Bemalte Figuren auf dem "Ostritzer Friedensfest" als Gegenveranstaltung zum Festival "Schild und Schwert"
Bemalte Figuren auf dem "Ostritzer Friedensfest" als Gegenveranstaltung zum Festival "Schild und Schwert"
Stephan Kupka, Referent der Kirchgemeinde in Ostritz
Stephan Kupka, Referent der Kirchgemeinde in Ostritz
Ostritzer kaufen alle Biervorräte auf
Ostritzer kaufen alle Biervorräte auf
Veranstaltungen gegen Neonazi-Festival in Ostritz
Veranstaltungen gegen Neonazi-Festival in Ostritz
Bemalte Figuren auf dem "Ostritzer Friedensfest" als Gegenveranstaltung zum Festival "Schild und Schwert"
Bemalte Figuren auf dem "Ostritzer Friedensfest" als Gegenveranstaltung zum Festival "Schild und Schwert"
Gegen rechts: Lichterkette auf dem Markt
Eröffnung "Ostritzer Friedensfest": Lichterkette auf dem Markt

10.03.2021

"Ostritzer Friedensfest" von Bischofskonferenz ausgezeichnet "Da wollten wir auf jeden Fall was entgegensetzen"

Das "Ostritzer Friedensfest" hat den Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gewonnen. Stephan Kupka erzählt, wie sich die Ostritzer vor drei Jahren erstmals gegen eine Veranstaltung von Rechtsradikalen gewehrt haben.

DOMRADIO.DE: Wie dramatisch war das damals wirklich?

Stephan Kupka (Gemeindereferent von St. Mariä Himmelfahrt, Ostritz): Vor dem ersten Friedensfest war das natürlich für uns noch nicht so absehbar. Nur die Bedrohungskulisse, die haben wir gesehen und wollten auf keinen Fall den Neonazis das Bild des Ortes überlassen.

Uns wurde auch sehr schnell klar, dass es eben nicht bloß ein harmloses Treffen ist, sondern dass dort Vernetzung der rechten Szene passiert und auch dass es ein wirtschaftliches Event ist, bei dem viel Geld für weitere rechte Umtriebe gewonnen wird.

Da wollten wir auf jeden Fall was entgegensetzen, wobei wir uns auch immer nicht nur als Gegenveranstaltung verstanden haben, sondern uns für Mitmenschlichkeit, für Toleranz und eine gute Gesellschaft auf der Basis der Demokratie einsetzen wollten und dies auch immer noch tun.

DOMRADIO.DE: Sind die Neonazis denn wiedergekommen?

Kupka: Es gab noch weitere Treffen der Neonazis, Kampfsportveranstaltungen, weitere "Schild- und Schwert-Festivals" und weiteres, worauf wir auch jedes Mal reagiert haben. Es gab mittlerweile sieben Friedensfeste in verschiedenen Formen, zwischendrin auch mal noch einen Friedenslauf.

Es ist uns mit politischen Akteuren aber gelungen, dass auch eine Kampfsportveranstaltung der Neonazis tatsächlich auch mal richtig verboten werden konnte.

DOMRADIO.DE: Haben Sie sich mit Ihrer Gemeinde und mit Ihrer Initiative mit dem Friedensfest Ihre Gegenveranstaltung einfach auch genehmigen lassen oder haben Sie versucht, dass die Genehmigung für die Neonazis zurückgezogen wird?

Kupka: Wir haben sofort verschiedene Akteure gesucht, die mit uns zusammenstehen und haben im Internationalen Begegnungszentrum, was dem hiesigen Kloster St. Marienthal angegliedert ist, und in der Stadt selbst Mitstreiter gefunden, sodass wir jeweils eine Veranstaltung bzw. Versammlung angemeldet haben.

Dass womöglich die Neonazi-Veranstaltung oder -Versammlung verhindert werden konnte, das war immer ein weiteres Standbein. Aber wir haben gesagt, wir müssen auf alle Fälle dagegenstehen und für etwas anderes stehen.

DOMRADIO.DE: In den Zeiten der Corona-Pandemie ist es jetzt schwieriger, sich zusammenzufinden, um gemeinsam mit großen Veranstaltungen dagegen zu stehen. Wie gestaltet sich das derzeit?

Kupka: Vor allem die Vernetzung der verschiedenen Akteure. Weil das ja nicht bloß ein kleiner Kreis alleine stemmen kann, waren wir mal mehrere hundert Beteiligte bei den Festen, die in irgendeiner Form mitgewirkt haben, nicht bloß als Besucher, sondern durch Vorbereitung und Durchführung. Das ist natürlich sehr schwierig.

Im September war das siebte Friedensfest unter sehr strengen Corona-Auflagen. Auch wenn dort der Veranstalter des Neonazi-Festivals kurzfristig zurückgezogen hatte, haben wir trotzdem unsere Friedensfest veranstaltet. Wieder mit Diskussionen, Bildungsarbeit und aber auch Konzerten.

Wir mussten aber wirklich dort einiges bewerkstelligen, um die Abstände zu wahren, um die Besucherströme zu lenken, zu zählen und zu erfassen. Aber es ist schließlich auch gelungen. Dort, wo es nötig ist, kriegt man das schon immer irgendwie hin.

DOMRADIO.DE: Wie hat sich die Gemeindearbeit grundsätzlich bei Ihnen durch die Pandemie verändert?

Kupka: Die Gemeindearbeit ist, wie es wahrscheinlich an den meisten Orten ist, dass ja außer den Gottesdiensten so gut wie gar nichts mehr in Präsenz stattfinden kann. Es kann ja keine Chorproben geben und auch keine anderen Gemeindekreise. Die Vorbereitung auf die Sakramente kann in Gruppen so nicht geschehen, wie man es sonst gewohnt ist.

Da ist es natürlich sehr viel ruhiger geworden. Aber Vernetzung, gerade auch online, funktioniert natürlich trotzdem. Und wir haben in der Zeit der Auseinandersetzung mit den Friedensfesten eben auch gelernt, wie wichtig es ist, mit anderen Kontakt zu halten, sich zu vernetzen und dass wir eben auch anders Kirche sein können, nicht bloß in unseren traditionellen Gemeindekreisen.

DOMRADIO.DE: Wie können Sie den Preis, den Sie von der Bischofskonferenz bekommen haben, denn eigentlich jetzt mit Abstand feiern?

Kupka: Das Feiern des Preises müssen wir wahrscheinlich ein wenig aufschieben. Es gibt ja immer wieder größere Kooperationstreffen vor einem Fest oder auch eine Nachbereitung.

Für dieses Jahr werden wir sicher auch wieder noch die eine oder andere Aktionen miteinander planen, selbst wenn keine Anmeldungen von Neonazis im Ort vorliegen sollte, was noch nicht sicher ist. Und da wird es Gelegenheiten geben, das zu feiern, ähnlich wie man es damals nach dieser schon erwähnten Bier-Aktion gemacht hat.

Das war ja auch so eine Sache, dass das Ganze nur funktionieren konnte, weil die Behörden ein Alkoholverbot für die Neonazis erlassen und auch sämtliche Vorräte dort auf dem Festivalgelände beschlagnahmt hatten und wir dann gewartet hatten, bis bloß noch ein einziger Supermarkt im Ort offen hat und dann versucht haben, diesem die Biervorräte wegzukaufen, damit Neonazis nicht spazieren gehen können, um dort ihr Bier zu holen.

Es ist uns auch so gut wie gelungen und viele haben dort auch ihren privaten Vorrat gedeckt an diesem Tag und auch das Begegnungszentrum hat dort die Vorräte aufgefüllt. Aber trotzdem konnten wir natürlich auch bei weiteren Treffen ein wenig davon genießen und trinken.

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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