Unerträgliche Zustände für Arbeiter aus Osteuropa
In der Fleischindustrie arbeiten viele Werkvertragsarbeiter
Prof. Ulrich Hemel
Prof. Ulrich Hemel

02.11.2018

Katholische Unternehmer: Leiharbeit nicht nur negativ sehen Leiharbeit als Sprungbrett für Beschäftigte

Der Bund Katholischer Unternehmer plädiert für einen differenzierten Blick auf die Leiharbeit in der Fleischindustrie. Der Bundesvorsitzende Ulrich Hemel wandte sich dagegen, die Leiharbeit nur negativ zu sehen.

Ein Unternehmer müsse das tun können, was die Gesetze zuließen, so Hemel am Freitag im Münsteraner Internetportal www.Kirche-und-Leben.de. In vielen Fällen seien Leiharbeitsverhältnisse ein Sprungbrett für Beschäftigte, um wieder fest angestellt zu werden. Allerdings müssten die Betriebe auch die gesetzlichen Grenzen bei der Arbeitssicherheit, beim Arbeitsschutz und beim Gesundheitsschutz beachten.

Hemel verlangte eine differenzierte Sicht auf die Fleischbranche

Nach den Worten des Vorsitzenden des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) darf es keinen Generalverdacht gegen Unternehmer geben - "auch nicht in der Fleischindustrie". Deren Firmen leisteten einen Beitrag zum Gemeinwohl, indem sie Nahrungsmittel produzierten. "Es gibt sicher in mehreren Firmen einen begründeten Anfangsverdacht, dass Arbeitsbedingungen gegen Gesetze verstoßen", sagte Hemel. "Solange aber keine konkreten Beweise vorliegen, möchte ich Vorwürfen skeptisch begegnen dürfen."

Indirekt widersprach Hemel damit der Kritik von Sozialpfarrer Peter Kossen aus Lengerich im Münsterland. Der Priester prangert immer wieder den Umgang mit Arbeitsmigranten und Leiharbeitern aus Südosteuropa in der Fleischindustrie vor allem im Oldenburger Land an und wirft den Produzenten Ausbeutung vor.

Hemel verlangte eine differenzierte Sicht auf die Fleischbranche. Die Produzenten stünden in einem internationalen Wettbewerb und reagierten auf das Konsumverhalten. "Solange die Verbraucher vor allem nach dem billigsten Preis verlangen, würde ich von einer geteilten Verantwortung für die Zustände sprechen", sagte der Verbandschef.

(KNA)

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