Junge Witwe
Junge Witwe

29.06.2020

Neue Ratgeber helfen Witwen und Waisen bei der Bewältigung Trauern ist ein Marathon für die Seele

Manchmal kann sich das Leben innerhalb von Sekunden ändern, und der Partner ist tot. Oft sind dann auch Kinder betroffen. Was tun? Verschiedene Ratgeber leisten Hilfestellung.

"Meine Reise als Witwe hat an einem völlig normalen Dienstagabend im September 2010 begonnen", erzählt die niederländische Trauerberaterin Maya Stomp. Mit 41 Jahren fand sie sich unvermittelt als Witwe wieder und: "Innerhalb von zwei Stunden stand mein Leben völlig auf dem Kopf." Wie sie sich aus dem tiefen Loch, in das sie hineingefallen ist, herausgezogen hat, beschreibt sie in ihrem Ratgeber mit dem Titel: "Wir Witwen sind ein zähes Volk".

"Trauern ist ein Marathon für die Seele, auf den man sich nicht vorbereiten kann", hat sie schmerzhaft gelernt. Ihr fielen zwischenzeitlich Haare aus, die Konzentrationsfähigkeit und ihr Gedächtnis ließen sie im Stich. Maya Stomp hatte das Gefühl, die Trauer würde sie wie eine große Welle wegspülen. Sie rät dazu, diese Gefühle zuzulassen.

Die Liebe endet nicht

Trost kann viele Formen annehmen, sagt sie: Rituale, Glaube, Stille, aber auch in Form einer Nachbarin auftreten, die eine Suppe kocht.

Für Maya Stomp war die bedeutendste Quelle des Trosts die Erkenntnis, dass die Liebe für immer bleibt. "Durch diese Liebe habe ich den besten Schutzengel, den es gibt. Er wacht über mich. Daraus schöpfe ich ultimative Kraft und großes Vertrauen", sagt die Trauerbegleiterin.

Ihr hat letztendlich die "Grief Recovery Method" geholfen - eine Trauerbewältigungsmethode aus den USA, die Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt, wie man die Trauer aufarbeiten kann. Heute arbeitet die Niederländerin selbst als Coach für trauernde Personen.

Wie ein Leben nach dem Tod

Auch die Berliner Journalistin Brenda Strohmaier wurde früh Witwe und hat über ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben: "Nur über seine Leiche. Wie ich meinen Mann verlor - und verdammt viel übers Leben lernte". "Ein Witwenbuch muss anfangen wie ein Krimi: mit einer Leiche. In diesem Fall leider der meines Mannes. Denn das Leben einer Witwe ist ein Leben nach dem Tod", schreibt sie.

Ihr war zwar schon einige Zeit vorher bewusst, dass ihr über alles geliebter Mann bald sterben würde. Doch als es soweit war, traf es sie wie ein Schlag. Ihr erster Anruf ging an den "hipsten Bestatter Deutschlands", mit dem sie das Begräbnis organisierte.

Abgesichert durch Hinterbliebenenversorgung

Für Strohmaier, damals Mitte 40, konfessionslos und als Journalistin mit Schwerpunkt Lifestyle tätig, begann 2015 das Leben nach dem Tod - ihres Mannes. Sie schildert, wie sie sich mit der Krankenkasse auseinandersetzte, mit der Hinterlassenschaft ihres Mannes klarkam und später allein auf Reisen um die Welt ging. 

Sowohl Maya Stomp wie auch Brenda Strohmaier fielen nach dem Tod ihrer Ehemänner anscheinend nicht in einen finanziellen Abgrund. In Deutschland gibt es eine Hinterbliebenenversorgung, in vielen anderen Ländern nicht. Aus diesem Grund haben die Vereinten Nationen am 21. Dezember 2010 beschlossen, für den 23. Juni jährlich einen Internationalen Tag der Witwen auszurufen. Sorge machte der Organisation, dass Witwen und ihre Kinder in vielen Teilen der Welt von Armut bedroht und schutzlos gegenüber Ausbeutung aller Art waren und sind.

Buch wie Notfallkarten konzipiert

Es gibt über vier Millionen Witwen in Deutschland, meistens im höheren Alter. Wenn sie früh Witwe werden, haben sie häufig Kinder - und damit stellen sich direkt weitere Probleme ein. Der Fernseh-Moderator Ralph Caspers hat gerade ein Buch veröffentlicht, wie man Kinder in einem Trauerfall behandeln soll und stabilisieren kann. Dabei spricht er aus eigener Erfahrung, denn Caspers hat als Teenager seinen Vater verloren. Heute engagiert er sich ehrenamtlich in Trauerarbeit.

"Dieses Buch soll die Anleitung zum Umgang mit dieser außergewöhnlichen Situation sein, die mir bisher immer gefehlt hat", schreibt Caspers. Er hat sein Buch konzipiert wie die Notfallkarten im Flugzeug, damit man im Notfall weiß, was zu tun ist. Die wichtigste Frage behandelt er direkt zu Beginn: Wie informiere ich ein Kind oder einen Jugendlichen über einen Todesfall? Seine Antwort:

Direkt und dann in klaren Worten. Ehrlich sein, auch im Hinblick auf das eigene Unvermögen, die Situation zu meistern.

So wie Ralph Caspers im Fernsehen die Welt erklärt, spricht er hier über das Sterben, den Tod und das Leben danach. Abschließend stellt er fest: "Der Verlust eines Menschen und die tiefe, schmerzhafte und oft lange Trauer verändern uns und unsere Weltsicht. Genau das ist auch ihre Aufgabe, denn die Welt ist schließlich anders als vorher: Jemand fehlt."

 

Ralph Caspers, "Wenn Papa jetzt tot ist, muss er dann sterben? Wie wir Kindern in Trauer helfen können", Verlag Bastei Lübbe, Köln 2020, 284 Seiten, 20,00 EUR.

Maya Stomp, "Wir Witwen sind ein zähes Volk. Trauern ist Marathon für die Seele", Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2020, 157 Seiten, 18,50 EUR.

Brenda Strohmaier, "Nur über seine Leiche. Wie ich meinen Mann verlor - und verdammt viel übers Leben lernte", Penguin Verlag, München 2019, 336 Seiten, 14,00 EUR.

Christiane Laudage
(KNA)

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