02.03.2013

In katholischen Ostkirchen ganz normal Oberhaupt im Ruhestand

Benedikt XVI. ist im Ruhestand. Tagelang tüftelten Kirchenrechtler und Protokollverständige, was ein ehemaliger Papst für die Alltagspraxis bedeutet. Dabei gibt es - wenn auch nicht direkt vergleichbar - Vorbilder: In den mit Rom verbundenen katholischen Kirchen des Ostens leben augenblicklich ein halbes Dutzend Oberhäupter im Ruhestand. Teils sind sie sogar noch recht aktiv.

Etwa Patriarch Michel Sabbah, Lateinischer Patriarch emeritus von Jerusalem: Er meldet sich seit seinem Rücktritt 2008 noch immer gern in politischen Fragen zu Wort. Erst unlängst warb er für eine Anerkennung Palästinas bei den Vereinten Nationen und sagte den Israelis, sie brauchten sich über Feindseligkeit nicht zu wundern, wenn eineinhalb Millionen Palästinenser im Gazastreifen tagtäglich unter der Last eines "absurden Embargos" litten.

Wohlgemerkt: Sabbah hat keinerlei Mandat. Nur die Freiheit, die sein acht Jahre jüngerer Nachfolger Patriarch Fouad Twal ihm als Elder Statesman lässt. Genau diese Vorstellung eines emeritierten Leiters, der Finger und Stimme erhebt, wenn er es für geboten hält, dürfte manchem Kurialen in den vergangenen Nächten den Schlaf geraubt haben.

Gute eingespieltes Verhältnis

Dabei ist das Verhältnis zwischen neuen und alten Patriarchen im Allgemeinen gut eingespielt. Nasrallah Sfeir, Alt-Patriarch der Maroniten, lässt sich mit seinen fast 93 Jahren bei besonderen Anlässen noch neben seinem 72-jährigen Nachfolger Bechara Rai sehen. Das Bild vermittelt Vertrauen des alten Weisen in die aktuelle Kirchenführung und signalisiert Kontinuität.

Der Groß-Erzbischof der ebenfalls eigenständigen ukrainisch-katholischen Kirche, Swjatoslaw Schewtschuk (42), bindet seinen großväterlich-weißbärtigen Vorgänger Ljubomyr Husar (79) sogar bereitwillig ins Hirtenamt ein: Husar - er teilte seinen Amtsverzicht übrigens genau zwei Jahre vor Benedikt XVI. am 10. Februar 2011 mit - führt Dialog mit Studenten und Intellektuellen und vertritt die Kirche in sozialen Fragen in den Medien.

Dem Anschein nach legt der neue Patriarch dem erfahrenen Kirchenpolitiker gerne auch mal ein Skript vor, wenn es um das heikle Verhältnis zu den Orthodoxen geht. Kein Wunder: Beide wohnen in Kiew unter dem gleichen Dach, gemeinsam mit ein paar anderen Priestern und Ordensfrauen - eine geistliche Wohngemeinschaft.

In den sechs mit Rom unierten Kirchen, die von einem Patriarchen geführt werden, sowie im lateinischen Patriarchat Jerusalem wird das Leitungsamt in der Regel durch Rücktritt frei. Ebenso gilt das in dem Dutzend katholischer Ostkirchen mit einem Bischof an der Spitze; nur in der syro-malankarischen schieden Amtsinhaber bislang durch Tod aus.

Das Ostkirchenrecht schreibt fest, dass ein ehemaliger Patriarch Titel und Ehren behält, vor allem in der Liturgie; zudem hat er Anspruch darauf, dass ihm "ein würdiger Wohnsitz zugeteilt wird und Mittel aus den Gütern der Patriarchatskirche gewährt werden, durch die für seinen Unterhalt, der seinem eigenen Titel entspricht, gesorgt wird".

Keine Antworten
Dennoch - so ein Mitarbeiter der Ostkirchenkongregation im Vatikan - steht der Amtsverzicht eines Papstes dazu nur "in ferner Analogie". Anders als die katholischen Patriarchen vertritt der römische Papst den Anspruch, die Universalkirche zu leiten, nicht nur eine Teilkirche. Den Jahrtausende alten Titel "Patriarch des Abendlandes" hatte Benedikt XVI. schon 2006 abgelegt; manche Vertreter der Ostkirchen sahen darin gegen die Intention des Papstes eine Geringschätzung.

Aber der Bischof von Rom firmiert auch als Stellvertreter Christi: Darin steckt eine religiöse Aufgeladenheit, die schwerlich zu einem Job auf Zeit passt. Kein Wunder, dass auch die Ostkirchenkongregation keine Patentlösung für die Kollegen im Staatssekretariat parat hat. "Wir haben keine Antworten", hieß es zur Frage, welche Rolle Benedikt XVI. demnächst noch spielen könnte. "Das hängt davon ab, wie dieser Papst und der kommende das machen."
 

Burkhard Jürgens
(KNA)

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