Elisabeth Keilmann
Elisabeth Keilmann

21.07.2021

Deutsche Olympiaseelsorgerin betreut Athleten digital Digitales Anklopfen erwünscht

Olympia startet wegen der Corona-Pandemie in einer sehr abgespeckten Version - mit Athleten, aber ohne Zuschauer. Auch die katholische Olympia-Seelsorgerin Elisabeth Keilmann ist nicht vor Ort - aber trotzdem für die Sportler da.

DOMRADIO.DE: Das wären Ihre ersten Olympischen Spiele als Seelsorgerin gewesen. Corona hat Ihnen da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zumindest können Sie nicht vor Ort sein. Wie enttäuscht sind Sie? 

Elisabeth Keilmann (Sport- und Olympiaseelsorgerin der Deutschen Bischofskonferenz und Geistlicher Beirat des DJK-Sportverbandes): Enttäuscht bin ich nicht. Ich wäre natürlich gerne mit in Tokio gewesen und hätte die deutsche Mannschaft dort begleitet, mit meinem evangelischen Kollegen Thomas Weber. Aber wir müssen natürlich die gesamte besondere Situation in den Blick nehmen und umdenken. Und wir haben auch irgendwie gelernt, kreativ zu sein, um eine bestmögliche Begleitung für das Team von Deutschland aus zu gewährleisten. 

DOMRADIO.DE: Wie können Sie das deutsche Olympia-Team ohne Präsenz vor Ort unterstützen? Wie geht das von Deutschland aus? 

Keilmann: Wir haben natürlich schon in den letzten Monaten, wie viele andere auch, viele Erfahrungen in virtuellen Angeboten gemacht. Wir haben für das deutsche Tean, aber auch später für das Team der Paralympics, einen Tür-Anhänger entwickelt. Den bekommen alle Mitglieder des Teams. Der Tür-Anhänger ist sozusagen unsere Visitenkarte und dort stehen alle Kontaktdaten von uns - Handynummer und E-Mail-Adresse. Er ist schnell griffbereit und wenn jemand aus der deutschen Mannschaft uns ansprechen möchte - per Telefon, WhatsApp, Mail oder auch Video-Chat sind wir bereit. Das Motto ist also: Anklopfen erwünscht.

Wir werden am kommenden Sonntag zum Auftakt einen Online-Gottesdienst anbieten, 21 Uhr japanischer Ortszeit, zum Thema Atmen. Atem als Lebenskraft, aber auch, um sich Zeit zu nehmen, durchzuatmen. Gestern war das Olympia-Seelsorgeteam am Olympiastützpunkt in Wattenscheid, um einen Videogruß für das Team aufzunehmen; also nochmal eine persönliche Ansprache. Das wird dann auch über den DOSB an das Team weitergeleitet. Es werden dann auch biblische Texte, ein Gebet zum Morgen oder ein Segen zur Verfügung stehen.

Für den Krisenfall, weil wir ja nicht vor Ort sein werden, gibt es dort eine evangelische und katholische deutsche Gemeinde. Und die Seelsorger vor Ort werden für den Krisenfall - von dem wir hoffen, dass er nicht eintritt - auch vor Ort sein.

DOMRADIO.DE: Die Olympischen Spiele wurden um ein Jahr verschoben. Aber wir sind immer noch in Corona-Zeiten. Haben sich Athletinnen und Athleten aus dem deutschen Team vielleicht schon vorab an Sie gewandt, weil sie Bedenken haben, an diesen Spielen teilzunehmen? 

Keilmann: Das ist bisher nicht passiert. Die Sportlerinnen und Sportler sind meiner Meinung nach sehr auf den Sport fokussiert. Und ich glaube, es geht ein großer Traum für sie in Erfüllung. Und wenn ich so auf die Medien schaue, habe ich den Eindruck, sie sind froh, dass sie jetzt auch daran teilnehmen dürfen, haben sich lange vorbereitet, auch unter erschwerten Bedingungen. Von daher glaube ich, dass sie auch die Einschränkungen in Kauf nehmen und auch Kompromisse eingehen. Es sollte ja auch alles möglichst risikofrei stattfinden, weil die Gesundheit der Menschen im Vordergrund stehen muss. 

DOMRADIO.DE: Und trotzdem gibt es natürlich schon die ersten Corona-Fälle im olympischen Dorf. Und möglicherweise werden das ja auch nicht die letzten sein, man weiß das nicht. Wie groß sind Ihre persönlichen Bedenken, dass die Spiele irgendwann an einem Punkt ankommen, in den nächsten zwei Wochen, an dem es vielleicht nicht weiter gehen kann? 

Keilmann: Wir hoffen, dass das nicht der Fall sein wird. Es liegt eine besondere und hohe Verantwortung bei den Veranstaltern. Es sind viele Maßnahmen getroffen worden und wir hoffen, dass sie dann auch greifen. 

DOMRADIO.DE: Schon die Fußball-EM kürzlich hat ja gezeigt: Die Menschen zu Hause, also die Fans, brauchen diese Abwechslung in der Corona-Pandemie. Welches Signal geht jetzt von Olympia nochmal für uns alle aus? 

Keilmann: Für mich ist das wichtige, dass der Aspekt der Gesundheit aller, also der Gastgeber, der Japaner, der Athleten, der Betreuerteams, der Kampfrichter, im Mittelpunkt steht. Klar, es sind ganz andere Olympische Spiele unter ganz besonderen Bedingungen und die olympische Atmosphäre wird auch nicht so gegeben sein. Ich hoffe aber, dass dennoch der olympische Geist ein wichtiger Aspekt bleiben wird, nämlich die Idee der Fairness und des weltumspannenden Friedens. Das wäre für mich nochmal ein wichtiger Aspekt. 

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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