13.10.2018

40.000 Demonstranten in Berlin erwartet Für vielfältige und freie Gesellschaft

Nach rechten Aufmärschen und steigender AfD-Beliebtheit ruft das Bündnis "#unteilbar" für Samstag zu einer Demonstration in Berlin auf. Erwartet werden bis zu 40.000 Teilnehmer.

Zahlreiche Institutionen und Prominente rufen für Samstag zu einer Großdemonstration in Berlin für eine offene und solidarische Gesellschaft auf. Unter dem Motto "#unteilbar - Solidarität statt Ausgrenzung" soll gegen Rassismus, Ausgrenzung und den Rechtsruck in der Gesellschaft demonstriert werden. Erwartet werden bis zu 40.000 Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet, kündigte die Sprecherin des bundesweiten Bündnisses "#unteilbar", Anna Spangenberg, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Berlin an.

Unterzeichnet wurde der Aufruf von über 4.500 Organisationen und Einzelpersonen, darunter dem Schauspieler Benno Fürmann, dem Satiriker Jan Böhmermann, der Schriftstellerin Eva Menasse, der Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan, Pro Asyl, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, Amnesty International oder Bands wie "Die Ärzte" oder "Die Sterne". Spangenberg sprach von einem "Herbst der Solidarität". Zur Demonstration aufgerufen hatte auch die Hilfsorganisation "Brot für die Welt".

 

Es findet eine dramatische politische Verschiebung statt, heißt es in dem Aufruf: "Rassismus und Menschenverachtung werden gesellschaftsfähig." Was gestern noch undenkbar war und als unsagbar galt, sei kurz darauf Realität. Humanität und Menschenrechte, Religionsfreiheit und Rechtsstaat würden offen angegriffen. Es sei ein Angriff, "der uns allen gilt", warnen die Unterzeichner.

"Es geht nicht nur gegen Migranten und gegen den Islam"

Die Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan sprach von einem Klima der Menschenverachtung, dass die rechtspopulistischen Parteien in ganz Europa geschaffen haben und das sich gegen jegliche Form pluralen Lebens richte. "Es geht nicht nur gegen Migranten und gegen den Islam, es geht gegen Europa als pluralen Raum", sagte die Professorin der Berliner Humboldt-Universität. Ursache sei eine Ungleichheit in der Gesellschaft, wie sie zuletzt vor über 100 Jahren gegeben habe, obwohl die "Norm der Gleichheit" im Grundgesetz festgeschrieben sei.

Die Auswirkungen dieser gesellschaftlichen Spaltung Deutschlands bekämen die über 10.000 Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes täglich zu spüren, berichtete Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider auf der Pressekonferenz.

Projekte des Verbandes für queere Menschen, Behinderte oder Flüchtlinge würden plötzlich angefeindet, ihre Akteure eingeschüchtert. "Das lassen wir nicht zu", sagte Schneider: "Wir wehren uns gegen diese Ideologie der Ungleichheit."

Unter den Rednern: Generalsuperintendentin Trautwein

"Wir haben uns angewöhnt, uns in unser Meinungskämmerlein zurückzuziehen", kritisierte Schauspieler Benno Fürmann. Viele Menschen fühlten sich nicht mehr gesehen. Gebraucht werde deshalb mehr Dialog, weniger Monolog, denn "wir stricken alle gemeinsam an unserer Welt von morgen", so Fürmann.

Die Demonstration soll nach einer Auftaktkundgebung auf dem Alexanderplatz über den Potsdamer Platz und das Brandenburger Tor zur Siegessäule führen. Als Redner und Rednerinnen werden unter anderem Ulrich Schneider, Amnesty-Generalsekretär Markus Beeko, die Publizistin Ferda Ataman, Streikende von Ryanair, die Berliner evangelische Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein und Lala Süsskind vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus angekündigt. Musik gibt es unter anderem von Konstantin Wecker und Herbert Grönemeyer.

(epd)

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