Kindersoldat im Kongo
Kindersoldat im Kongo
China Keitetsi als 19-jährige Kindersoldatin
China Keitetsi als 19-jährige Kindersoldatin
China Keitetsi spricht heute über ihre Erlebnisse als Kindersoldatin
China Keitetsi spricht heute über ihre Erlebnisse als Kindersoldatin

12.02.2020

UNO-Flüchtlingshilfe fordert mehr Geld am "Red Hand Day" Kindersoldaten gehen mehrfach durch ein Martyrium

Seit 2012 wird am "Red Hand Day" an das Schicksal von 250.000 Kindersoldaten weltweit erinnert. Die Kinder und Jugendlichen erfahren schrechliche Gewalt als Täter und Opfer. Es fehlt an Geld, um sie wieder in das Leben zurückzuführen.

"Mädchen und Jungen in bewaffneten Konflikten als Soldaten einzusetzen, ist ein schweres Verbrechen an diesen Kindern und darf niemals toleriert werden", sagte der Präsident des katholischen Kindermissionswerks "Die Sternsinger", Dirk Bingener, anlässlich des "Red Hand Day" an diesem Mittwoch.

Der Zwang zum Kämpfen und häufige sexuelle Ausbeutung hinterließen "tiefe Narben in den Seelen der Kinder", warnte Bingener. Betroffene seien oftmals traumatisiert und fänden nur schwer zurück in einen angstfreien Alltag. "Dieser Missbrauch von Kindern muss gestoppt werden. Kinder haben in Kriegen und bewaffneten Konflikten nichts verloren."

"Kinder zu rekrutieren ist ein Kriegsverbrechen"

"Wir brauchen nicht nur konsequentes internationales Vorgehen gegen den Einsatz von Kindersoldaten, sondern auch finanzielle Mittel, um den Kindern und Jugendlichen professionell zu helfen", forderte der Geschäftsführer des deutschen Partners des Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Peter Ruhenstroth-Bauer. E betonte, dass Kindersoldaten mehrfach durch ein Martyrium gingen. Wenn sie es geschafft hätten, den Krieg zu überleben, seien sie danach allein mit ihren Erlebnissen und hätten kaum Aussicht auf ein normales Leben. "Kinder für bewaffnete Konflikte zu missbrauchen, ist ein Kriegsverbrechen", sagte Ruhenstroth-Bauer.

Betroffene Kinder seien nicht nur Opfer, sondern würden zwangsläufig zu Tätern, teilte die Flüchtlingshilfe mit. Sie würden von Kampf- oder Rebellentruppen zum Dienst an der Waffe, zum Töten und zu Gewalttaten gezwungen. Oft stehe am Anfang der Wille der Kinder und Jugendlichen zu überleben, wenn sie sich bewaffneten Gruppen anschließen. Denn dort erhielten sie Nahrung, Kleidung oder Unterkunft.

Kinder als "Kanonenfutter" 

Manche Kinder würden aber auch aus ihren Schulen entführt oder aus ihren Dörfern verschleppt. Dem folge eine brutale Ausbildung. Kindersoldaten dienten als "Kanonenfutter" an der Front oder würden als lebende Bomben in den Tod geschickt. Nicht selten würden Mädchen sexuell ausgebeutet oder mit Soldaten zwangsverheiratet. Die genaue Zahl von Kindersoldaten ist den Angaben zufolge unbekannt. Schätzungen gehen von 250.000 Kindersoldaten weltweit aus, unter anderem in Somalia, Nigeria, Syrien, Südsudan und im Jemen.

Bündnis prangert Einsatz von Mädchen als Kindersoldatinnen an

Deutsche Hilfsorganisationen prangern den Einsatz von Kindersoldatinnen an. Es sei höchste Zeit auf das dramatische Schicksal der Mädchen aufmerksam zu machen, deren Anteil je nach Konflikt zwischen fünf und 20 Prozent der eingesetzten Kindersoldaten schwanke, sagte der Sprecher des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten, Thomas Berthold. Zu dem Bündnis gehören etwa die Hilfsorganisationen Unicef Deutschland und Terre des Hommes sowie die katholische Friedensbewegung Pax Christi.

Sexuelle Gewalt gegen Mädchen

Mädchen seien besonders verletzlich, sagte Frank Mischo, der ebenfalls für das Bündnis spricht. Sie seien häufig Ausbeutung und sexueller Gewalt ausgesetzt und würden extrem traumatisiert. Sehr problematisch sei auch die Lage von Kindersoldatinnen, die schwanger würden. Manchen jungen Müttern würden die Kinder weggenommen.

Appell an die Bundesregierung

Kindersoldaten würden in 23 Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas zwangsrekrutiert. Dahinter verberge sich "ein enorm großes Dunkelfeld", sagte Berthold. Es gebe nur sehr wenig bestätigte Zahlen, da niemand gerne zugebe, Minderjährige für bewaffnete Konflikte zu rekrutieren. Die Bundesregierung müsse sich dafür einzusetzen, die Situation zu verbessern.

Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenrechte und humanitäre Hilfe der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Brand (CDU), nannte den Einsatz von Kindern als Soldaten "eine perfide Form des Kindesmissbrauchs" und "ein schwerwiegendes Verbrechen". Die psychischen Folgen seien verheerend. Die Rekrutierung müsse konsequent bekämpft und den Kindern die Chance auf "ein Leben danach" ermöglicht werden.

Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit

Die entwicklungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Helin Evrim Sommer, forderte die Bundesregierung dazu auf, die Reintegration ehemaliger Kindersoldaten zu einem Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit mit Staaten des globalen Südens zu machen. Deutschland solle jährlich mindestens 200 Millionen Euro an Unterstützung für Kinder in bewaffneten Konflikten bereitstellen.

Am 12. Februar 2002 trat das Verbot des Einsatzes von Kindern als Soldaten in Kraft - als Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention. Beim "Red Hand Day" setzen Menschen weltweit mit roten Handabdrücken ein Zeichen gegen den Einsatz von Kindersoldaten.

(KNA, epd)

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