Betroffene im Gespräch
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Gisela Breuhaus
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Michaela Hoffmann
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20.07.2018

Was Betroffene zum Thema Armut zu sagen haben Experten in eigener Sache

Erstmals haben sich in NRW Menschen, die in Armut leben, getroffen, um sich zu vernetzen und gemeinsam für ihre Anliegen zu kämpfen. Als "Experten in eigener Sache" haben sie aber auch keine Patentlösung für den Ausstieg aus der Armut.

Gisela Breuhaus würde gerne einmal eine Schifffahrt machen. Aber dafür reicht das Geld hinten und vorne nicht. Rund 480 Euro Rente erhält sie im Monat. Und weil man davon nicht leben kann, bekommt sie weitere 472 Euro Grundsicherung. Große Sprünge kann sie davon allerdings auch nicht machen.

"Ich habe elf Jahre meinen Vater gepflegt, danach meinen kranken Ex-Mann. Insgesamt 16 Jahre Familienpflegezeit", erzählt die 69-Jährige. Nebenbei zog sie zwei Kinder groß. Viel Zeit für einen regulären Job war da nicht – und das macht sich jetzt in ihrer schmalen Rente bemerkbar.

Erstes Treffen in NRW

Gisela Breuhaus gehört zu den sozialen Gruppen in Deutschland, die ein hohes Risiko haben, in die Armut abzurutschen: Pflegende Angehörige, Alleinerziehende, Rentner, Menschen mit Behinderung. Rund 16 Millionen Bürger in Deutschland leben den Statistiken zufolge in Armut. Das sind 19,7 Prozent der Bevölkerung.

An sie richtete sich die Veranstaltung: "Experten in eigener Sache", das erste Treffen auf NRW-Ebene für "Menschen mit Armutserfahrung", wie es im Fachjargon heißt. Dabei gehe es um Austausch und Vernetzung der Betroffenen, erklärt Michaela Hofmann vom Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln. Das sei wichtig, denn Armut gehe auch mit Isolation und Einsamkeit oft einher.

"Hier geht es nicht darum, dass die Leute irgendetwas tun müssen, Anträge stellen oder Beratung einholen", erklärt die Armutsexpertin. Es handele sich um ein freiwilliges Angebot, bei dem die Betroffenen sich selbst und ihre Erfahrungen einbringen können: "Sie sind die Experten für ihre eigene Sache", sagt sie und ergänzt: "Derjenige, der mit wenig Geld auskommen muss, kennt die Situation besser als jeder Berater. Er weiß, was nötig ist, um die Lebenssituation zu verbessern. Und er weiß auch, wie sich das anfühlt, wenn man immer gesagt bekommt: Streng‘ dich doch einfach mal ein bisschen an!"

Es fehlt "politischer Feuereifer"

Tatsächlich sind Arbeitslosigkeit und Armut meist keine Folge mangelnden Engagements. Die Wenigsten haben sich in dieser Situation komfortabel eingerichtet und wollen nicht arbeiten: "Es gibt in Deutschland eine dauerhaft abgehängte Gruppe, die aus dieser Situation von selbst kaum noch herauskommt", erklärt Dr. Frank Johannes Hensel, Diözesancaritasdirektor im Erzbistum Köln. Hensel war auch Sprecher der Nationalen Armutskonferenz (NAK). "Wir wissen, dass man an diese Menschen nach einigen Jahren nicht mehr über irgendeine Maßnahme herankommt. Da ist dauerhafte Unterstützung nötig!"

Auf politischer Ebene kann er allerdings derzeit kein rechtes Bemühen erkennen, an dieser Situation strukturell etwas zu verändern. "Was fehlt, ist der politische Feuereifer", sagt er. Politik werde eben oftmals für Mehrheiten gemacht. "Als Politiker steigt meine Beliebtheit, wenn ich etwas für die wählende Gruppe herausgeholt habe. Wenn ich etwas für eine Gruppe tue, die sich ohnehin schon abgehängt fühlt und oft auch gar nicht mehr zur Wahl geht, dann ist natürlich auch die Motivation geringer." Umso wichtiger sei das Treffen der Menschen mit Armutserfahrung, denn dabei gehe es auch um Lobbyarbeit in eigener Sache.

Überall benachteiligt

Auch Giesela Breuhaus ist zu dem Treffen in Köln gekommen, das die freie Wohlfahrtspflege NRW organisiert hat. Es gibt Diskussionsrunden zu unterschiedlichen Themen, eines der drängendsten ist die Wohnungssuche: "Ich hatte mich um eine Wohnung beworben, die war zwar nicht behindertengerecht, aber barrierefrei", erzählt die Rentnerin, die seit einigen Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen ist. "Die habe ich aber nicht bekommen, weil die Vermieter keine Rollstuhlfahrer wollten."

Vor allem in Ballungsräumen, wo es ohnehin schon schwer ist, bezahlbaren Wohnraum zu finden, ist die Suche für Arbeitslose, Bezieher von Grundsicherung oder auch Alleinerziehende nahezu aussichtlos. Studien zufolge fehlen in Deutschland rund eine Million Sozialwohnungen.

Patentlösungen haben auch die anderen Betroffenen bei dem Treffen in Köln nicht. Aber es gehe auch darum zu erkennen, dass man nicht alleine ist und dass man gemeinsam eine Stimme haben kann, sagt Michaela Hofmann von der Caritas. "Bei unseren Treffen bekommen die Menschen das Gefühl, Teil der Gesellschaft zu sein."

Gisela Breuhaus versucht bei dem Treffen, sich einzubringen und anderen zu helfen. Sie weiß aber auch, dass das nicht reicht: "Das ist ein politisches Problem und das können wir nur ändern, wenn wir an die Öffentlichkeit gehen." Vieles sei derzeit noch ziemlich ungerecht, sagt sie, aber sie versuche, sich nicht darüber zu ärgern. "Denn Wut macht hässlich!", sagt sie. Und lacht.

(DR)

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