Martin Aufmuth und ein Kind mit einer Ein-Dollar-Brille
Martin Aufmuth und ein Kind mit einer Ein-Dollar-Brille

22.08.2019

Wie ein Verein Sehhilfen für einen Dollar anbieten kann Ohne Brille keine Bildung

Rund 700 Millionen Menschen brauchen laut Weltgesundheitsorganisation eine Brille, können sich aber keine leisten. Bei der Weltkonferenz "Religions for Peace" stellt ein Verein eine Lösung vor: die Ein-Dollar-Brille. 

DOMRADIO.DE: Was genau ist die Ein-Dollar-Brille?

Claudia Wittwer (Pressesprecherin des EinDollarBrille e.V.): Die Ein-Dollar-Brille ist nicht nur ein Produkt, also tatsächlich eine Brille wie der Name schon sagt, sondern ein gesamtes, nachhaltiges Konzept für eine optische Grundversorgung von Menschen in Entwicklungsländern. Es gibt Hunderte Millionen Menschen, die eigentlich eine Brille bräuchten, sich aber keine leisten können. Ein weiteres Problem besteht darin, dass es gar keine augenoptische Versorgung gibt. Es gibt kaum Optiker oder Augenärzte, die sich tatsächlich um Menschen kümmern, die teilweise einen Dollar oder auch weniger am Tag verdienen.

Dafür hat Martin Aufmuth, der Gründer des EinDollarBrille e.V. ein sehr nachhaltiges Social-Business-Konzept entwickelt, das aus verschiedenen Komponenten besteht: einmal die Ein-Dollar-Brille, die genau so konstruiert ist, wie es für den Einsatz in den teilweise doch etwas harten Umweltbedingungen in Entwicklungsländern sehr passend ist. Die Materialkosten betragen weniger als einen Dollar. Das heißt, diese Brille ist sehr, sehr günstig und sieht trotzdem sehr hübsch aus. Sie hat auch ein individuelles Design.

Das allerdings ist noch nicht alles, denn es gibt bereits verschiedene Konzepte, die zum Beispiel Alt-Brillen in Entwicklungsländer bringen. Unser Konzept sieht etwas anders aus. Es sind Brillen, die individuell angepasst werden. Das heißt, die Menschen bekommen einen kostenlosen Sehtest. Es wird also erst einmal geprüft, ob überhaupt eine Brille vonnöten ist. Das ist ja auch schon mal eine Form der augenoptischen Versorgung. Wenn sie dann eine Brille benötigen, bekommen sie eine. Die werden auch verkauft – und zwar für zwei bis drei lokale Tariflöhne. Aus der Differenz, also quasi aus dem Verkauf der Brillen, sollen die Kosten vor Ort bestritten werden. Dazu gehören natürlich auch die Gehälter der lokalen Angestellten.

DOMRADIO.DE: Wie ist es denn möglich, eine funktionierende Brille so günstig zu produzieren?

Wittwer: Weil die Komponenten natürlich relativ günstig sind. Die Brille besteht aus Federstahldraht und Linsen, die aus China importiert werden. Insgesamt sind die Komponenten relativ günstig. Es ist ein einfaches Modell. Wir haben inzwischen auch schon etwas kompliziertere Modelle – mit Doppelbügel.

Insgesamt sind die Komponenten eben relativ simpel und ein zweiter Punkt: Es geht wirklich nur um reine sphärische Brillengläser. Wir können keinen Astigmatismus oder ähnliche Dinge ausgleichen. Es geht wirklich um eine Brille für den Grundbedarf.

DOMRADIO.DE: Wie werden die Brillen zu den Menschen gebracht?

Wittwer: Es gibt ganz verschiedene Konzepte. Das richtet sich natürlich auch nach den Verhältnissen vor Ort. Unsere Organisation ist unter anderem in den afrikanischen Ländern Burkina Faso und Malawi präsent, in denen es Unterschiede gibt.

In Burkina Faso gibt es mehr regionale Zentren, also etwas größere Städte. Da setzen wir mehr auf den Aufbau lokaler Shops. Das sind ganz einfache, kleine Shops, die simpel aufgebaut sind. Eine Art Zentrum, in dem die Brillen vertrieben werden. Ergänzt wird das Ganze dann durch sogenannte Outreaches, also Kampagnen, bei denen ein Team in die Dörfer hinausfährt und das vorher entsprechend ankündigt. Dann wird eine ganze Menge an Menschen gescreent, also deren Augen untersucht und dann die Brillen verkauft. Es sind verschiedene Konzepte – je nachdem wie das Land beschaffen ist.

In Malawi ist es zum Beispiel so, dass es relativ wenige größere Städte gibt. Da spielen natürlich die Outreaches, bei denen ein Team mit dem Auto rausfährt, tatsächlich eine größere Rolle.

DOMRADIO.DE: Generell schaffen Sie mit ihrem Projekt ja auch Arbeitsplätze. Und Sie bilden Optikerinen und Optikern aus, oder?

Wittwer: Das ist richtig. Wir haben inzwischen, per Ende Juni diesen Jahres, rund 220 Arbeitsplätze in unseren Projektländern geschaffen. Ich finde das schon recht beachtlich, wenn man sich überlegt, dass es in Ländern wie Malawi und Burkina Faso eigentlich kaum einen echten Arbeitsmarkt gibt. In Burkina Faso beschäftigen wir mittlerweile zwischen 60 und 70 Menschen. Damit gehören wir dort tatsächlich schon zu den größeren Arbeitgebern.

Wir bilden die Leute vor Ort aus. Wertschöpfung verbleibt damit im Land und es werden Stellen geschaffen. Das zweite wichtige Thema ist: Wir haben ein eigenes Ausbildungsprogramm entwickelt, in Kooperation mit Augenärzten und Optikern, das sich an den Bedürfnissen unserer Zielgruppe ausrichtet, also an Menschen, die wenig verdienen. Dieses Programm, es ist ein einjähriges Ausbildungsprogramm, versetzt die Absolventen in die Lage, quasi das Screening richtig zu machen, das richtige Brillenglas auszuwählen und auch die Brille entsprechend anzupassen.

DOMRADIO.DE: In dieser Woche sind Sie auch auf der Weltkonferenz "Religions for Peace" in Lindau vertreten. Wie präsentieren Sie sich dort?

Wittwer: Wir präsentieren uns an einem Stand – und zwar ist das der Stand von "Bayern Innovativ". Auch wenn unsere Organisation mit Religion nicht direkt zu tun hat, steht die Veranstaltung ja unter dem Motto: "Caring for our common future. Advancing shared wellbeing." Es geht dort also auch um eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklungen, natürlich auch um Klimaschutz und ähnliche Themen.

Wir glauben, dass wir da eine positive Rolle spielen können. Vor allem dadurch, dass wir auf verschiedenen Feldern ansetzen: Einmal auf dem Feld Gesundheit – durch die augenoptische Grundversorgung. Aber auch im Bereich Bildung: Brillen sind eine wichtige Voraussetzung für Bildung, Ausbildung und natürlich auch soziale und wirtschaftliche Entwicklungen. Die Leute werden befähigt, die Schule abzuschließen, eine Arbeit aufzunehmen und ihre Familien zu versorgen. 

Das Interview führte Dagmar Peters. 

(DR)

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