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Gregor Stiels, Vorsitzender des Kölner Katholikenausschusses, und Rolf Domning vom Evangelischen Stadtkirchenverband sprechen auf der Kundgebung "Köln zeigt Haltung"
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Tausende sind dem Aufruf "Köln zeigt Haltung" gefolgt
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Band "Buntes Herz" macht kurdisch-deutsche Musik
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Plakat mit der Aufschrift: "Aus Fremden können Freunde werden"
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16.09.2018

Bündnis "Köln zeigt Haltung" Solidarität mit Geflüchteten

Christen müssen sich mit Geflüchteten solidarisch zeigen. Es sei unmenschlich, dass immer noch Menschen im Mittelmeer ertrinken, sagt der Vorsitzende des Katholikenausschusses im DOMRADIO.DE und fordert Lösungen.

DOMRADIO.DE: Zahlreiche Menschen wollen ein Zeichen setzen und zu einer menschlichen Flüchtlingspolitik aufrufen. Hat das Ganze denn den Charakter einer Demo oder handelt es sich da schon um eine Art Protestaktion?

Gregor Stiels (Vorsitzender des Katholikenausschusses Köln): Ich würde sagen es ist eher eine Demo und eine Kundgebung, die auch schon vor Wochen entstanden ist. Uns hat Stück für Stück gestört, wie die Politik unterwegs war.

Dass es nach wie vor keine guten Lösungen für die dramatische Lage im Mittelmeer gibt, für die Lager und die Menschen, die ankommen in Griechenland und Italien - und das seit Jahren.

Wir haben gesagt, wir müssen jetzt einfach auch mal Haltung zeigen und ein Zeichen setzen für eine gute Politik. Und darum geht es.

DOMRADIO.DE: Die Aktion setzt sich für eine menschliche Flüchtlingspolitik ein. Das zeigen schon die drei Schlagworten: "Aufnehmen statt Abschotten", "Hierbleiben statt Abschieben" und "Solidarität statt Hetze".

Aber was ist denn genau eine menschliche Flüchtlingspolitik? Was bedeuten die drei Schlagworte?

Stiels: 2016 hat unser Kardinal in der Fronleichnamsprozession ganz deutlich gesagt, dass wir Solidarität mit Geflüchteten zeigen müssen. Zwei Jahre später ertrinken immer noch 1500 Menschen im Mittelmeer.

Das zeigt, wie unmenschlich es ist, wie lange der Zustand schon anhält und irgendwie zur Gewohnheit geworden ist. Immer wieder mal gibt es Schlagzeilen, aber man hört darüber hinweg.

Wir wollen sagen: Das geht so nicht, wir müssen einfach mal ein deutliches Zeichen setzen und sagen: Das ist unmenschlich und es braucht Lösungen.

DOMRADIO.DE: Wichtig ist ja auch nochmal zu sagen, dass das heute keine einmalige Sache sein soll.

Stiels: Ganz genau. Es soll ein Auftakt sein. Es hat sich ein sehr breites Bündnis durch alle gesellschaftlichen Schichten gefunden. Man könnte sagen: die bürgerliche Mitte. Das soll heute ein gemeinsamer Auftakt sein.

Das war auch nicht einfach, dass wir uns gefunden und uns auf einen gemeinsamen Text verständigt haben. Aber letztendlich ist uns das gelungen. Heute ist die Kundgebung dazu. Nächste Woche treffen wir uns, um zu schauen, wie es weiter geht.

DOMRADIO.DE: Sie haben betont, dass es Ihnen wichtig ist, dass nicht nur die katholische Kirche mit dabei ist, sondern dass die Ökumene und generell alle Christen Haltung zeigen. Welche Rolle spielen Christen denn, wenn es um Solidarität für Geflüchtete geht?

Stiels: Erst einmal freue ich mich, dass es die Gelegenheit gibt, auch mal einen ökumenisches Zeichen zu setzen, und dass ich zusammen mit dem Stadtsuperintendenten Rolf Domning die Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen vertreten darf. Das ist schon eine Ehre, das zu sagen.

Es ist für uns ganz klar, dass wir alle nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind. Deswegen ist jeder Mensch mit der gleichen Würde und mit den gleichen Rechten zu sehen, dafür wollen wir gerade als Christen eintreten. Wir haben den Eindruck, dass nicht alle Menschen mit der gleichen Würde und den gleichen Rechten gesehen werden.

DOMRADIO.DE: Was wollen Sie den Menschen bei dieser Veranstaltung denn besonders ans Herz legen?

Stiels: Mir ist es wichtig, dass heute nach der Kundgebung nicht Schluss ist, sondern dass wir aufgerufen sind, in den nächsten Tagen aktiv zu werden, darum zu streiten und zu suchen, wie menschenwürdige Lösungen aussehen könnten, wie wir geflüchtete Menschen auch hier in dieser Stadt aufnehmen können.

Es gibt schon zahlreiche Initiativen und auch die Aktion "Neue Nachbarn" der katholischen Kirche. Die haben ja gezeig, dass das möglich ist. Aber ein bisschen Entmutigung ist vielleicht da und auch die Wertschätzung fehlt in der Gesellschaft. Deshalb braucht es einen neuen Auftakt.

DOMRADIO.DE: Sie sehen aufgrund der derzeitigen Ereignisse in Chemnitz oder auch durch die aktuellen Umfragewerte der AfD die Demokratie in Gefahr. Wenn sie sehen, dass jetzt so viele Menschen an der heutigen Aktion teilnehmen und so viel Zuspruch bekommt, macht Ihnen das Hoffnung für die Demokratie?

Stiels: Ich glaube, wir müssen mal wieder ein bisschen aufrütteln und uns sagen: Demokratie ist kein Selbstläufer. Ich kann mich nicht zurücklehnen und sagen: Die machen das schlecht.

Ich kann nicht zu Hause sitzen bleiben und nicht zur Wahl gehen - die Wahlbeteiligung war ja auch recht niedrig die letzten Male - und dann schimpfen und meckern. Sondern Demokratie heißt: Ich muss mich beteiligen und engagieren.

Ich finde, dass demokratische Parteien Lösungen haben und auch helfen können. Aber das müssen sie auch zeigen und sagen: Wir hören zu, wir wissen wo die Probleme sind und haben gute Lösungen im Gepäck.

DOMRADIO.DE: Aktuelle Ereignisse zeigen, dass es Menschen gibt, die Sorgen und Nöte haben, wenn es um Flüchtlingspolitik geht. Was glauben Sie denn, wie diese Menschen erreicht werden können?

Stiels: In diesem Bündnis ist uns allen klar, wenn wir Solidarität einfordern, ist das einen Anspruch. Das ist sehr leicht gesagt, aber auch sehr schwer umgesetzt. Also Solidarität einzufordern von Menschen, die eine bezahlbare Wohnung suchen, die sich abgehängt fühlen, die sich als Bildungsversager fühlen, das ist nicht einfach.

Die stellen schon Fragen. Dann kommen noch ein paar mehr dazu, die auch bezahlbaren Wohnraum haben wollen. Das ist nicht einfach, mit diesen Menschen ins Gespräch zu kommen, ihnen zuzuhören, ihre Ängste und Sorgen zu hören, das ist das, was wir machen müssen.

Das Interview führte Julia Reck.

(DR)

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