Olympia in Südkorea
Olympia in Südkorea
Jürgen Hünten
Jürgen Hünten
Pfarrer Hünten bei südkoreanischem Gottesdienst
Pfarrer Hünten bei südkoreanischem Gottesdienst
Pfarrer Hünten bei südkoreanischem Gottesdienst
Pfarrer Hünten bei südkoreanischem Gottesdienst

13.02.2018

Olympia-Pfarrer zu Stimmung, Kirche und Begegnungen "Asiaten feiern anders"

Bislang schon sieben Medaillen und davon viermal Gold: Für die Deutschen regnet es bei den Winterspielen in Pyeongchang Edelmetall. Olympia-Pfarrer Jürgen Hünten ist dabei – und erklärt, warum die Stimmung trotzdem verhalten ist.

DOMRADIO.DE: Bei Ihnen ist schon Nachmittag. Wo waren Sie heute unterwegs?

Jürgen Hünten (Düsseldorfer Hochschulpfarrer und Olympia-Pfarrer): Wir wohnen etwas abseits in einem Küstenort. Heute sind wir mit dem Zug nach Pyeongchang ins olympische Dorf gefahren – und gleich geht’s zum Frauenbob auf die Rennstrecke.

DOMRADIO.DE: Sie sind als katholischer Seelsorger für die Sportler da. Hatten Sie schon erste Begegnungen?

Hünten: Ja, mein evangelischer Kollege und ich sind viel in den Administrationen und im deutschen Haus unterwegs. Dort gibt es schon die eine oder andere intensivere Begegnung. Aber auch an anderen Orten. Skispringer Eric Frenzel saß zum Beispiel im Zug vor mir. Man spricht viel miteinander.

DOMRADIO.DE: Wie ist generell das kirchliche Leben in Südkorea: Was kriegen Sie davon mit?

Hünten: Wir wohnen in der katholischen Gemeinde. Dort habe ich am Sonntag den Gottesdienst mitgefeiert und wurde auch sehr herzlich von dem Pfarrer willkommen geheißen. Die Kirche war sehr gut besucht, es waren mehr als 500 Menschen da. Dazu gab es eine sehr lebendige Kirchenmusik.

DOMRADIO.DE: Aber der Gottesdienst war auf Koreanisch?

Hünten: Ja, der war auf Koreanisch. Aber das Schöne an der katholischen Liturgie ist, dass man sich relativ schnell überall zurecht findet.

DOMRADIO.DE: Die Stimmung in den Stadien ist ja eher verhalten, um es positiv auszudrücken. Warum gibt es keine tobende Begeisterung in Pyeongchang?

Hünten: Sie dürfen nicht vergessen: Wir sind in Ostasien. Ich denke, dass die Asiaten anders feiern. Es dauert vielleicht etwas, bis sie aus sich herausgehen. Die Spiele sind ja nach Südkorea vergeben worden, um hier den Wintersport anzuschieben. Ich habe den Eindruck, dass viele auch noch gar nicht wissen, was hier abgeht. Die Menschen sind immer sehr freundlich, aber zurückhaltend. Wir haben eine Fahrerin, die zehn Jahre in Deutschland gelebt hat, und uns viele Einblicke vermitteln konnte.

DOMRADIO.DE: Bei Winterspielen darf es ruhig ordentlich kalt sein, sonst wären die ganzen Sportarten, die draußen stattfinden, ja auch gar nicht möglich – aber es scheint ziemlich unangenehm zu sein. Wie empfinden Sie das?

Hünten: Ja, es weht ein sehr eisiger Wind – eine Kälte, die wir aus Deutschland gar nicht mehr kennen. Es sind etwa minus 5 bis minus 7 Grad. Das nennt sich Ostwind aus Sibirien. Glücklicherweise wohnen wir hier an der Küste, da ist es etwas wärmer.

Das Gerspräch führte Silvia Ochlast.

(DR)

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