Pro-Asylgründer Herbert Leuninger gestorben
Pro-Asylgründer Herbert Leuninger gestorben
Herbert Leuninger im Jahr 1994
Herbert Leuninger im Jahr 1994

30.07.2020

Pro-Asylgründer Herbert Leuninger gestorben Anwalt und Lautsprecher für Flüchtlinge

Er war "Anwalt der Recht- und Stimmlosen": 1986 war Herbert Leuninger Mitbegründer der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl und kämpfte gegen die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl. Jetzt ist er mit 87 Jahren gestorben.

"Es gab eine Zeit, in der ich Feuerlöscher griffbereit in der Nähe hatte." Herbert Leuninger hat sich immer wieder in den Kampf geworfen, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland und Europa ging. Nachbarn drohten, sein Haus anzuzünden. Doch Leuninger gab sich unbeirrt: "Wenn wir nicht lernen, mit Flüchtlingen zu leben, werden wir nicht in der Lage sein, die wirklichen Herausforderungen einer zusammenwachsenden Weltgesellschaft zu bewältigen", lautete sein Credo.

Mitbegründer und Sprecher von Pro Asyl

Der 1932 in Köln geborene und im Westerwald aufgewachsene Leuninger war katholischer Priester, Mitbegründer und charismatischer Sprecher der Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl. Ein "Lautsprecher" für Flüchtlinge, ein "Anwalt der Recht- und Stimmlosen", wie ihn die "tageszeitung" nannte. Am Dienstag ist er im Alter von 87 Jahren in Limburg gestorben.

Es war die Zeit der hohen Asylbewerberzahlen und der politischen Attacken gegen das Grundrecht auf Asyl: 1986 gründete Leuninger zusammen mit Jürgen Micksch und anderen Menschenrechtsaktivisten aus Kirchen, Gewerkschaften und Flüchtlingsinitiativen die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl. Sie wurde schnell zu einer bundesweiten Instanz in Sachen Flüchtlingspolitik. Bis 1994 war er der Sprecher der Organisation in Frankfurt, im Anschluss bis 1998 ihr Europa-Referent.

"Wenn Staat und Behörden ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit nicht mehr täten, fällt den Bürgerinnen und Bürgern die Aufgabe zu, die Einhaltung der Menschenrechte mit allem Nachdruck einzufordern. Dies ist kein privates Hobby, dies ist eine öffentliche Aufgabe", so formulierte er im Jahr 2011 sein Credo. Flüchtlinge seien "Botschafter des weltweiten Unrechts".

Engagement für Menschenrechte

Leuninger war das Engagement für Menschenrechte in die Wiege gelegt. Die Eltern Alois und Elisabeth Leuninger waren überzeugte Nazi-Gegner, sein Onkel Franz Leuninger, christlicher Gewerkschafter und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, wurde am 1. März 1945 in Berlin-Plötzensee gehängt.

Herbert wurde 1958 in Limburg zum Priester geweiht. Von 1972 bis 1992 war er Migrationsreferent des Bischofs. Am Gründungsakt von Pro Asyl nahm der Gründer nicht teil: Leuninger trat wegen einer menschenunwürdigen Zeltunterbringung für Asylsuchende in den Hungerstreik und befand sich am 8. September 1986 im Hungerfasten im Lager Schwalbach/Taunus. Der Protest trug Früchte: Nach fünf Tagen wurden die Zelte abgebaut.

1992 und 1993 mobilisierte Pro Asyl mit einer großen Kampagne für den Erhalt des Asylrechts nach Artikel 16. Am 3. Oktober 1992 protestierten weit über 100.000 Menschen im Bonner Hofgarten, und Leuninger hatte das Schlusswort: "Mit knappen Sätzen habe ich den bundesdeutschen Verfassungsschutz aufs Korn genommen", erinnerte er sich später. "Dieser, so sagte ich, kümmere sich um vieles andere, nur nicht um die Verfassung.... Stakkato brüllte ich ins Mikrofon: 'WIR - SIND - DER - VERFASSUNGSSCHUTZ!'"

Wirken mehrfach ausgezeichnet

Der Protest war vergebens: Der Bundestag änderte das Grundrecht auf Asyl. Die neue Asylpolitik beschrieb der Priester als "das konzertierte AB" - Abschottung, Abschiebung, Abschreckung. Dass beide Kirchen in die große Koalition für eine Asylrechtsänderung einschwenkten, war für ihn eine bittere Erfahrung.

Nur wenige Tage später, am 5. Juni 1993, mahnte Leuninger bei einer Solidaritätskundgebung in Solingen nach den rechtsextremistischen Morden an fünf Angehörigen der Familie Genc: "Eine Politik, die um rechts buhlt, führt uns in die Katastrophe."

Auch künftig verzagte er nicht. Pro Asyl musste sich der europäischen Herausforderung stellen. Die Genfer Flüchtlingskonvention und die Europäische Menschenrechtskonvention müssten verteidigt werden, forderte Leuninger. Noch kurz vor seinem Tod ließ er sich über die Anstrengungen und Projekte von Pro Asyl in Griechenland und an Europas Grenzen berichten.

Sein Wirken wurde mehrfach ausgezeichnet: 1991 mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille der Hessischen Landesregierung, 1998 mit dem Walter-und-Marianne-Dirks-Preis, gemeinsam mit seinem Bruder, dem Priester und Theologen Ernst Leuninger.

Christoph Arens
(KNA)

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