Renate Koch-Metge im Bauwagen der Diakonie-Einrichtung "Wohnen für Frauen - Icklack"
Renate Koch-Metge im Bauwagen der Diakonie-Einrichtung "Wohnen für Frauen - Icklack"
Stefanie Volkenandt leitet die Einrichtung "Wohnen fuer Frauen - Icklack" der Diakonie Düsseldorf
Stefanie Volkenandt leitet die Einrichtung "Wohnen fuer Frauen - Icklack" der Diakonie Düsseldorf

08.01.2020

Diakonie hilft wohnungslosen Frauen mit Wohneinrichtung und Beratung Wie es nach dem Nichts weitergehen kann

​Trennung, Krankheit, Jobverlust: Viele Menschen verlieren schneller ihr Zuhause, als sie es begreifen können. Die Diakonie Düsseldorf bietet wohnungslosen Frauen ein Dach über dem Kopf. Und sie hilft bei der Suche nach einer Wohnung und Arbeit.

Dass das anderen Menschen passiert, hatte Renate Koch-Metge schon gehört. Dass sie ihre Wohnung verlieren, dass ihr Hab und Gut verschwunden ist, alles weg vom Kinderalbum bis zum Löffel und der Jeans. Aber dass ihr selbst das geschieht? Vor eineinhalb Jahren, im Frühjahr 2018, ist sie davon noch ein bürgerliches Leben weit entfernt: sie ist verheiratet, arbeitet als Sekretärin. Und vor allem hat sie eine Wohnung.

Dann aber erkrankt sie an einer Depression. Trennung. "Dann stand ich plötzlich da! Aus dem Nichts", erzählt die 53-Jährige. Fünf Tage und Nächte verbringt sie in der Notschlafstelle für Frauen der Diakonie Düsseldorf, wo sie, anders als in vielen anderen Notquartieren, auch tagsüber bleiben kann. Danach wird sie in die Einrichtung "Wohnen für Frauen" aufgenommen, ebenfalls von der Diakonie Düsseldorf. Den Aufenthalt bezahlt für alle Bewohnerinnen die öffentliche Hand, meist über den Landschaftsverband Rheinland (LVR).

"Jeder Mensch kann plötzlich ohne Wohung dastehen"

31 Frauen im Alter von 18 und 65 Jahren, die aus unterschiedlichen Gründen wohnungslos geworden sind, leben dort eine Zeit lang, meistens etwa 18 Monate. Neben einem Café und einer Beratungsstelle, die Obdachlose als Post-Adresse angeben dürfen, wird "Wohnen für Frauen" nach den Worten der Einrichtungsleiterin Stefanie Volkenandt immer dringender gebraucht: Hilfe für Menschen, die ihre Wohnung verloren haben und auf dem immer teureren Markt keine neue Bleibe finden.

Renate Koch-Metge wohnt in einem Zimmer in einer WG mit vier anderen Frauen. Ihre Depression wurde behandelt. Jetzt engagiert sie sich im neu gegründeten Beirat der Einrichtung und ist optimistisch, wieder Arbeit und eine Wohnung zu finden. "Ich habe hier gelernt, Hilfe anzunehmen und zu erkennen, dass jeder, wirklich jeder Mensch plötzlich ohne Wohnung dastehen kann", sagt sie.

Frauen haben bessere Chancen bei der Wohnungssuche

Die Gesamtzahl der wohnungslosen Menschen ohne Einbezug wohnungsloser anerkannter Geflüchteter lag 2018 nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe bei rund 237.000. Der Anteil der erwachsenen Männer liegt demnach bei 73 Prozent (159.000), der Frauenanteil bei 27 Prozent (59.000).

Das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) schätzt die Zahl wohnungsloser Frauen in Nordrhein-Westfalen auf knapp 10.000. Für sie schätzt Wohngruppen-Leiterin Volkenandt die Chance, wieder eine Wohnung zu finden, etwas besser ein als die für obdachlose Männer: "Vermieter geben eher einer Frau eine Wohnung als zum Beispiel einem jüngeren Mann", sagt sie.

Mit "Wohnen für Frauen", oder "Icklack", wie die Einrichtung nach dem Straßennamen heißt, ging die Diakonie Düsseldorf vor 45 Jahren neue Wege, als sie die Einrichtung speziell für Frauen ohne Wohnsitz einrichtete. Diakoniepfarrer Thorsten Nolting betont, man wolle auch das Bewusstsein für Zusammengehörigkeit in der Gesellschaft stärken und Selbstvertrauen wecken - vor allem, wenn es durch Schicksalsschläge erschüttert worden ist. Und man informiere die Gesellschaft immer auch über soziale Schieflagen.

"Geborgenheit für kurze Zeit"

Frauen oder Männern, die keine Wohnung mehr haben, kostet es nach den Worten von Sozialpädagogin Clarissa Schruck viel Mut, sich zu ihrer Situation zu bekennen und sie zu ändern. Sie leitet die Beratungsstelle "Horizont" der Diakonie Düsseldorf. "Das Wichtigste ist, bei Obdachlosen keine Schuld für ihre Situation zu suchen", betont Schruck.

Nach ihrer Erfahrung kommen viele Obdachlose zunächst mehrere Wochen täglich in das Café bei der Beratungsstelle, bis sie einmal das Angebot zu duschen annehmen. In dem Café oder auch in der Aufnahmestelle "Shelter" finden Wohnungslose Geborgenheit für eine kurze Zeit, wie Schruck sagt.

Jetzt schaut sie auf einen Kalender. Für diesen Tag Anfang Januar war die Geburt eines Kindes angekündigt: Jasmin und Patrick werden Eltern, nachdem sie sich auf der Straße kennengelernt hatten und vor einem Jahr in ein von der Stadt Düsseldorf gestelltes und mit Unterstützung der Diakonie renoviertes Haus gezogen waren. Die hektische, aber erfolgreiche Aktion sei ein Höhepunkt ihrer 32 Jahre Arbeit mit wohnungslosen Menschen in Düsseldorf gewesen, erzählt Schruck.

Irene Dänzer-Vanotti
(epd)

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