Kirche Seliger Pater Rupert Mayer in Poing
Kirche Seliger Pater Rupert Mayer in Poing

01.11.2020

An Allerheiligen vor 75 Jahren starb der Jesuit Rupert Mayer Schon lange ein Volksheiliger - doch bisher ohne Wunder

Der tödliche Gehirnschlag trifft ihn am 1. November 1945, doch Pater Rupert Mayer bleibt aufrecht - wie er es zeitlebens war: als unbeugsamer Prediger gegen die Nazis und tatkräftiger Sozialapostel.

Das Luxus-Kaufhaus mit der opulenten Fassade in der Münchner Fußgängerzone mag auffälliger sein als die nur wenige Schritte entfernte Bürgersaalkirche. Mancher übersieht sie gar, doch viele wissen diesen Rückzugsort zu schätzen. Hier, am Grab von Jesuitenpater Rupert Mayer (1876-1945), finden sie Ruhe vor dem Trubel in der beliebten Einkaufsmeile. Es bleibt Zeit, ein Gebet zu sprechen, eine Opferkerze aufzustellen und mit der rechten Hand die Bronzebüste des Seligen zu berühren. Am 1. November ist es 75 Jahre her, dass der Ordensmann starb.

Gehirnschlag trifft Mayer während der Predigt

Allerheiligentag 1945: Obwohl gesundheitlich angeschlagen, hält der Jesuit in der Kreuzkapelle neben der zerstörten Münchner Michaelskirche den Acht-Uhr-Gottesdienst. Der 69-Jährige verliest das Evangelium von den Seligpreisungen und stellt dann die Eucharistie in die Mitte seiner Predigt. Aus dieser "Nahrung" schöpften die Menschen ihre Kraft zum Einsatz für den Nächsten. "Es ist der Herr", sagt der Pater mit kräftiger Stimme, doch er bringt den Satz nicht zu Ende. Zweimal noch sind leise die Worte "der Herr, der Herr" zu vernehmen.

Dann wird es totenstill in der Kapelle, wie Rita Haub in ihrer Biografie über den Ordensmann notiert. Alle schauen auf den Prediger, der da vorn in der Kirche steht - verstummt, aber aufrecht. Seine Prothese, die er seit einer Verletzung und einer anschließenden Amputation des linken Beines im Ersten Weltkrieg trägt, hält ihn. "Selbst im Tod ist Pater Mayer nicht umgefallen", sagen später die Münchner - und würdigen damit die Lebensleistung eines Mannes, der schon früh gegen die Nationalsozialisten kämpfte und sich für Arme und Schwache einsetzte.

Tausende nehmen Abschied vom "Fünfzehnte Nothelfer"

Zwei Mitbrüder tragen den Bewusstlosen in ein nahes Zimmer. Eine im Gottesdienst anwesende Ärztin stellt einen Gehirnschlag fest. Mayer wird in eine Klinik eingeliefert, wo er um 11.10 Uhr stirbt. Die Nachricht vom Tode des Sozialapostels verbreitet sich schnell. In den nächsten Tagen strömen Tausende zum im offenen Sarg aufgebahrten Pater. Genauso viele mögen es gewesen sein, als am 4. November in Pullach das Requiem für den Verstorbenen stattfand und dieser auf dem dortigen Ordensfriedhof begraben wurde.

Im Mai 1945 war der Jesuit aus dem oberbayerischen Kloster Ettal ins zerbombte München zurückgekehrt. Seit 1940 hatte er bei den Benediktinern Zuflucht gefunden, nachdem die Kirchenleitung den körperlich geschwächten Mann nach mehrmaligen Verhören und einer Inhaftierung im Konzentrationslager Sachsenhausen aus der Schusslinie der Nazis genommen hatte. Nun setzte er sich wieder als Präses der Marianischen Männerkongregation für die Belange der Menschen ein.

In vielerlei Nöten wandten sich die Münchner an den "Fünfzehnten Nothelfer": wenn sie eine Wohnung suchten, Kleidung oder etwas zu essen brauchten oder Hilfe bei der Entnazifizierung. Der Jesuit beantwortete Bittbriefe und ging selber zu Ämtern, um zu vermitteln.

Not der Menschen lindern und Wort erheben, wo es nötig ist

Mayer stammte aus einer Stuttgarter Kaufmannsfamilie. Seine Eltern ermöglichten ihm und den fünf Geschwistern eine umfassende Bildung, samt Geigenunterricht und Reitstunden. Nach dem Abitur studierte er Theologie im schweizerischen Fribourg, in München und Tübingen. 1899 folgte in Rottenburg die Priesterweihe. Ein Jahr später entschied sich der Schwabe für den Eintritt bei den Jesuiten im österreichischen Feldkirch und kam 1912 nach München. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete er sich freiwillig als Feldgeistlicher.

Die Not der Menschen lindern und das Wort erheben, wo es nötig ist, lautete seine Maxime. So schwieg der Ordensmann nicht, als die Nazis die Macht übernahmen: "Ich werde ihnen ganz klar sagen, dass ein deutscher Katholik niemals Nationalsozialist sein kann." Papst Johannes Paul II. sprach den NS-Widerstandskämpfer 1987 selig und würdigte ihn als "entschiedenen und unerschrockenen Kämpfer für die Wahrheit des Glaubens und für die Rechte der Kirche". In Zeiten großer Not habe er in vielen als "Vater der Armen" neue Hoffnung geweckt. Seine Heiligsprechung steht noch aus - es fehlt am Wunder.

Barbara Just
(KNA)

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