Ausbildung
Caritas: Zu wenig Ausbildungsstellen in NRW

21.03.2019

Caritas kritisiert Lage auf NRW-Ausbildungsmarkt Es ist noch viel zu tun

Mehr Lehrstellen als Bewerber – für viele Städte und Kreise in Nordrhein-Westfalen gilt diese positive Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt nicht. Der Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln spricht von "besorgniserregenden Lücken".

DOMRADIO.DE: Während bundesweit inzwischen viele Arbeitgeber über einen Azubi-Mangel klagen, gibt es in NRW nach wie vor mehr Bewerber als Ausbildungsplätze. Gibt es einen Grund dafür, dass es in Nordrhein-Westfalen genau andersherum ist?

Andrea Raab (Abteilungsleiterin Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln): Die anderen Bundesländer haben einfach nur schneller aufgeholt als Nordrhein-Westfalen. Das Problem, dass es zu wenig Ausbildungsstellen für die Bewerberinnen und Bewerber gibt, ist ja nicht neu. Im Bundesdurchschnitt hat sich nun die Lage erstmals mit dem Ende des letzten Ausbildungsjahres 2018 entspannt. In NRW ist das noch nicht so.

Ein Grund dafür könnte sein, dass wir viele Regionen haben, in denen einfach der Strukturwandel noch nicht so gut bewältigt wurde. Dazu gehört das Ruhrgebiet. Dazu gehört im Erzbistum Köln aber zum Beispiel auch das bergische Städtedreieck. In Wuppertal, Solingen und Remscheid sieht man sehr genau, dass die Lücke zwischen Bewerbern und Ausbildungsstellen besonders groß ist. Das ist in den Metropolen am Rhein nicht der Fall.

DOMRADIO.DE: Bieten denn insgesamt zu wenig Betriebe Ausbildungen an?

Raab: Ja, das ist einwandfrei richtig. Nur ein Viertel aller Betriebe, die ausbilden könnten, bilden auch tatsächlich aus. Das ist eindeutig zu wenig. Hinzu kommt eine zweite Geschichte: Gerade große Betriebe bilden einfach zu wenig aus. Wir haben in der Fachdiskussion eine Zahl dafür, die Ausbildungsquote: das Verhältnis der Auszubildenden in einem Betrieb zur Gesamtzahl der Beschäftigten. Und da sieht man, dass die kleinen und mittleren Betriebe auf viel bessere Zahlen kommen als die Großbetriebe. Das heißt: Hier ist auch noch was zu tun bei der Zahl der Auszubildenden, die gerade in Großbetrieben beschäftigt werden.

DOMRADIO.DE: Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Da heißt es jetzt, 22.000 Bewerber hätten nicht den gewünschten Ausbildungsplatz bekommen. Sind vielleicht aber auch junge Leute manchmal zu anspruchsvoll?

Raab: Generell würde ich das nicht so sagen. Man wird vielleicht Einzelne finden, wo man denkt: Er oder sie könnte ein bisschen flexibler sein. Aber die sogenannten Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt haben ganz andere Ursachen. Ich habe es eben gesagt: Wir haben im Erzbistum Köln zum Beispiel im bergischen Städtedreieck einen großen Mangel an Ausbildungsplätzen. Nun sind die jungen Leute nicht so ohne weiteres mobil, dass sie jeden Tag nach Köln oder Düsseldorf pendeln könnten. Es gibt zu wenig bezahlbare Wohnungen für junge Menschen in den Metropolen. Da haben wir große Mobilitätsprobleme. Außerdem ist nun mal schlichtweg nicht jeder Mensch für jeden Arbeitsplatz geeignet. Mit einer Mehlstaub-Allergie kann man zum Beispiel keine Karriere als Bäcker machen.

DOMRADIO.DE: Es heißt aber trotzdem, 10.000 Lehrstellen bleiben unbesetzt. Was muss denn jetzt passieren, um die Ausbildungslage in Nordrhein-Westfalen zu verbessern?

Raab: Wir brauchen mehr Ausbildungsplätze. Fachleute sagen, dass eine Angebots-Nachfrage-Relation - also ein Bewerber kommt auf einen Ausbildungsplatz - einfach zu wenig ist. Wir sagen, wir brauchen eigentlich eine Angebots-Nachfrage-Relation von 1 zu 1,125 - eine komische Zahl. Das heißt, auf tausend Jugendliche müssten eigentlich 1125 Ausbildungsplätze kommen. Nur dann ist ein Angebot wirklich auswahlfähig. Nur dann kann man auch regionale oder gesundheitliche Probleme oder die Tatsache, dass Talent und Aufgabe nicht immer automatisch zusammenpassen, gut steuern. 

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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