Eine ehrenamtliche Helferin im Gespräch mit Geflüchteten
Eine ehrenamtliche Helferin im Gespräch mit Geflüchteten
Wegwerf-Ware: Medikamente
"Ein Ehrenamt sei besser als Aspirin", meint Franz Müntefering
WM-Ball auf dem Rasen
Die meisten Ehrenamtlichen engagieren sich im Sport
Frauen reinigen ehrenamtlich die Kirche
... 19,5 Prozent in der Kirche

05.12.2018

Das Ehrenamt in Deutschland verändert sich Besser als Aspirin

Ob Altenbetreuer, Vorleserin oder Fußball-Trainer. Ob Mitarbeit im Hospiz oder Begleitung von Flüchtlingen zu Ämtern: Freiwilliges Engagement in Deutschland hat viele Gesichter, wie der Blick zum Tag des Ehrenamts zeigt.

"Willst du froh und glücklich leben, lass kein Ehrenamt dir geben." Wilhelm Busch hatte wenig übrig für freiwilliges Engagement. "Willst du nicht zu früh ins Grab, lehne jedes Amt gleich ab", riet er in einem seiner Gedichte. Der Lohn fürs Ehrenamt sei höchstens Undankbarkeit.

Medikament gegen Einsamkeit

Franz Müntefering ist da anderer Meinung: Ein Ehrenamt sei besser als Aspirin, preist der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen freiwilliges Engagement als Medikament gegen Einsamkeit. Auch der Nürnberger Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel ist sich sicher, dass Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, glücklicher seien. "Ehrenamt schafft erst mal Sinn", sagte er kürzlich der "Frankfurter Rundschau". Es ermögliche Kontakte und erhöhe das Selbstvertrauen.

Dabei hat ehrenamtliches Engagement in Deutschland zugenommen, wie der "Ziviz-Survey 2017" des Stifterverbands und der 2016 veröffentlichte Freiwilligen-Survey der Bundesregierung nahe legen. Die Zahl der Vereine kletterte auf über 600.000 - so viele wie nie zuvor. 31 Millionen oder mehr als 43 Prozent der Bundesbürger ab 14 engagierten sich freiwillig, so die Bundesregierung. Das wären zehn Prozentpunkte mehr als 15 Jahre zuvor. Allerdings schwanken die Zahlen je nach Studie und Verständnis von Ehrenamt stark. Das Allensbach-Institut rechnet für 2018 lediglich mit 15 Millionen Ehrenamtlern.

Die meisten engagieren sich im Sport

Glaubt man dem Freiwilligen-Survey, engagieren sich die meisten bei "Sport und Bewegung" (37,3 Prozent). Es folgen "Schule und Kindergarten" (20,9 Prozent) sowie "Kultur und Musik" (20,7 Prozent). Der "soziale Bereich" mit 19,5 Prozent und der "kirchlich-religiöse Bereich" mit 17,5 Prozent schließen sich an.

Nicht alle Gruppen sind gleichermaßen dabei. Ländliche Regionen mit ihrer traditionellen Strukturen verlieren Ehrenamtler. Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss und Migrationshintergrund sind weniger aktiv. Rund 45 bis 48 Prozent der unter 65-Jährigen engagieren sich, bei den Älteren sind es etwa zehn Prozent weniger. Allerdings gehen die Zahlen deutlich nach oben.

Mit dem Alter unterscheidet sich auch die Motivation. Zwar ist "Spaß haben" für Junge wie für Alte die wichtigste Begründung. Ältere wünschen sich aber darüber hinaus vor allem Kontakt zu anderen, während es für Jüngere mehr um Qualifikationen und berufliches Vorankommen geht.

Feuerwehren kämpfen um Nachwuchs

Auch die Art des Ehrenamts ändert sich. Neuere Lebensmodelle und Wertvorstellungen sowie wachsende Mobilität sorgen dafür, dass Sparten wie die Feuerwehren mit Problemen kämpfen, während etwa Fördervereine im Kulturbereich oder begrenzte Entwicklungsprojekte wachsenden Zuspruch erführen, sagt Holger Krimmer, ein Autor der Ziviz-Studie.

Dazu kommt, dass typische Ehrenamtskarrieren immer seltener werden. Banden sich Bürger früher oft ein Leben lang an Verbände, Kirchenchöre, Parteien und Gewerkschaften, ist heutzutage kurzfristiges und auf konkrete Projekte bezogenes Engagement angesagt - etwa für einen Spendenmarathon zu Gunsten der örtlichen Schule.

"Wöchentliche Treffen und hierarchische Mitgliederstrukturen können junge Menschen leicht abschrecken", vermutet Krimmer. Auch Internet und Smartphone verändern das Ehrenamt: Junge Leute engagieren sich verstärkt über Internetplattformen in Projekten, die eine Anwesenheit vor Ort nicht mehr zwingend erforderlich machen.

Erzbistum Köln organisiert Ehrenamt

Was spontanes Engagement bewegen kann, zeigte sich seit 2015, als Initiativen für Flüchtlinge wie Pilze aus dem Boden schossen: Allein im Bereich der katholischen Kirche gab es 100.000 freiwillige Helfer.

Für Kirchen, Feuerwehren oder Kommunen bedeutet das: Wer engagierte Leute an sich binden will, muss attraktive Bedingungen bieten, um Mitarbeiter werben und sie betreuen. Kein Wunder, dass mittlerweile hunderte von Freiwilligenagenturen und enige Freiwilligendatenbanken aus dem Boden schießen, die beraten und Tätigkeitsfelder vermitteln. Systematisch kümmert sich auch das Erzbistum Köln um ehrenamtliches Engagement in den Gemeinden. 2017 wurde in 60 Seelsorgebereichen jeweils für die Dauer von vier Jahren eine Stelle zur "Förderung von Engagement und Verantwortung" eingerichtet.

Christoph Arens
(KNA)

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