Die Kardinäle Marx und Woelki
Die Kardinäle Marx und Woelki

25.02.2013

Die Kardinäle Marx und Woelki und das Konklave Die Erstwähler

Der Münchner Kardinal Marx und der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki zählen zu den Junioren im Konklave. Nur ganz wenige der 117 stimmberechtigten Kardinälen sind unter 60 Jahre alt sind.

Andere denken in seinem Alter allmählich an die Rente, doch in der katholischen Kirche gilt Kardinal Reinhard Marx mit seinen 59 Jahren noch als Jungspund. Am Dienstag fliegt der Münchner Erzbischof nach Rom, um Papst Benedikt XVI. zu verabschieden und dann den Nachfolger zu wählen. Marx hält sich derzeit gegenüber den Medien erstaunlich zurück. Bis zum Ende des Konklaves beantworte er keine Journalistenfrage, heißt es in seinem Ordinariat. Das hebt ihn von vielen Kirchenmännern ab, die von der Presse gelöchert werden, um Futter für die Vorberichterstattung zur Papstwahl zu erhalten.

Das Konklave ist für Marx eine Premiere, vor der er großen Respekt hat. Der Rücktritt von Benedikt XVI. hat ihn spürbar überrascht und beeindruckt. Vor allem in der Art und Weise, wie sich der Papst erklärt hat, sieht der Münchner Kardinal einen Anlass zur Meditation und vertieftem Nachdenken. Auch das mag sein "Schweigegelübde" erklären.

Dass er sich im Kardinalskollegium genauso wortkarg geben wird, heißt das nicht. Auch ist er trotz seiner Jugendlichkeit schon gut vernetzt. Im Unterschied zu vielen anderen hat er zwar keine römische Station in seinem Lebenslauf aufzuweisen, doch hat er bereits seit Jahren zunehmend öfter in der Ewigen Stadt zu tun - und das nicht erst seit seiner Aufnahme unter die Purpurträger.

2002, im Jahr seiner Ernennung zum Bischof von Trier, wurde Marx in den Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden beordert, sechs Jahre später erfolgte der Ruf in den Laienrat. 2011 zum Kardinal erhoben, wurde er zur Mitarbeit in der vatikanischen Bildungskongregation und in der Ostkirchenkongregation gebeten.

In diesen Gremien hat Marx schon eine Reihe anderer Kardinäle kennengelernt. Die unter 60-Jährigen treffen sich alle in der Bildungskongregation. Auch als gewählter Präsident der EU-Bischofskommission COMECE pflegt Marx internationale Kontakte, dazu kommen viele Auslandsreisen, etwa in die USA.

Im Februar 2012 zählte er zu den Hauptrednern bei einer erstmals ausgerichteten internationalen Fachkonferenz zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in Rom. Zusammen mit der Päpstlichen Universität Gregoriana errichtete er in München ein Kinderschutzzentrum, das weltweit einsetzbare Präventionsprogramme für kirchliche Mitarbeiter entwickelt.

Der Kardinal spricht fließend Englisch und Französisch, Spanisch und Italienisch versteht er gut. So sollte es für ihn keine Sprachbarriere bei der Suche nach einem geeigneten Petrusnachfolger geben.

Ob Marx bestimmte Kandidaten im Auge hat, ist nicht bekannt. Der profilierte Sozial- und Wirtschaftsexperte der Deutschen Bischofskonferenz macht sich aber schon seit langem Gedanken um ein Weltgemeinwohl. Er steht für eine Kirche, die sich politisch einmischt und nicht selbstgenügsam in die Sakristei zurückzieht. Das moderne Freiheitsethos sieht er als Fortschritt und nicht als Gefahr für die Kirche an. Diese Positionen dürften für seine Wahlentscheidung nicht unerheblich sein.

Vermutlich zählt Marx zu denen, die Veränderungen in der Kirchenleitung für angezeigt halten, auch wenn bisher von ihm öffentliche Kritik am Vatikan kaum zu hören war. Bei einer Messe mit der deutschsprachigen Gemeinde in Rom erinnerte der Kardinal im November 2011 an Papst Hadrian VI., der sich im 16. Jahrhundert zu Beginn der Reformationszeit um eine Reform der Kurie bemühte - allerdings ohne Erfolg. "Erneuerung ist nie Restauration, sondern Renaissance", sagte Marx damals.

Als zweitjüngster Kardinal ins Konklave

Fast hätte Rainer Maria Woelki als jüngster Kardinal in das Konklave gehen können. Seit vergangenem November kann allerdings der 53-jährige Großerzbischof Baselios Cleemis Thottunkal aus Indien dies für sich in Anspruch nehmen. Dennoch gehört der Berliner Erzbischof mit seinen 56 Jahren zu den "Youngsters" unter den 116 Papstwählern.

Eigentlich hätte Woelki in der Heimat genug zu tun. Im vergangenen Advent eröffnete er einen tiefgreifenden Erneuerungsprozess für sein Erzbistum. Zudem will er in diesem Jahr eine Sanierung und Umgestaltung seiner Bischofskirche, der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale, in Angriff nehmen. Auch hat er erste Schritte eingeleitet, eine katholisch-theologische Fakultät nach Berlin zu holen. Zunächst sollte er aber am 16. März Heiner Koch als neuen Bischof des Bistums Dresden-Meißen einführen, das zur Berliner Kirchenprovinz gehört.

Doch dies alles muss hinter der Wahl des neuen Kirchenoberhaupts zurückstehen, an der er nach seiner Erhebung zum Kardinal mitwirken kann. Ein gutes Jahr nach seiner Berufung in den päpstlichen Senat durch Benedikt XVI. kommt Woelki nun erstmals der wichtigsten Aufgabe eines Kardinals nach. Es ist eineinhalb Jahre nach seinem rasanten Aufstieg vom Kölner Weihbischof bis in den zweithöchsten Rang der katholischen Kirche.

Über seine Erwartungen an das neue Kirchenoberhaupt hat sich der Berliner Kardinal schon Gedanken gemacht. Der nächste Papst sollte vor allem ein Seelsorger sein, äußert Woelki gegenüber den Medien.

Er müsse ein "Herz für die Menschen" haben und "den Glauben in eine Sprache übersetzen, die Menschen heute verstehen können". Zugleich sollte der Nachfolger von Benedikt XVI. nicht zu jung sein, eher "im Alter von Mitte 60 bis Anfang 70". Ein Jüngerer bleibe auch länger.

Es könne aber sinnvoll sein, "einen häufigeren Wechsel zu haben", führt er zur Begründung an.

Von welchem Kontinent der neue Papst kommt, sei ihm allerdings "total egal", wenn er von Gott erwählt sei, betont der Kardinal. Er müsse sich jedenfalls den Fragen in Afrika und Lateinamerika genauso stellen wie denen der westlichen Welt. Deutsche seien "leicht in Gefahr, ihre eigenen Probleme für die weltkirchlich relevanten zu halten", kritisiert er. "Das sieht anderswo ganz anders aus." Mit Blick auf die Papstwahl äußert Woelki den Wunsch, "dass es in der Kirche nicht so zugeht wie in der Gesellschaft". Er hofft, dass es keine "Machtspielchen und Taktierereien" gibt.

In den Kardinalsversammlungen vor der Papstwahl kann Woelki seine Vorstellungen nun zur Gehör bringen, bevor sich hinter ihm und seinen Amtsbrüdern die Türen des Konklave schließen. Dort ist er dann faktisch die Stimme der ostdeutschen Katholiken. Fragen nach seinen Chancen auf das höchste Amt der römischen Kirche quittiert Woelki mit einem Schmunzeln - und verweist auf sein jugendliches Alter. Ob er damit Recht behält, wird sich zeigen, nachdem der weiße Rauch aufgestiegen ist.

Christoph Renzikowski und Gregor Krumpholz
(KNA)

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