Franziskus auf einem Transparent seines Lieblingsvereins
Franziskus auf einem Transparent seines Lieblingsvereins

08.06.2016

Interessiert sich der Papst für die Fußball-EM? Der Capitano aus dem Vatikan

Verpflichtet der Karlspreis einen Argentinier, die Fußball-Europameisterschaft zu verfolgen? Und hält er dann zu Italien, dem Land seiner Vorfahren? Ein guter Kapitän war Franziskus schon immer - aber kein guter Kicker.

Auch Päpste kennen die große Liebe. Für Papst Franziskus ist es Atletico San Lorenzo de Almagro aus Buenos Aires. Jorge Mario Bergoglio, Jahrgang 1936, ist schon seit sieben Jahrzehnten Anhänger des Stadtclubs San Lorenzo, der 1908 von einem Salesianerpater gegründet wurde. Seit dem 100. Vereinsjubiläum im Jahr 2008 ist der heutige Papst auch Ehrenmitglied.

Grundstein seiner unverbrüchlichen Liebe war das Meisterjahr 1946 - und ein Stadionbesuch mit seiner Familie. Bis heute zahlt "Mitglied 88235" per Einzugsermächtigung seine Beiträge, wie die Club-Führung versichert. Noch als Kardinal von Buenos Aires hat Bergoglio die Kapelle des neuen "Gasometer-Stadion" in "seinem" Stadtteil Flores geweiht. Spendiert wurde sie übrigens von Hollywood-Star Viggo Mortensen, der Teile seiner Kindheit in Argentinien verbrachte.

Fußballtaktiker Franziskus

Franziskus hat das Straßenkicken noch vor der Theologie gelernt: an der Membrillar Nummer 531, neben seinem Geburtshaus. Der Straßenzug in Flores im Herzen von Buenos Aires ist heute die erste Station der sogenannten päpstlichen Stadtführung.

Der Musiker Mario Valdez, der 1948 gemeinsam mit Jorge Bergoglio die fünfte Klasse besuchte, erzählt: "Rechts, an der Ecke, wo heute ein kleiner Spielplatz ist, da hat der Papst als kleiner Junge jeden Nachmittag gekickt. Literatur und Fußball, das waren seine Leidenschaften - in dieser Reihenfolge."

Dabei behauptet ein weiterer Schulfreund, Nestor Carabajo, der kleine Jorge sei nie ein begnadeter Techniker gewesen, aber dafür schon damals ein Taktiker vor dem Herrn. Oft habe er die Mannschaften aufgestellt und die Marschrichtung vorgegeben.

"Finale der Päpste"

Für diesen Papst also ist die Frage, wie das Runde ins Eckige gelangen kann, kein bloßes ontologisches Problem. Ob er, der sich zu Beginn seiner Amtszeit als "Papst vom anderen Ende der Welt" bezeichnete, sich nun aber für ein Fußballturnier vom wieder anderen Ende interessieren wird? Man weiß es nicht. Immerhin hat er schon 2014 das historisch wohl einmalige WM-"Finale der Päpste" zwischen Deutschland und Argentinien ausgelassen. Die Geschichte gab ihm freilich Recht, ersparte er sich doch so die Niederlage seines Heimatlandes.

Nationenverbindendes Public Viewing?

Der jüngste Karlspreis an Papst Franziskus für Verdienste um die europäische Idee enthält nicht notwendig eine Verpflichtung zum völkerverbindenden Public Viewing. Eher mag man annehmen, "Arbeitstier" Franziskus drückt zwischen zwei Audienzen mal eben Italien, dem Land seiner Vorfahren, die Daumen und lässt sich am nächsten Morgen diskret und fern der Öffentlichkeit über das Ergebnis informieren. So oder so: hinein mit uns in einen Monat voller EM-Abende, mit oder ohne Franziskus.

Alexander Brüggemann

(KNA)

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