Eine blinde Frau liest ein Buch in Brailleschrift in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde (DZB)
Eine blinde Frau liest ein Buch in Brailleschrift in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde (DZB)
Kruzifix im Relief für Sehbehinderte
Kruzifix im Relief für Sehbehinderte
Braille-Drucker
Braille-Drucker

12.11.2019

Deutsche Zentralbücherei für Blinde feiert 125. Geburtstag Beim medialen Wandel up to date

Ob "Alexa"-Zugang, "Harry Potter"-Schinken in Braille-Schrift oder Hörbücher mit komfortabler Menüführung – die Deutsche Zentralbücherei für Blinde ist medial up to date. An diesem Dienstag feiert sie ihren 125. Geburtstag.

Seit 1894 versorgt die Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB) von Leipzig aus blinde und sehbehinderte Menschen mit einem wachsenden Informations- und Literaturangebot. Zu ihrem 125. Geburtstag startet die DZB mit neuem Namen durch: "Deutsches Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen)". Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) sprach mit dem Direktor Thomas Kahlisch über Barrierefreiheit im Internet und blinde Leser im 21. Jahrhundert.

KNA: Herr Professor Kahlisch, 125. Geburtstag - was bewahrt die DZB vor dem Schicksal, als "alte Dame" abgestempelt zu werden?

Kahlisch: Die DZB hat es eigentlich immer verstanden, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden. Gegenwärtig stehen für uns digitale Themen und der demografische Wandel ganz oben auf der Agenda.

KNA: Inwieweit betrifft Sie denn der demografische Wandel?

Kahlisch: Nun, mit unseren Angeboten wollen wir noch stärker für ältere Menschen attraktiv werden, bei denen das Sehvermögen nachlässt. Sie werden zukünftig von unseren speziellen Großdrucken und noch zu entwickelnden E-Books mit einstellbarer Schriftgröße und Vorlesefunktion profitieren.

KNA: Wie kam es eigentlich zur Gründung der DZB?

Kahlisch: Die DZB wurde 1894 von Leipziger Verleger-Gattinnen gegründet, um blinde Menschen mit Literatur zu versorgen und ihnen Arbeit zu verschaffen. Neben Büchern und Zeitschriften hat man von Anfang an auch Musiknoten für Blinde aufbereitet. Das hat massiv dazu beigetragen, dass blinde Menschen sich bilden konnten und Zugang zu Weltwissen bekamen. Leitmaxime war und ist dabei immer, Produkte mit einem möglichst hohen Qualitätsstandard anzubieten. Heute machen wir uns auf den Weg, das "Deutsche Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen)" zu werden.

KNA: Der Buchmarkt ist ja ein internationaler. Wie trägt die DZB dem Rechnung?

Kahlisch: Seit 2013 gibt es den sogenannten Vertrag von Marrakesch, der völkerrechtlichen Status auf dem Gebiet des Urheberrechts hat. Er geht auf eine weltweite Initiative von blinden Menschen zurück, die gesagt haben: Es macht doch eigentlich keinen Sinn, ein Buch in zig Ländern in englischer Sprache in Braille zu übersetzen. Wir wollen, dass blinde, seh- und lesebehinderte Menschen leichteren Zugriff auf weltweite barrierefreie Ressourcen bekommen. Seit Januar 2019 gibt es jetzt auch im deutschen Urheberrecht die entsprechenden Paragrafen. Damit können wir unseren Lesern mehr digitale Angebote unterbreiten - und es erweitert sich auch der Nutzerkreis.

KNA: Inwiefern?

Kahlisch: Es kommen zum einen Menschen hinzu, die aufgrund hoher körperlicher Einschränkungen ein Buch nicht aufschlagen oder blättern können. Die werden beispielsweise unsere noch zu realisierenden E-Books-Angebote nutzen, die per Sprachkommando weitergeblättert werden. Auch Menschen mit Legasthenie werden diese neuen Angebote nutzen. Der Text eines E-Books wird synchron am Bildschirm angezeigt und vorgelesen, was für diese Personengruppe eine enorme Erleichterung darstellt, so zeigen es die Erfahrungen im Ausland.

KNA: Barrierefreies Lesen ist bei Webseiten immer ein großes Thema. Standard ist es trotz diverser gesetzlicher Vorgaben noch lange nicht. Mischt die DZB da auch mit?

Kahlisch: Ja, wir beraten, schulen und unterstützen mehrere öffentliche Einrichtungen dahingehend, etwa die Ministerien im Freistaat Sachsen, aber auch Fernsehsender wie den MDR. Das Praktische ist, dass sich unsere Kompetenzen aus der barrierefreien Produktion von Literatur sehr gut auch bei Web-Inhalten anwenden lassen.

KNA: Digitale Hörbücher haben in den vergangenen Jahren einen gigantischen Boom erlebt. Ein Klick auf dem Handy, und mir wird quasi alles vorgelesen, was ich möchte. Das muss doch auch für Blinde und Sehbehinderte ein Traum sein, oder nicht?

Kahlisch: Im Prinzip ja. Aber es gibt bei diesen Apps häufig noch Barrieren, die die Nutzung für Blinde nicht so einfach machen. Darum haben wir als DZB dafür eine eigene App entwickelt. Außerdem bieten wir Hörbücher im sogenannten Daisy-Format, so dass der Nutzer darin "blättern" kann wie in einem richtigen Buch, sich das Inhaltsverzeichnis vorlesen lässt oder in einem Kochbuch gezielt ein Rezept ansteuert.

KNA: Geht im Zuge des digitalen Wandels auch die Nachfrage nach Büchern in Brailleschrift zurück?

Kahlisch: In Teilen ja. Zumal es am Computer auch viele hörbare Alternativen für Blinde gibt. Allerdings muss man klar sagen, dass junge Leserinnen und Leser, die beruflich aktiv sind, die Brailleschrift sehr schätzen, weil sie damit unter anderem ihre Lese- und Rechtschreibkompetenzen schulen, die sie etwa für Bewerbungen oder im Berufsalltag brauchen.

KNA: Die DZB produziert Braille-Bücher und Hörbücher selbst. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Titel aus?

Kahlisch: Wir haben ein Team, das den Büchermarkt beobachtet und schaut, was in unser Sortiment passt. Daneben fragen wir verstärkt unsere Leser ab, welche Bücher sie haben möchten. Ob leichte Romane, gehobene Literatur, Sachbücher oder fetzige Jugendliteratur - ist alles da.

KNA: Harry Potter in Braille?

Kahlisch: Selbstverständlich! Da waren wir sogar ganz früh am Start: Joanne K. Rowling stellte seinerzeit, da war sie noch nicht berühmt, in Leipzig auf der Buchmesse ihre ersten Harry-Potter-Bände vor - und wir haben die Bücher sofort in Braille produziert.

KNA: Sie selbst sind blind und promoviert, Herr Kahlisch. Welchen Zugang haben Blinde inzwischen zu wissenschaftlicher Literatur?

Kahlisch: Da sind noch dicke Bretter zu bohren. Technologisch gibt es schon sehr interessante Ansätze mit den Verlagen gemeinsam, um von vorneherein wissenschaftliche Literatur barrierefrei zugänglich zu machen, etwa über besondere digitale E-Book-Formate. Da sehen wir schon ein großes und spannendes Arbeitsfeld für die kommenden Jahre, das vom schulischen bis hin zum universitären Bereich reicht. Wir sind in einige Projekte eingebunden. Und natürlich beraten wir unsere Leserinnen und Leser, wie sie Zugang zu wissenschaftlichen Texten bekommen können.

KNA: Was ist denn die aktuellste Innovation der DZB?

Kahlisch: Wir haben unseren Lesern einen Zugang zum sprachgesteuerten Internet-Assistenten Alexa verschafft. Dafür haben wir einen eigenen sogenannten Skill entwickelt, der etwa Sprachbefehle ermöglicht wie: "Alexa, starte DZB und spiele mir aus meiner Ausleihliste Harry Potter, Band 1, vor." Zukünftig sollen dann auch das Stöbern im DZB-Katalog und die komplette Ausleihe via Alexa möglich sein. Daran arbeiten wir gerade.

Karin Wollschläger
(KNA)

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