Ein Mann nimmt Abschied an einem Sarg zu Beginn der Trauerfeier für die Opfer der Brückenkatastrophe in Genua
Ein Mann nimmt Abschied an einem Sarg zu Beginn der Trauerfeier für die Opfer der Brückenkatastrophe in Genua
Trauerfeier für Opfer der Brücken-Katastrophe in Genua
Trauerfeier für Opfer der Brücken-Katastrophe in Genua

19.08.2018

Trauerfeier für die Opfer des Brückeneinsturzes Den Riss von Genua überbrücken

Schuldzuweisungen und Solidaritätsaufrufe, katholische Messe und islamisches Gebet: Das Unglück von Genua verstärkt Italiens vielschichtige Gemütslage. Spürbar auch bei der kritisierten offiziellen Trauerfeier.

An der Stirnseite der Messehalle ein riesiges barockes Kruzifix über einem Altar, davor eine Reihe katholischer Bischöfe in vollem Ornat - und in die Stille hinein der Ruf "Allahu akbar". Die Szene an diesem Samstagmittag, am Ende der Trauerfeier für die Opfer von Genua, ist beredt - und wichtig für das Italien dieser Tage.

Die vorherige Ankündigung, dass nun - nach dem katholischen Gottesdienst - auch die islamische Gemeinde ein Gebet sprechen werde, weil zwei der Opfer des Brückeneinsturzes Muslime sind, war mit großem Applaus bedacht worden. Eine wichtige Geste, da unlängst eine Umfrage einmal wieder zutage förderte, viele Italiener verbänden mit dem Begriff "Islam" vor allem Gewalt und Terrorismus.

Mehr als 3.000 Trauergäste

Im Halbrund vor dem Altar stehen 19 Särge, bedeckt mit weißen Rosen und Lilien, auf jedem der Name dessen, der beim Einsturz der Brücke am vergangenen Dienstag sein Leben verloren hat. Daneben ihre Angehörigen, teils scheinbar gefasst, teils von Trauer gezeichnet. Mit etwas Abstand dahinter die rund 3.000 übrigen Trauergäste, unter ihnen Staatspräsident Sergio Mattarella, Vertreter der nationalen und regionalen Regierung, Trauerkränze flankiert von Carabinieri und Soldaten in Galauniform.

Nicht alle Hinterbliebenen wollten den Staatsakt über sich ergehen lassen. Jene der übrigen 22 Opfer verabschieden sich in ihren jeweiligen Heimatorten privat von den Verunglückten. Sie sind wütend und enttäuscht über mutmaßliches Versagen des Staates, über Reaktionen von Politikern. Zudem scheuen einige die Öffentlichkeit.

Bürger geben Staat die Schuld

Genuas Erzbischof, Kardinal Angelo Bagnasco, beginnt die Messe mit dem gemeinsamen Schuldbekenntnis aller: "... dass ich gesündigt habe, durch meine Schuld ...". Wie viele jener Minister, die in den vergangenen Tagen auf den Trümmern in Genua medienwirksam Schuld anderen zugewiesen haben, ist nicht zu sehen. Sie fällten ihr Urteil bereits, bevor die Ursachen des Einsturzes feststehen, bevor eine Staatsanwaltschaft eine Anklage auch nur angekündigt hat.

Der Rückzug vieler Angehöriger aus Frust über Staat und Politiker schließt indes nicht aus, dass Innenminister Matteo Salvini und Wirtschaftsminister Luigi di Maio, die mit Schuldzuweisungen besonders schnell sind, mit Applaus begrüßt werden. Denn auch für manche Bürger steht der Schuldige fest: "Der Staat hat unsere Kinder umgebracht", zürnt der Vater eines jungen Todesopfers. Dieser und seine drei Freunde wurden bereits am Freitagabend in Torre del Greco bei Neapel beigesetzt.

Zahl der Toten steigt noch einmal

In die Wut der Angehörigen stimmte auch Neapels Erzbischof, Kardinal Crescenzio Sepe, ein: Es dürfe nicht sein, "dass Menschen sterben aufgrund von Fahrlässigkeit, durch Unverantwortlichkeit, Oberflächlichkeit, Bürokratismus". Genuas Kardinal Bagnasco dagegen beschwört den Zusammenhalt der Genueser. Gegen den "Riss durch das Herz" der Menschen und der Stadt "spüren wir, wie notwendig zwischenmenschliche Bindungen sind". Sie gehörten "zum Gewebe einer Gesellschaft, die sich zivilisiert nennt". Dies verlange aber Vertrauen, um Freude und Leid teilen zu können, sucht er vorherrschendes Misstrauen zu beschwichtigen. Der Beifall der Trauergäste bekräftigt ihn.

Applaus gibt es auffallend häufig an diesem Staatstrauertag. Den größten erhielten die Feuerwehrleute und andere Rettungskräfte, die zuletzt in den Trümmern der Brücke ein weiteres Auto mit drei Toten gefunden hatten. Am Nachmittag dann auch den letzten Vermissten, einen Bauarbeiter. Die Zahl der Toten stieg damit auf insgesamt 42. Applaus auch für die Namen der Toten, die der Kardinal im Hochgebet der Messe verliest.

"Verletzt aber nicht gebrochen"

"Genua ist durch diese Tragödie verletzt worden, aber nicht gebrochen", beschwor Bagnasco bereits am Tag des Unglücks den Zusammenhalt der Stadt, die in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach Katastrophen erlitten hatte. Eine an diesem Tag vielzitierte Grafik zeigt zwei Fans der rivalisierenden Fußballvereine Sampdoria und CFC Genoa.

Jeweils einen Arm um die Schulter des anderen gelegt überbrücken sie die Lücke der eingestürzten Brücke und einen so die zweigeteilte Stadt. Spieler beider Vereine sind auch bei der Messe an diesem Samstag anwesend - in einem fußballbegeisterten Land wie Italien ebenfalls eine wichtige Geste.

Roland Juchem
(KNA)

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