Pfr. Burkhard Hose
Pfr. Burkhard Hose

10.12.2018

Öffentliches gesellschaftliches Engagement erfordert Mut Der Gegenwind ist in den letzten Jahren stärker geworden

Es erfordert Mut, wenn man sich in politischen und gesellschaftlichen Themen öffentlich äußert. Burkhard Hose weiß das, er hat das Buch "Seid laut! Für ein politisch engagiertes Christentum" geschrieben.

DOMRADIO.DE: Kirche muss sich politisch engagieren. Das drückt sich bei ihnen unter anderem dadurch aus, dass sie einen Brief an den Ministerpräsidenten Markus Söder geschrieben haben, als ganz Bayern in der Kreuzdebatte darüber diskutiert hat, ob in öffentlichen Gebäuden Kreuze aufgehängt werden dürfen. Wie viel Mut hat es dafür gebraucht?

Burkhard Hose (Geistlicher, katholischer Studentenseelsorger im Bistum Würzburg und Autor): Mut ist für mich ein großes Wort, mit dem ich mich gar nicht so gerne in Verbindung bringe. Für mich war es einfach notwendig. Es gibt Augenblicke, da ist es Zeit, sich zu wehren, aufzustehen und laut zu werden. Die Kreuzdebatte war so ein Moment, den Brief habe ich also relativ spontan geschrieben. Ich erinnere mich an den Abend, als ich davon hörte und den Tweet des Ministerpräsidenten gelesen habe, der ein Kreuz in der bayerischen Staatskanzlei aufgehangen hat. Seine Begründung hat mich geärgert. Im Nachhinein habe ich gemerkt, dass die Reaktionen, die daraufhin kamen, einem einiges an Durchhaltevermögen abverlangt haben.

DOMRADIO.DE: De facto sind Sie ein katholischer Priester und haben sich dagegen aufgelehnt, dass überall Kreuze hängen. Da gibt es wahrscheinlich auch einiges an Gegenwind.

Hose: Natürlich. Zunächst mal, weil sich Menschen gerührt haben und gefragt haben, wie ich als katholischer Priester dagegen sein kann, dass Kreuze aufgehängt werden und dass ich dadurch das Kreuz verleugne. Aber es ging mir genau um das Gegenteil. Ich und viele andere sind der Meinung, wenn ein Ministerpräsident aus der Position der Macht heraus ein Kreuz an die Wand hängt, besonders Zusammenhang des Wahlkampfes und auch im Kontext einer Diskussion, ob Muslime zu unserem Land gehören, dann wurde dieses Kreuz eher ausgrenzend verwendet. Da war es für mich aus Positionen eines Christen wichtig zu sagen, dass das Kreuz nicht taugt, um Menschen auszugrenzen. Das Kreuz ist grundsätzlich ein Symbol für den Gott, der solidarisch mit den Ohnmächtigen ist. Das ist eine ganz andere Aussage als "Wir sind christlich und wir bleiben es".

DOMRADIO.DE: Jetzt engagieren sie sich als Christ und als Priester auch für Flüchtlinge und setzten sich für eine offene Asylpolitik ein. Die Menschen, die ich aus meinem Umfeld kenne, würden ihrem Engagement größtenteils zustimmen. Braucht es trotzdem Mut, Überwindung und Kraft?

Hose: Es braucht Kraft dafür, weil der Gegenwind seit den letzten Jahren stärker geworden ist. Das merken vor allem diejenigen, die sich seit Jahren beständig für Geflüchtete engagieren. Für sie ist die Arbeit, die sie von Anfang an ausgeführt haben, um Menschen zu helfen, auf einmal ein politisches Statement geworden. Ich werde sogar dafür angegriffen und angefeindet. Es geht so weit, dass sich Leute, die in der gesundheitlichen Versorgung für Geflüchtete arbeiten, auf einmal dafür verteidigen müssen oder Schmähschriften bekommen. Da sehe ich mich auch nicht alleine. Es gibt aber Menschen, die viel mehr Mut aufbringen müssen als ich, weil die im Engagement in vorderster Reihe stehen.

DOMRADIO.DE: Sie haben ein Buch geschrieben, das sich genau mit dieser Botschaft befasst. Es heißt "Seid laut" und befasst sich mit dem politisch engagierten Christentum. Wie Sie schon gesagt haben, ist für sie weniger das Wort "Mut", als einfach der Gedanke "Ich muss was tun, die Zeit ist dran". Was heißt das für mich in meinem Alltag? Wie kann ich das auch so umsetzen?

Hose: Wir kennen Gespräche aus dem Alltag, wo es um Menschen geht, die auf ihrer Flucht zu uns kommen und von denen dann behauptet wird, dass ihnen alles hinterher geworfen wird. Sich in solchen Gesprächssituationen einzuschalten, braucht eine gewisse Courage. Es ist wichtig, dass wir nicht schrittweise diese Diskurs-Verschiebung in der Gesellschaft mitmachen. Das ist eine Entmenschlichung der Gesellschaft. Die Meinung, wir Deutschen kämen vor dem Rest der Welt hält Einzug. Uns Christen macht aus, dass wir als Christen nicht bei uns selber bleiben. Nationalismus oder nationaler Egoismus ist für mich deshalb nicht mit dem christlichen Denken und einer christlichen Haltung vereinbar. Da erleben wir tagtäglich sehr viel, wo es darum geht, aufzustehen und deutlich unsere Meinung zu sagen.

(DR)

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