Symbolbild Mobbing in der Schule
Symbolbild Mobbing in der Schule

22.02.2021

Internationaler "Behaupte-dich-gegen-Mobbing"-Tag Todesangst kann zum Suizid führen

Dass jemand schlecht über andere redet, ist nicht neu. Aber seitdem Mobbing im Internet möglich ist, sind viele junge Menschen ernsthaft betroffen. Schreiten Eltern nicht sofort ein, kann es schon zu spät sein, sagt Expertin Karen Silvester.

DOMRADIO.DE: Was bedeutet Cybermobbing eigentlich?

Karen Silvester (Expertin für Mediensicherheit bei S.O.S. Kinderdorf): Die Form von Cybermobbing ist im Prinzip eine digitale Weiterentwicklung von Mobbing, das ja schon seit vielen Jahrzehnten bekannt ist, und eine sehr extreme Form aggressiven Verhaltens. Dabei werden Menschen, Jugendliche systematisch und langfristig niedergemacht und zerstört. Cybermobbing hat noch das Merkmal, dass es einfach ein unüberschaubares Publikum erreichen kann und es einfach nicht kontrollierbar ist. Früher sagte man dazu im Prinzip auch, es ist eine Art Rufmord.

DOMRADIO.DE: Welche Altersgruppen, welche Personengruppen sind da besonders gefährdet?

Silvester: Bei Cybermobbing sprechen wir etwa davon, dass diejenigen zwischen 12 und 19 Jahren, also gerade in der Phase, wo Jugendliche in ihrer Identitätsfindung sind, besonders betroffen sind. Das kann im Prinzip jeden treffen. Es gibt natürlich Jugendliche, die da leichter zu beeinflussen sind, die noch kein gutes Selbstwertgefühl haben. Die werden leichter zu sogenannten Opfern.

DOMRADIO.DE: Warum ist es wichtig, dass Eltern mit Kindern genau über dieses Thema, über Cybermobbing sprechen?

Silvester: Cybermobbing kann Kinder sehr, sehr krank machen. Wir wissen aus neuronalen Studien, dass sich bei Cybermobbing im Prinzip die gleichen Zentren im Gehirn aktivieren, als wenn jemand Todesangst hat. Das bedeutet, dass Kinder einfach unter Ängsten leiden, dass sie psychosomatische Reaktionen haben können, dass sie sich zurückziehen. Es kann so weit gehen, dass Kinder auch Suizid in Erwägung ziehen.

Deswegen müssen wir mit Kindern darüber sprechen, dass sie weder zu Tätern noch zu Opfern werden.

DOMRADIO.DE: Wie kann es so weit kommen, dass man einem Kind nur über das Internet so einer wahnsinnse Angst eingejagt, wie Sie das beschrieben haben?

Silvester: Insbesondere beim Cybermobbing wissen wir bei Jugendlichen zwischen 12 und 19, dass es nur zusätzlich genutzt wird. Also in der Regel kennen sich die Kinder und Jugendlichen aus der Schule und da geht es um irgendwelche unerfüllten Bedürfnisse. Es geht um die großen Gefühle Wut, Neid, Angst. Und da versucht man ein Opfer zu finden, an dem man das ausagieren kann. Also im Prinzip müsste man auch sagen, dass die sogenannten Täter im Prinzip auch Opfer sind, die einfach mit Gefühlen nicht gut umgehen können und sich einen Schwächeren suchen und das an ihnen sehr grausam ausüben.

DOMRADIO.DE: Welche Auswirkungen diese emotionalen Verletzungen aufs Kind haben können, haben Sie schon kurz angedeutet. Wenn ein Foto oder ein verletzender Kommentar online gestellt wird, wird mit den Emotionen der Kinder oder mit der Angst gespielt, weil jemand öffentlich verspottet wird. Haben Sie ein Beispiel, welche Auswirkungen das haben kann?

Silvester: Wir haben es gerade ganz aktuell bei Kasia Lenhardt erlebt. Ihr Suizid ist auch darauf zurückzuführen, dass sie im Internet aufgrund einer Trennung vom Fußbaler Jérôme Boateng gemobbt worden ist. Da kann man auf erschreckendste Weise gut nachvollziehen, was da eigentlich passiert. Es gibt Falschaussagen, da werden Realitäten verdreht, da wird sich lustig gemacht über ein Foto, über eine aus dem Zusammenhang genommene Aussage.

Natürlich nimmt sich das jeder Mensch, vor allem Kinder zu Herzen und wissen nicht, wie sie damit umgehen können, weil plötzlich ein riesen Publikum lacht, klatscht, mitmacht und man sich natürlich ausgegrenzt fühlt und wie erwähnt Todesängste spürt, Angst der Vernichtung spürt und das Gefühl hat, ich kann mich gar nicht mehr auf die Straße trauen.

Kinder trauen sich teilweise nicht mehr in die Schule, beginnen schlecht zu schlafen, trauen sich nichts mehr zu. Es kann, wenn es über eine längere Dauer geht und Eltern nicht sehr schnell reagieren oder nicht schnell Hilfe kommt, einfach für Kinder zu jahrelangen Folgen führen.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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