Der GoBanyo-Duschbus bietet drei Wasch- und Duschräume für Obdachlose
Der GoBanyo-Duschbus bietet drei Wasch- und Duschräume für Obdachlose
Ein Mann wäscht sich im GoBanyo-Duschbus die Hände
Ein Mann wäscht sich im GoBanyo-Duschbus die Hände

07.12.2019

Hamburger Initiative bringt Duschbus auf die Straße Für das Recht auf Waschen

Obdachlose in Hamburg können ab sofort in einem umgebauten Linienbus kostenlos duschen. Er tourt unter dem Namen "GoBanyo" durch die Stadt. Für die Anschubfinanzierung sorgten mehr als 3.500 Unterstützer per Internet.

Der ehemalige Bus der Hamburger Hochbahn ist nicht wiederzuerkennen: Orange ist die beherrschende Farbe, dazu ein bisschen Grün und Blau. Und auch innen ist so gut wie nichts mehr wie es war. In dem Gefährt können Obdachlose ab Samstag in drei komplett ausgestatteten Bädern - eines davon behindertengerecht - duschen. Sie bekommen auch neue Unterwäsche und können im Anschluss einen Kaffee trinken. Das alles kostenfrei.

Auch technisch gesehen hat es der Bus in sich: Das Fahrzeug lässt sich an Kanalisation und Hydranten anschließen, kann aber auch unabhängig davon eingesetzt werden. Zwei Tanks a 1.250 Liter fassen Frisch- und Abwasser. Die städtische Wasserfirma trägt die Kosten. Der Busname "GoBanyo" leitet sich von dem spanischen Wort für Badezimmer ab. Zwei Haupt- und mehrere Ehrenamtliche werden den Duschbus durch die Stadt steuern und die Obdachlosen versorgen.

30 Menschen pro Tag

Zur Vorstellung am Nikolaustag steht der Bus vor dem Klubheim des FC St. Pauli, der zu den Unterstützern gehört. Der Fußballclub ist dafür bekannt, dass er ein bisschen anders ist als die reichen Bundesligavereine. Im einfach ausgestatteten Klubheim haben sich Mitglieder der Initiative, ein paar Offizielle und Journalisten zusammengefunden. Der Ton ist herzlich, fast liebevoll, viele umarmen sich zur Begrüßung.

Gut 150.000 Euro für das Projekt stammen aus Spenden, berichtet der Geschäftsführer der Initiative, Chris Poelmann, begeistert. 3.500 Menschen hätten sich an einem Internet-basiertem Spendenprojekt, genannt Crowdfunding, mit durchschnittlich 50 Euro beteiligt. Zunächst werde der Bus an drei Orten und an vier Tagen die Woche für jeweils fünf Stunden Station machen. 30 Menschen könnten das Fahrzeug pro Tag nutzen. Sechs Monate Betrieb seien abgesichert. Spenden seien weiter notwendig und Unterstützer willkommen, so Poelmann.

"Zugang zu Wasser ist unsere Mission"

Der andere Tonfall im Vergleich zu ähnlichen Veranstaltungen mag auch damit zusammenhängen, dass viele am Projekt Beteiligte sehr persönliche Erfahrungen gemacht haben. Die zwei Welten aus Obdachlosen und Menschen, die eine Wohnung haben, teilten sich immer mehr, ist man sich einig. "Wir möchten ein Menschenrecht auf die Straße bringen: das Recht, sich zu waschen", verdeutlicht Initiator Dominik Bloh. Er war selbst lange obdachlos und berichtet, wie er Toilettenbesuche in Gaststätten ausgedehnt hat, um ein wenig Wärme zu bekommen. "Das Bahnhofsklo ist einer der letzten Orte. Manchmal lag da ein Toter mit einer Spritze im Arm." Bloh sparte sich Stundentickets für Schwimmbäder vom Mund ab, duschte und rasierte sich dort. "Fürs Schwimmen hat die Zeit dann nicht mehr gereicht."

Für den Bus wurde eine gemeinnützige GmbH gegründet, an der verschiedene Hamburger Initiativen und Vereine beteiligt sind. Dazu gehört auch der Verein Viva con Agua St. Pauli, für den Arnd Boekhoff spricht. "Zugang zu Wasser ist unsere Mission", sagt er. Das Menschenrecht auf Wasser müsse auch in einer Stadt wie Hamburg erst einmal durchgesetzt werden. Joko Weykopf vom Verein Clubkinder, der sich in sozialen Projekten engagiert, redet von einem blinden Fleck in der Gesellschaft: "Keiner von uns geht doch ungeduscht aus dem Haus."

Das Projekt soll ausgeweitet werden, von der Innenstadt in die Randbezirke Hamburgs. Aber erst mal müsse Vertrauen geschaffen werden und die neue Möglichkeit sich herumsprechen, erklärt Bloh. Der Bedarf ist sicher groß: In der Stadt gibt es Schätzungen zufolge rund 2.000 Menschen ohne ein Dach über dem Kopf. Vielleicht sogar mehr. Denn die Dunkelziffer ist laut Experten hoch.

Frank Berno Timm
(KNA)

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