Obdachlose Frau
Obdachlose Frau

22.03.2020

Ausgangssperre zwingt Obdachlose in Spanien weg von der Straße Ausweichquartiere von der Messehalle bis zur Pilgerherberge

In Spanien sind Obdachlose vom derzeit herrschenden Alarmzustand mit der Ausgangssperre nicht ausgeschlossen. Auf Hochdruck werden Provisorien geschaffen – auf unbestimmte Zeit.

Tetra-Paks mit Milch stehen im Vorraum, einige Helfer rundherum. Gerade bekommt die kommunale Pilgerherberge "Jesus und Maria" in der Altstadt von Pamplona einen neuen Nutzungszweck. Wo bis Mitte März noch Pilger auf dem Jakobsweg übernachten konnten, bevor
die Schließung durch die Corona-Pandemie verfügt wurde, bekommen nun Menschen ohne Wohnsitz ein Dach über dem Kopf. Denn auch sie sind von den behördlichen Bestimmungen betroffen. Spanien ist ein Land im Alarmzustand - und mit Ausgangssperre.

Wie schützen sich Obdachlose?

Niemand darf auf der Straße sein, es sei denn, man geht arbeiten, zum Arzt oder einkaufen. Obdachlose sind Sonderfälle, die in keine Schublade passen - aber in eine umfunktionierte Pilgerherberge. Wie lange die Quartiernahme hier sein wird? "So lange, wie diese Krise
dauert", sagt einer der Helfer und blickt ratlos drein.

In der Hauptstadt Madrid ist im Laufe der Woche bereits ein Pavillon des Messegeländes "Ifema" für Obdachlose zweckentfremdet worden. Unter Einsatz von Helfern des städtischen Sozialdienstes und einer Einheit des militärischen Notdienstes wurden für Donnerstag 150
Betten in der Halle vorbereitet: mit weitem Abstand der Pritschen untereinander, damit niemand den anderen gefährdet. Bei Bedarf lässt sich die Kapazität auf 600 Betten erweitern, heißt es. Auch Sanitäranlagen wurden hergerichtet.

Sozialarbeiter stehen als Ansprechpartner bereit, denn es geht auch die Frage: Wie und womit kriegt man im Quarantänezustand bestmöglich die Zeit rum?

Obdachlose als Hochrisikogruppe

In Spaniens zweitgrößter Stadt Barcelona, wo laut Angaben der Stiftung Arrels 4.200 Menschen ohne festen Wohnsitz leben, ist die Situation übereinstimmenden Quellen zufolge unübersichtlich und vollkommen unzureichend. Vertreter von Sozialorganisationen verlangen
bei den Behörden händeringend Lösungen, um Sporthallen oder Kulturzentren herzurichten, die momentan ohnehin geschlossen sind. Auch Hotels oder Apartments, in denen die Touristen ausbleiben, sind Optionen. 

Allerdings sind Lösungen nicht einfach. Denn Obdachlose zählen wegen der prekären hygienischen Verhältnisse, aus denen sie kommen, und ihrer teils angeschlagenen Gesundheit zu einer Hochrisikogruppe bei der Verbreitung des Virus.

Andreas Drouve
(KNA)

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