Ein Korb mit Äpfeln, Birnen, Trauben und Walnüssen
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Koch schneidet Gemüse
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Hände halten ein Brot
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03.01.2020

Ernährungspsychologin über den Neujahrvorsatz, gesünder zu leben "Stress ist kontraproduktiv"

​Wenn der Festtagsbraten verdaut und der Silvesterrausch ausgeschlafen ist, dann taucht er wieder auf: der Vorsatz, in Zukunft gesünder zu leben. Aber was heißt das überhaupt, gesund zu leben? Wie finde ich heraus, was für mich das Beste ist?

Katholische Nachrichten-Agentur (KNA): Frau Neumann, warum ist der Vorsatz, künftig gesünder zu leben, derzeit so beliebt?

Bastienne Neumann (Ernährungspsychologin, Bloggerin und Buchautorin): Gesundheit ist ein wichtiges Gut. Wer gesund ist, der fühlt sich wohl, der hat keine Schmerzen, der hat Energie. Insofern ist es natürlich erstrebenswert, auf seinen Körper zu achten, gesund zu sein und gesund zu leben. Allerdings ist "gesundes Leben" zurzeit auch ein Trend, gerade unter jungen Leuten. Was früher gerade in dieser Altersklasse als uncool galt, ist heute total angesagt - und wird auch kräftig über die Sozialen Medien geteilt.

KNA: Leben wir denn tatsächlich so ungesund, dass wir uns ständig vornehmen müssen, gesünder zu leben?

Neumann: Zur Gesundheit gehören viele Faktoren - von der Ernährung über den Schlaf bis hin zur Bewegung. Wie gesund wir tatsächlich leben, ist von daher individuell durchaus unterschiedlich. Ich denke aber, jeder Mensch hat Grauzonen, in denen sich in punkto "gesund leben" etwas verbessern lässt. Wobei ich allerdings vor einem übertriebenen Perfektionismus warne. Der aktuelle Gesundheitstrend und die ständige Selbstoptimierung können auch nach hinten losgehen.

Weil die Menschen immer noch gesünder leben wollen, setzen sie sich unter Stress - was dann wiederum kontraproduktiv sein kann. Denn wer sich selbst zu sehr unter Druck setzt, tappt schnell in die Falle des Stressessens, und dann sind wir beim Bumerangeffekt.

KNA: Was ist denn überhaupt eine gesunde Ernährung? Kann man das allgemeingültig sagen?

Neumann: Das ist tatsächlich nicht leicht. Man weiß natürlich von Lebensmitteln, die in zu großen Mengen schädlich für unseren Körper sind und von anderen, die besonders positive Auswirkungen auf unseren Organismus haben, weil sie ihn mit wichtigen Nährstoffen versorgen.

Aber für sich allein gesehen ist kein Lebensmittel so gesund, dass man sich ausschließlich davon ernähren könnte oder sollte - auch nicht Obst und Gemüse. Das Entscheidende ist die Kombination der Lebensmittel, und die sollte so erfolgen, dass am Ende eine ausgewogene Ernährung steht, die den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt.

KNA: Gerade diese "ausgewogene Ernährung" wird aber kaum noch propagiert. Stattdessen schwören viele Menschen auf spezielle Diät- und Ernährungspläne, von streng vegan über kohlenhydratreduziert bis hin zur Steinzeitdiät...

Neumann: Die Erklärung dafür ist einfach: All diese Ernährungspläne lassen sich gut verkaufen, weil sie konkrete Vorgaben machen und deshalb leicht greifbar sind. Menschen tendieren dazu, in Schubladen zu denken, und diesem Schubladendenken kommen die erwähnten Diätpläne entgegen. Kein Wunder, dass sich die Industrie da dranhängt, um Profit daraus zu schlagen. Eine ausgewogene Ernährung hingegen ist ziemlich komplex und deshalb weit weniger leicht zu verkaufen. Und doch ist sie nach wie vor das Non plus ultra.

KNA: Also sind all diese Diäten und Ernährungspläne schlicht Humbug?

Neumann: So pauschal würde ich das nicht sagen. Einige Ansätze sind natürlich hilfreich, wie etwa das Reduzieren des Fleischkonsums. Auch tendieren wir in der westlichen Welt dazu, zu viele Kohlenhydrate zu konsumieren. Morgens Brötchen, mittags Nudeln und abends Kartoffeln - das muss nicht sein. Das Problem dieser Ernährungsweisen ist, dass sie sehr dogmatisch vorgehen und keinen Raum für individuelle Ansätze und Freiheiten lassen. Und dann sind wir wieder ganz schnell beim Stress.

KNA: Aber wie finde ich heraus, was für mich und meinen Körper gerade das Richtige ist?

Neumann: Ausprobieren! Lassen Sie mal das eine weg, mal das andere, und beobachten Sie, wie Ihr Körper reagiert. Vieles ist auch typabhängig. Es gibt Menschen, die gern sehr genaue Vorgaben haben und andere, die mehr Freiheit brauchen. Auch die Vorlieben sind ja sehr individuell. Während die einen Kohlenhydrate lieben, können andere ganz leicht darauf verzichten. Entsprechend sehen die Ernährungsweisen dann auch anders aus.

KNA: Auch die Experten sind sich beim Thema Ernährung keineswegs einig. An wen kann ich mich denn wenden, wem kann ich vertrauen?

Neumann: Hier gibt es in der Tat ein Problem: Der Begriff Ernährungsberatung ist nicht geschützt. Somit kann sich auch jemand Ernährungsberater nennen, der gerade einmal einen Wochenendlehrgang gemacht hat. Sie sollten also immer schauen, welchen Hintergrund ein Experte hat, welche Expertise er mitbringt. Ein guter Anhaltspunkt ist hier die Frage, ob jemand eine Kassenzulassung hat. Die bekommt nämlich nur, wer wirklich Ernährungswissenschaften studiert hat oder ausgebildeter Diätassistent ist.

Letztlich gilt aber auch bei dieser Frage: Weil beim Thema Ernährung vieles Auslegungssache ist, weil es die eine Wahrheit nicht gibt, gibt es nicht den einen perfekten Experten. Auch hier lautet deshalb mein Rat: Probieren Sie verschiedene Berater aus, hinterfragen Sie, was Ihnen empfohlen wird, und denken Sie aktiv mit, statt alles kritiklos anzunehmen.

KNA: Wenn ich im Neuen Jahr tatsächlich gesünder leben möchte, wo sollte ich Ihrer Meinung nach anfangen?

Neumann: Das hängt von der Ausgangslage ab - das Thema Ernährung ist ziemlich groß. Was also ist Ihr Ziel? Wollen Sie gezielt Gewicht reduzieren, oder wollen Sie sich einfach ein bisschen gesünder ernähren? Essen Sie zu viel Süßes, oder geht es eher um die Essensmenge? Oder wollen Sie vielleicht den Alkoholkonsum reduzieren?

Vielleicht ist ihr Problem ja auch die mangelnde Bewegung. In jedem Fall ist es sinnvoll, sich ein konkretes Ziel zu setzen, statt sich allgemein ein gesünderes Leben vorzunehmen. Mit dem großen Ganzen ist man nämlich schnell überfordert, und das Scheitern ist quasi vorprogrammiert.

Andreas Laska
(KNA)

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