25.02.2013

Zahlreiche neue Kirchenoberhäupter in der christlichen Welt Nicht nur in Rom

Es sind sehr außergewöhnliche Monate für die christliche Welt. In verschiedensten Weltregionen treten langgediente Kirchenführer, Päpste und Patriarchen ab - turnusmäßig, durch Tod oder durch Amtsverzicht.

Papst Benedikt XVI. (85), scheidendes Oberhaupt der mit 1,2 Milliarden Mitgliedern größten Religionsgemeinschaft der Welt, ist mit seinem Rückzug am kommenden Donnerstag der prominenteste. Sein Schritt ist eine Sensation - denn die römischen Päpste sind auf Lebenszeit gewählt. Seit mehr als 700 Jahren hat kein rechtmäßig gewählter Petrusnachfolger mehr den Ausweg des Amtsverzichts gewählt.

Mit seinem Ausscheiden - das Benedikt XVI. mit schwindenden Kräften begründet - setzt sich ein Trend zur Verjüngung der Leitungsriege christlicher Konfessionen fort. Am Tag von Benedikts Rückzug wählt die äthiopisch-orthodoxe Kirche in Addis Abeba ihr neues Oberhaupt; es soll am 3. März ins Amt eingeführt werden. Patriarch Abuna Paulos, einer der Präsidenten des Weltkirchenrates, war im August 2012 mit 76 Jahren gestorben.

Seit diesem Sonntag hat auch die bulgarisch-orthodoxe Kirche einen neuen Patriarchen: Neofit, 67-jähriger Metropolit von Russe, der an der Donau gelegenen fünftgrößten Stadt des Landes. Neofit wird Nachfolger des greisen Maxim, der im November 98-jährig starb. Auch über Bulgarien hinaus steht die Personalie für einen Generationenwechsel: Maxim war das letzte orthodoxe Oberhaupt, das seine Mehrheitskirche bereits in der schwierigen Zeit der kommunistischen Regime geleitet hatte. In Rumänien war 2007 Patriarch Teoctist I. und im serbischen Belgrad Ende 2009 Patriarch Pavle gestorben - beide ebenfalls in biblischem Alter von 92 respektive 95 Jahren.

Patriarch von Antiochien

Unter großen Sicherheitsmaßnahmen wurde am 11. Februar der griechisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien, Johannes X. Yazigi (57), im syrischen Damaskus ins Amt eingeführt. Was so orientalisch-exotisch anmutet, ist tatsächlich eines der ranghöchsten Ämter der Weltorthodoxie - ist doch "der Antiochener" mit den Patriarchen von Konstantinopel, Alexandrien und Jerusalem einer der vier großen historischen Kirchenführer des alten Oströmischen Reiches. Vorgänger Ignatius IV. war im Dezember mit 92 Jahren gestorben.

Im November erhielten oder verloren gleich drei christliche Konfessionen binnen weniger Tagen ihr Kirchenoberhaupt. Am 4. November wurde in Ägypten der neue Patriarch der koptisch-orthodoxen Christen, Tawadros II. (60), als Nachfolger des verstorbenen Schenuda III. (88) gewählt. Zwei Tage darauf starb in Bulgarien Patriarch Maxim; und wiederum nur einen Tag später sickerte durch, dass Bischof Justin Welby (57) der nächste Erzbischof von Canterbury und damit Ehrenprimas der anglikanischen Weltgemeinschaft werde.

Interessant: Sowohl bei den Kopten als auch bei den Anglikanern fiel die Wahl auf Ex-Manager aus der Geschäftswelt, die sich erst spät dem geistlichen Leben zuwandten: Tawadros II. war seit Mitte der 1970er Geschäftsführer eines staatlichen Pharmazie-Betriebes. Der Eliteabsolvent Welby war zunächst Finanzmanager im Ölgeschäft, bevor er sich 1989 dem Theologiestudium widmete. Offenbar sind auch in der Kirchenleitung Managerqualitäten und Weltläufigkeit gesucht, gepaart mit Frömmigkeit und hohen Sympathiewerten.

Starke Verjüngung

Als Bischof im Nildelta war Tawadros stark in der Jugendarbeit engagiert. Ein Teil seiner schweren Aufgabe wird es sein, jene Teile der christlichen Jugend zu erreichen, die nach dem Arabischen Frühling nicht mehr bereit sind, sich in der Ecke der diskriminierten Minderheit still zu verhalten, sondern die auf volle Bürgerrechte in einem "neuen Ägypten" pochen. Ob und wie das unter Präsident Mohammed Mursi und angesichts eines wachsenden Einflusses radikaler Salafisten zu erreichen ist, muss sich erweisen.

Ob Tawadros, Welby, Patriarch Daniel von Rumänien (61) oder Patriarch Kyrill I. von Moskau (66): Die Riege der christlichen Kirchenoberhäupter hat sich zuletzt stark verjüngt. Mit dem Amtsverzicht Benedikts XVI. wird von den Führern der großen Denominationen lediglich Serbiens Patriarch Irineij (82) noch jenseits der 80 Jahre sein - vorausgesetzt, die Kardinäle setzen demnächst ebenfalls auf "jüngeres Blut" im Vatikan.

(KNA)

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