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Gelbe Karte für WM-Gastgeber Russland
Weihbischof Jörg Michael Peters
Weihbischof Jörg Michael Peters

01.12.2017

Sportbischof mahnt vor Beginn der Fußball-WM in Russland Gelbe Karte für den Gastgeber

Die Fußballwelt schaute gebannt nach Russland. Dort wurden die Vorrundengruppen für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr ausgelost. Damit rückten auch die Probleme um Doping und Menschenrechte mal wieder in den Hintergrund.

DOMRADIO.DE: Russland will sich als vorbildlicher Gastgeber präsentieren, aber die glitzernde Fassade bröckelt. Das Ereignis wird im Vorfeld von zahlreichen Skandalen begleitet: Immer noch ist das Dopingkontrollsystem dort marode. Die FIFA ignoriert klare Hinweise auf Doping im Fußball. Zudem hat Russland ein massives Hooligan-Problem und auf WM-Baustellen werden koreanische Gastarbeiter ausgebeutet. Kommt da eigentlich überhaupt so richtig Vorfreude auf die WM auf? Wie sieht das bei Ihnen aus?

Jörg Michael Peters (Trierer Weihbischof und bei der Deutschen Bischofskonferenz zuständig für die Jugendarbeit des katholischen Sportverbands DJK): Natürlich freue ich mich mit zig Millionen Menschen auf guten Fußball. Ich glaube, der wird uns auch geboten. Wir dürfen aber nicht übersehen, dass es auch Schattenseiten gibt. Noch ist ein halbes Jahr Zeit, bis es losgeht. Ich hoffe, dass wir in dieser Zeit auch noch einmal verstärkt den Sport zu Gehör bringen können.

DOMRADIO.DE: Im russischen Sotschi fanden bereits die olympischen Winterspiele 2014 statt, die im Vorfeld von Protesten gegen Präsident Putin und Menschenrechtsverletzungen im Land begleitet waren. Kann es sein, dass man jetzt bei der Fußball-WM nicht so genau hinschaut?

Peters: Russland hält sich im Moment im Hinblick auf die Ergebnisse, die es am kommenden Dienstag vom Internationalen Olympischen Komitee zu möglichen Sperren geben wird, zurück. Im Fußball bemüht man sich um eine ruhige Hand, auch wenn der frühere Sportminister sich noch einmal deutlich zu Wort gemeldet hat. Ich glaube, die FIFA hat nicht zuletzt ein Interesse, dass es einen positiven Zugang zu diesem großen, weltweit erwarteten Ereignis gibt.

DOMRADIO.DE: Fallen die Probleme dann nicht ein wenig unter den Tisch?

Peters: Wenn man an die Dopingskandale denkt, dann ist der Fußball nicht außen vor. Und wenn man an die Ausbeutung von Arbeitskräften denkt, dann sind dies Dinge, die leider Gottes momentan mit einhergehen. Ich bin froh, dass es eine Öffentlichkeit gibt, die sich dort auch immer wieder zu Wort meldet, auch wenn das von russischer Seite nicht gern gesehen wird oder sogar weggewischt werden will.

DOMRADIO.DE: Wenn Deutschland als amtierender Weltmeister hinfährt, gibt es dann nicht die Verpflichtung, auf Missstände hinzuweisen?

Peters: Ich denke, dass wir das unbedingt müssen. Ich glaube auch, dass dies hinreichend geschieht. Wenn ich die Presse in Deutschland in den letzten Tagen, Wochen und Monaten beobachte, dann wird zur Genüge darauf hingewiesen. Das machen nicht zuletzt auch einzelne Vertreter aus dem Sport selber, die da nicht einfach wegschauen, sondern durchaus auch den Blick schärfen.

DOMRADIO.DE: Wenn man die ganzen Skandale außer Acht lässt, worauf freuen Sie sich denn besonders bei der WM im kommenden Jahr?

Peters: Ich freue mich auf spannende Wettkämpfe. Der Kampf gegen Doping darf aber nicht außen vor bleiben. Das sage ich im gleichen Atemzug. Das nimmt Gestalten an, die einen anwidern können. Wenn man mancherorts mitbekommt, dass nicht nur Sport, sondern oft nationale Interessen eine Rolle spielen, dann kann einen das nur erschrecken. Ich freue mich auf fairen Fußball. Damit verbindet sich etwas, was einen Anspruch an menschliche Werte stellt, dass Siege nicht alles ist, sondern dass es um der Menschen willen um gute Begegnungen geht, die nationale Grenzen übersteigen können.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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