Caritas-Baby-Hospital in Bethlehem eröffnet pädiatrische Beobachtungsstation
Hebamme hält ein Baby auf dem Arm

19.11.2019

Hebamme moniert die Entwicklungen in ihrem Beruf Die Geburtshilfe in der Krise?

Der Hebammenberuf hat sich stark verändert. Verschlechtert haben sich nicht nur die Arbeitsbedingungen. Auch viele Kliniken investieren nicht mehr in die Geburtshilfe. Die Hebamme Daniela Erdmann über einen Beruf in der Krise.

DOMRADIO.DE: Ich gehe mal davon aus, Hebamme zu sein, ist Ihr Traumberuf. Sind Sie mit dem noch zufrieden?

Daniela Erdmann (Hebamme und Zweite Vorsitzende im Landesverband der Hebammen NRW): Ja, das ist mein Traumberuf. Ich würde den tatsächlich immer wieder wählen, auch wenn die Rahmenbedingungen deutlich schwieriger geworden sind. Ich bin jetzt seit 27 Jahren Hebamme, und es hat sich viel verändert in der Zeit. Trotzdem würde ich diesen Beruf immer wieder aussuchen.

DOMRADIO.DE: Welche Rahmenbedingungen haben sich denn wie verändert? Was haben Sie da festgestellt in den vergangenen 27 Jahren?

Erdmann: Eine große Bedeutung für die Rahmenbedingungen hat vor allen Dingen der klinische Bereich. Dieser hat sich stark verschlechtert. Wir haben viele geschlossene Kreißsäle und dadurch in den anderen Kreißsälen eine Überlastung der Kolleginnen. Das betrifft nicht nur die Arbeitskapazität, sondern auch die Räume. Es gibt Frauen, die aufgrund von Platzmangel abgewiesen werden müssen, wenn sie bei der Geburt mit Wehen ankommen.

So eine Situation kam früher wesentlich seltener vor. Natürlich gab es Dienste, in denen man wirklich viel zu tun hatte, da es voll und dadurch die Arbeit sehr anstrengend war. Allerdings ist das heute nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel in den Kreißsälen. Und das ist natürlich für die Kolleginnen in den Kreißsälen sehr demotivierend. Man hat diesen Beruf nicht gewählt, um dann letztendlich keine Zeit für die Gebärenden zu haben.

DOMRADIO.DE: Was ist denn der Grund für diese schlimmen, chaotischen Zustände auf den Stationen?

Erdmann: Natürlich zum einen die erwähnte Schließung der Kreißsäle. Das ist auch bis zu einem gewissen Grad der Tatsache geschuldet, dass die gesamte Medizin ein Wirtschaftsfaktor geworden ist. Das Augenmerk wird mittlerweile darauf gelegt, ob sich einzelne Gesundheits- bzw. Krankheitsbereiche noch rentieren.

Wirtschaftlich gesehen lohnt sich die Geburtshilfe nicht. Aus diesem Grund investieren viele Kliniken nicht mehr in diesen Bereich. Kleine Geburtshilfen in ländlichen Regionen werden geschlossen. Und es ist eben nicht vergleichbar mit einer Hüftoperation, denn eine Geburt kann man nicht planen. Mal läuft eine Geburt schnell ab, mal dauert sie eher lange. Es ist nicht planbar wie eine andere Operation. Dadurch entstehen dann teilweise große Lücken. Manche Frauen fahren eine Stunde, bis sie endlich mal im Kreißsaal angekommen sind.

DOMRADIO.DE: Was können Sie tun, damit sich die Situation verbessert, außer das anzusprechen?

Erdmann: Wir arbeiten auf ganz vielfältigen Ebenen. Der Deutsche Hebammenverband hat jetzt zum Beispiel einen Entwurf für ein Gesetz, das die Geburtshilfe stärken soll, herausgebracht. Daraus geht ganz klar hervor, wie man die Arbeitsbedingungen verbessern kann. Man befindet sich teilweise in einem Kreislauf. Die Kolleginnen sind mit der Situation im Kreißsaal unglücklich. Sie sind überfordert und müssen teilweise ihre eigenen ethischen Ziele verraten, damit der Dienst überhaupt bewältigt werden kann. Das führt wiederum zu Krankheit, zu Ausfällen und damit zu noch weniger einsatzbereiten Kolleginnen.

An dieser Stelle ist tatsächlich einer der Ansatzpunkte, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Man sollte darauf achten, dass jede Frau zur Geburt eine Hebamme an ihrer Seite hat. Denn auch das ist etwas, was Unzufriedenheit hervorruft. Wenn eine Hebamme drei oder vier Geburten parallel betreut, ist das sowohl für die Hebamme als auch für die Gebärenden natürlich sehr unbefriedigend. Man wird nicht richtig versorgt und hat zwischendurch auch Angst, weil niemand da ist.

Zusammengefasst sind das Faktoren, die zu Arbeitsunzufriedenheit führen. Es ist also unser Dreh- und Angelpunkt, dass an dieser Stelle die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Außerdem sollte eine andere Berechnungssystematik als die DRG-Pauschale (Die Fallpauschale (DRG) ist Teil des G-DRG Systems und bildet die Grundlage der Vergütung von Leistungen pro stationärem Behandlungsfall im deutschen Gesundheitssystem, Anm. d. Red.) eingeführt werden. Da vertreten wir die gleiche Meinung wie die Pflege.

DOMRADIO.DE: Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Wie könnten zukunftsweisende Arbeitsmodelle für Hebammen aussehen?

Erdmann: Da gibt es tatsächlich schon viele Modelle, die auch in anderen Ländern wie zum Beispiel den nordischen Ländern Finnland und Schweden umgesetzt werden. Dort werden beispielsweise familienfreundlichere Arbeitsplätze geschaffen. Und das betrifft eben nicht nur die Kinderbetreuung für die Hebammen, sondern zum Beispiel auch andere Schichtmodelle.

In Nordrhein-Westfalen sind 50 Prozent der Hebammen selbst Mütter. Das heißt, sie brauchen zumindest verlässliche Arbeitszeiten. Hier wäre ein Ansatzpunkt, dass man von diesem starren Drei-Schicht-System ein bisschen abrückt und beispielsweise auch Vier-Stunden-Dienste möglich macht. Dann könnte man unter Umständen auch die Kolleginnen zurückgewinnen, die wegen kleiner Kinder eine Pause machen müssen. Ich glaube, da gibt es ganz viele verschiedene Modelle.

Viele Länder haben uns einige Möglichkeiten vorgelebt, was man ändern könnte. Zum Beispiel Großbritannien, die es tatsächlich schaffen, dass eine Eins-zu-Eins Betreuung in Kliniken stattfindet und das auch in großen Häusern. Dafür haben sie entsprechend viele Kolleginnen eingestellt. Es macht sich bemerkbar, wenn die Geburtshilfe aufgewertet wird, zum Beispiel wenn Hebammen-Kreißsäle eingeführt werden. Denn dann sind auch genügend Bewerberinnen vorhanden. Es ist eindeutig nicht nur das Geld, das für die Kolleginnen vor Ort relevant ist, sondern eben auch ganz klar die Arbeitsbedingungen.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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