Der Suchdienst des DRK hilft bei der Aufarbeitung
Der Suchdienst des DRK hilft bei der Aufarbeitung
DRK-Pressesprecher Dieter Schütz
DRK-Pressesprecher Dieter Schütz

08.05.2019

Deutsche Rotes Kreuz forscht seit Kriegsende zu Vermissten "Innere Baustellen klären"

8. Mai 1945: Der Zweite Weltkrieg war zu Ende. Was bis heute bleibt, sind 1,3 Millionen ungeklärte Schicksale. Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes forscht zu den Geschichten dieser Menschen. 

DOMRADIO.DE: Diese Zahl ist ja wirklich unglaublich: 1,3 Millionen Menschen, deren Schicksal seit Ende des Krieges ungewiss ist. Was steckt hinter dieser riesigen Zahl?

Dr. Dieter Schütz (Pressesprecher des Deutschen Roten Kreuzes): Diese riesige Zahl relativiert sich natürlich ein bisschen, wenn man überlegt, dass nach 1945 im Zuge des Zweiten Weltkrieges Millionen von deutschen Soldaten in Kriegsgefangenschaft geraten sind und gleichzeitig Millionen von Deutschen aus den früheren Ostgebieten nach Westen geflohen sind. Viele sind auch ums Leben gekommen oder haben ihre Angehörigen verloren. Es gab auch viele Familien, die auseinandergerissen wurden. Das ist ein Teil der deutschen Geschichte, die sich in dieser Zahl widerspiegelt.

DOMRADIO.DE: Gibt es denn heute, mehr als 70 Jahre später, tatsächlich noch Möglichkeiten, etwas zu diesen Fällen herauszufinden?

Schütz: Es gibt noch Möglichkeiten. Zum einen haben wir jährlich fast 9.000 neue Suchanfragen, die Menschen betreffen im Zuge des Zweiten Weltkrieges. Es ist so, dass vor allem nach dem Fall der Mauer und dem Fall des Eisernen Vorhangs auch Russland Archive geöffnet hat und nach wie vor mit uns zusammenarbeitet. Deshalb gibt es auch immer wieder neue Angaben und neues Archivmaterial. Zu vielen der Soldaten, die zum Beispiel in sibirischen Lagern ums Leben gekommen sind, gibt es neue Angaben - zum Beispiel dazu, wann sie ums Leben gekommen sind oder woran sie gestorben sind - etwa an Unternährung und wegen Krankheiten.

Das Interesse ist nach wie vor groß. Vor zwei Jahren zum Beispiel konnten wir ein Geschwisterpaar zusammenführen, das im Frühjahr 1945 aus Sachsen geflüchtet ist und sich aus den Augen verloren hatte. Die beiden haben sich nach über 70 Jahren zum ersten Mal wiedergesehen.

DOMRADIO.DE: Auch die Nachfolgergeneration ist natürlich nach wie vor interessiert daran, immer wieder aufzuklären, wenn Eltern oder Großeltern verschollen blieben. Das Deutsche Rote Kreuz sagt, Menschen haben auch Anspruch auf diese Aufklärung, Wieso ist das so wichtig, zum Beispiel ganz genau zu erfahren, wie vielleicht die letzten Stunden eines Angehörigen waren?

Schütz: Es gibt zwei sehr unterschiedliche Motivationen, gerade bei der Suche nach Menschen, die im Zweiten Weltkrieg vermisst wurden oder noch vermisst werden. Zum einen ist da die Generation der älteren Menschen, die jetzt sehen: Mein Lebensende steht in den nächsten Jahren bevor. Aber ich habe noch einen Bruder und ich habe noch einen Vater, der im Krieg vermisst wurde oder vermisst wird, der Soldat war und dessen Schicksal ungeklärt ist. Da gibt es psychologisch eine innere Baustelle, die viele Menschen noch geklärt haben wollen.

Auf der anderen Seite gibt es in der Enkelgeneration aber auch viele, die Interesse daran haben, zu erfahren: Was ist mit meinem Großvater oder mit meinem Urgroßvater eigentlich geschehen? Wo ist der ums Leben gekommen? Oft ist es aber auch so, dass viele Ältere ihre Enkel einspannen für die Recherche beim Suchdienst; dass zum Beispiel auch Enkel für ihre Eltern oder Großeltern Anträge stellen, damit der DRK Suchdienst suchen kann.

DOMRADIO.DE: Sie haben eben 1992 angesprochen; ein Meilenstein in der Suche, muss man sagen. Es sind ja ganz viele Schicksale tatsächlich geklärt worden, nachdem unter Gorbatschow russische Archive geöffnet wurden. Sie haben auch damals viel gesucht, mit Suchmeldungen über die Medien, insbesondere im Rundfunk. Ist denn in Zukunft nochmal ein solcher Meilenstein zu erwarten, von dem man sagen kann: Das wird uns auf jeden Fall nochmal weiterbringen?

Schütz: Also, man muss sich das so vorstellen, dass nicht von einem Tag auf den anderen die Archive geöffnet werden und dann plötzlich alle Informationen zur Verfügung stehen. Sondern das geschieht zeitversetzt und nach und nach. Wenn jemand einen neuen Antrag stellt, kann es eben sein, dass auch neue Erkenntnisse da sind. Bei Anträgen, die vielleicht in den fünfziger, sechziger oder siebziger Jahren gestellt wurden, ist es so, dass die Fälle vorläufig abgeschlossen wurden. Aber manchmal gibt es eben die Chance, wenn jemand einen neuen Antrag stellt, dass dann tatsächlich neue Informationen herauskommen.

Erst neulich hatten wir wieder so einen Fall, als eine Schülerin für ihre Großmutter in Dresden einen Suchantrag gestellt hatte. Die hatten schonmal früher einen Antrag gestellt. Und jetzt, nach dem neuen Antrag, gab es dann neue Erkenntnisse, zum Beispiel mit dem Todesdatum des Urgroßvaters. 

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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