Dortmund: Der Pott gehört in den Pott
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Endspiel
Endspiel

24.05.2013

Dortmunds Katholiken zum Endspiel "Es gibt keinen Fußballgott"

Borussia Dortmund steht heute im Endspiel der Champions-League. Gegründet wurde der BVB in der Dreifaltigkeitsgemeinde im Dortmunder Norden. Gemeindereferent Karsten Haug spricht über die Aufregung vor dem Spiel.

domradio.de: Wie aufgeregt sind Sie gerade?

Karsten Haug: Je näher dieses Datum rückt, der 25. Mai, spüre ich schon, dass die Anspannung steigt. Der Bauch kribbelt. Und seit gestern Abend, seit diesem ökumenischen Gottesdienst, spüren wir alle, dass es jetzt langsam losgeht.

domradio.de: Gestern um 19.09 Uhr (sic!) gab es eine Segensfeier bei Ihnen in der Kirche - was war das für ein Gottesdienst? Er stand ja unter dem Titel "Road to Wembley"!

Karsten Haug: Es ist immer ein ökumenischer Gottesdienst, den ich zusammen mit einer evangelischen Kollegin vorbereite. Dazu suchen wir uns einen adäquaten Prediger aus, der das Thema mit einer biblischen Geschichte in Zusammenhang zu bringen versucht. Gestern war das die alttestamentliche Lesung vom Traum des Jakob, „Die Himmelsleiter“. Und der Prediger hat das wunderbar in Verbindung gebracht mit dem Traum, der Vision, der Sehnsucht so vieler Menschen hier in Dortmund, die einfach darauf hoffen, dass dieser „Pott“ nun nach Dortmund kommt.

domradio.de: Der BVB spielt in der Stadt eine große Rolle und auch immer noch in Ihrer Gemeinde. Seit 2008 gibt es eine ganz besondere Ausstellung in der Kirche...

Karsten Haug: Diese Ausstellung nennt sich „Kirche – Fußball – Gottvertrauen“. Das ist eine Dauerausstellung und zeigt eben den Werdegang der Dreifaltigkeitskirche und eben die Gründung des Vereins Borussia Dortmund. Das war damals kein Ruhmesblatt für die katholische Dreifaltigkeitskirche, denn der Kaplan hat das Fußballspielen damals verbieten wollen. Und die jungen Männer haben sich aber durchgesetzt.

domradio.de: Wie eng geht das denn heute zusammen einher – Religion und die Fußballverrücktheit in Dortmund?

Karsten Haug: Viele sprechen ja davon, dass Fußball hier in Dortmund Religion sei oder zumindest eine Ersatzreligion. Wir als evangelische und katholische Kirchen versuchen einfach, dieses Phänomen Fußball mit unserem christlichen Glauben in Verbindung zu bringen. Und wenn ich persönlich darauf hoffe, dass dieser Gott in meinem ganzen Leben gegenwärtig ist, dann ist er auch beim Fußball gegenwärtig, bei diesen Emotionen, bei den Leidenschaften, bei der Begeisterung dieser Gemeinschaft. Allerdings glaube ich definitiv nicht an einen Fußballgott, der jetzt morgen darüber entscheiden würde, ob nun Bayern oder Dortmund gewinnt. Das wäre meiner Meinung nach vermessen.

domradio.de: Aber Sie sagen schon, es widerspricht sich nicht, wenn man vor so einem Spiel die eine oder andere Kerze anzündet oder ein Stoßgebet in den Himmel schickt?

Karsten Haug: Nein, das widerspricht sich nicht. Ich bringe schon mein Hoffen und Bangen, meine Freuden und Sehnsüchte in diesen Gottes mit ein – oder auch allein – mit einer Kerze vor Gott. Was die Fans gestern zum Beispiel inständig gebetet haben, da werde ich nicht hineinreden, aber es gab kein offizielles Gebet für den Sieg.

domradio.de: Haben Sie denn noch Aktionen zum Spiel geplant? Gemeinsames Schauen in der Gemeinde oder so?

Karsten Haug: Wir werden in einer unserer drei Gemeinden mit 40 bis 50 Leuten auf einer Großbildleinwand Fußball gucken. Und falls dieses Spiel gut ausgeht, ziehen natürlich alle normalerweise in die Stadt auf den Alten Markt. Und dort wird dann hoffentlich kräftig gefeiert werden. Und am Sonntag – falls alles gut geht – wird die Mannschaft am Borsigplatz unweit der Dreifaltigkeitskirche starten. Dann werden auch wieder die Glocken läuten, wie in Maranello in Italien, wenn Ferrari gewinnt. Wir möchten unsere Verbundenheit zum BVB zeigen.

domradio.de: Vielen Dank, Herr Haug. Und starke Nerven für morgen!

Das Interview führte Verena Tröster.

(dr)

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