begräbnis zur Strafe entzogen." Dabei blieb es - bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Die große Bischofsversammlung (1962-1965) dürfte zugleich der Grund dafür gewesen sein, dass die 1963 erlassene Instruktion erst im darauffolgenden Jahr, am 24. Oktober 1964, offiziell bekanntgegeben wurde. Die neuen Bestimmungen hätten «manchen Staub aufgewirbelt», räumte der damalige Münchner Kardinal Julius Döpfner ein: "Aber die Kirche lebt in der Geschichte, sie muss sich mit den jeweils wandelnden Umweltverhältnissen auseinandersetzen und Antwort geben auf neue Fragen."

Joachim Heinz
(KNA)

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