Symbolbild: Pilgern mit dem Rollstuhl
Symbolbild: Pilgern mit dem Rollstuhl

02.07.2020

Erster barrierefreier Pilgerweg Von Worms bis ins Elsass

Der erste größere barrierefreie Pilgerweg Deutschlands führt von Worns bis ins Elsass. Beate Steger hat sich den Pilgerweg näher angeschaut und einen Pilgerführer dazu geschrieben. Dabei ist einiges zu bedenken, wie sie erklärt.

DOMRADIO.DE: Was heißt denn barrierefrei? Ist der Weg geeignet für Menschen, die im Rollstuhl sitzen, oder gibt es zum Beispiel auch Hilfen für blinde oder sehbehinderte Menschen?

Beate Steger (Pilger-Experten): In diesem Fall nicht. Wir haben uns konzentriert auf Menschen mit Mobilitätseinschränkung. Dazu gehören aber auch Menschen, die vielleicht mit dem Rollator unterwegs sind – oder sogar Familien mit einem Kinderwagen. Aber um den Rollstuhl ging natürlich auch an vorderster Stelle.

DOMRADIO.DE: Die Strecke führt von Worms bis ins Elsass. 120 Kilometer sind das in etwa. Wie können Rollstuhlfahrer denn auf dem Weg unterwegs sein? Über Wanderwege? Oder geht es da eher über Asphalt?

Steger: Es gibt sehr viel Asphalt. Das ist wie auf Fahrradwegen. Zum Teil ist der Weg auch so beschildert. Wir konnten keine eigene Beschilderung anbringen, also verweisen wir im Pilgerführer auf die vorhandene Wegbezeichnung – und das sind vor allem Fahrradwege. Es gibt aber auch geschotterte Wege und kurze Waldstücke. Die sind von einem Rollstuhlfahrer getestet worden, der mit einem normalen Rollstuhl unterwegs war – zum Teil aber auch mit einem elektrisch betriebenen – sodass wir sichergehen können, dass das auch alles so befahrbar ist.

DOMRADIO.DE: Viele Höhenmeter darf es auf seinem Weg sicher nicht geben, oder?

Steger: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Es darf nicht mehr als sechs Prozent Steigung oder Gefälle sein. Mitsch Schreiner, der das getestet hat, sagt: Bei sechs Prozent Gefälle oder darüber hinaus wird es total schwierig. Dann muss mit den Händen praktisch ständig gebremst werden. Da musste sehr genau darauf geachtet werden.

DOMRADIO.DE: Sicherlich sind Sie den ein oder anderen Weg mal mehrmals gegangen oder gefahren mit dem Probefahrer, um das dann hinterher alles so hinzukriegen, oder?

Steger: Wir haben es so gemacht, dass Klaus Tischendorf von der Jakobus-Gesellschaft den Weg erarbeitet hat. Er hat das mit dem Fahrrad gemacht und mir dann eine Wegbeschreibung gegeben. Ich als Autorin des Pilgerführers bin alles nochmal mit dem Fahrrad abgefahren und zum Teil auch gelaufen – das war für mich wichtig.

Danach hat der Rollstuhlfahrer Mitsch Schreiner den Plan bekommen. Er hat mir nochmal detailliert Rückmeldung gegeben und zum Beispiel gesagt: Da hast du eine Bordsteinkante übersehen, über die ich nicht rüber komme. Das musste dann angepasst werden.

DOMRADIO.DE: Man hat ja selbst oft gar nicht diesen Blick dafür, wo die Hürden sind. Da ist nicht nur der Bodenbelag wichtig, sondern auch, dass es unterwegs barrierefreie Toiletten gibt, Restaurants und auch Pilgerunterkünfte zum Übernachten. Müssen die Pilger dafür große Umwege machen?

Steger: Nein, da haben wir natürlich auch geschaut, dass die auf dem Weg liegen. Wir haben eine Wahnsinns-Datenbank nur an barrierefreien Toiletten. In der Redaktion haben wir immer scherzhaft gesagt: Naja, das soll ja kein Toilettenführer werden. Aber das ist eben extrem wichtig.

Wenn man diesen Pilgerführer hat, bekommt man also Auskunft über die Toiletten auf dem Weg. Es gibt aber auf der Internetseite zusätzlich auch noch Informationen über viele, viele weitere Toiletten, Unterkünfte, Restaurants, die barrierefrei sind. Den Pilgerführer haben wir in Wegabschnitte eingeteilt, sodass man immer weiß: Von der einen Toilette zu der anderen Toilette sind es jetzt, sagen wir mal, dreieinhalb Kilometer, sodass man sich das gut einteilen und planen kann.

DOMRADIO.DE: Pilgern heißt natürlich auch immer, an Kapellen oder Kirchen vorbei zu kommen. Was ist hier für die Barrierefreiheit wichtig?

Steger: Da haben wir zum Beispiel am Wormser Dom, an dem das Ganze startet, beschrieben: Hier ist der barrierefreie Eingang. Der wird aber auch nur geöffnet, wenn man eine Telefonnummer hat, um jemanden anzurufen, der dafür zuständig ist. Das sind immer diese Geschichten. Bei der St. Jakobus-Kirche in Germersheim zum Beispiel ist es ähnlich: Da muss man über die barrierefreie Rampe über den Kindergarten benutzen. Das ist alles ganz genau beschrieben, sodass man auch die Kirchen anschauen und besuchen kann.

DOMRADIO.DE: Das ist aber wahrscheinlich auch nicht zu jeder Tageszeit möglich und an jedem Wochentag, oder?

Steger: Das ist das gleiche mit den barrierefreien Toiletten: Wenn die in irgendwelchen Einrichtungen sind – in Bäckereien zum Beispiel – dann muss man die Öffnungszeiten beachten. Da haben wir versucht, einen guten Mix hinbekommen.

Es gibt, gerade was die Toiletten angeht, welche mit Euroschlüssel, den jeder haben kann, der eine Mobilitätseinschränkung hat. Dann sind die jederzeit zu öffnen. Man musste also genau schauen.

Aber mitten in der Nacht will vielleicht auch keiner die St. Jakobus-Kirche in Germersheim besuchen – hoffe ich mal.

DOMRADIO.DE: Inhaltlich: Welche Highlights warten unterwegs?

Steger: Es gibt ganz viel: Wir sind zum Teil auf dem Pfälzer Jakobsweg. Wir sind in Speyer – natürlich mit dem Dom. Wir sind in Worms mit dem Dom, in Germersheim, Herxheim, dann in der Pfalz. Dann ist man unterwegs durch ein wunderschönes Waldgebiet: im Kandelwald und im Bienwald. Dann geht es nach Lauterbourg als vorläufigem Schluss. Es ist sogar geplant, diese Strecke noch weiter ins Elsass hinein zu führen. Da sind also jede Menge Highlights.

DOMRADIO.DE: Sie haben eben gesagt, der Weg ist auch etwas für Kinderwagenschieber und Menschen mit Rollator. Da ist es doch auch schweirig, eine längere Strecke zu gehen. Wie haben Sie das eingeplant?

Steger: Wir haben die ganze Strecke in neun Etappen eingeteilt. Trotzdem gibt es auch noch die Möglichkeit, Unterbrechungen einzulegen – an Bahnhöfen zum Beispiel. Dann muss man auch den ganzen Weg nicht am Stück machen, sondern kann auch mit dem Zug wieder anreisen.

Deswegen haben wir auch den Schluss etwas abgeändert. Lauterbourg war ursprümglich als Ziel angegeben. Als ich an einem Sonntag mit dem Fahrrad dort angekommen bin, habe ich mich gefühlt, als wäre ich im Wilden Westen: Die Stadt war ausgestorben. Der Bahnhof war wirklich verlassen und ich habe mir nur gedacht: Da kann man ja niemals mit dem Rollstuhl wieder in den Zug einsteigen – es fahren auch kaum Züge.

Deswegen haben wir dann den Weg wieder zurück in die Pfalz verlegt. Es sind dann noch einmal vier Kilometer nach Berg. Da ist gibt es einen Bahnhof, der ist richtig normal frequentiert. Von da aus kommt man dann auch wieder zurück – oder weiter.

DOMRADIO.DE: Sie pilgern auch fleißig weiter und überspringen noch weitere Hürden: Sie haben jetzt für den zweiten Pilgerführer dieser Reihe Barfuß-Pilgern ausprobiert. War das keine so gute Idee?

Steger: In meinem Fall war es nicht so gut. Das hat aber damit zu tun, dass ich, wenn ich ein Pilgerführer schreibe, ständig stehen bleibe. Ich zeichne die GPS-Tracks auf. Ich mache Bilder. Ich spreche mir was auf das Diktiergerät. Das heißt also: Ich bin ungefähr doppelt so lange unterwegs – und stehe da auf meinen Füßen. Den Pfälzer Jakobsweg mit 90 Kilometern bin ich in vier Tagen gelaufen. Das nächste Mal werde ich wieder meine normalen Wanderschuhe nehmen – das ist sicher.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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