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12.07.2018

Warum der Vatikan eine Konferenz über "Impact Investing" ausrichtet Tue Gutes und verdiene Geld dabei

Ausgerechnet unter dem Kapitalismus-Kritiker Franziskus diskutierten Experten aus der Bank- und Finanzwelt mit Vertretern von Caritas und christlichen Hilfswerken über Chancen und Risiken von Investment-Banking. Was kam dabei raus?

"Diese Wirtschaft tötet!" Der Satz aus dem Apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium" von Papst Franziskus kritisiert einen entfesselten Kapitalismus, sagt ein deutliches Nein zur "Vergötterung des Geldes". Und doch richtet der Vatikan bereits zum dritten Mal eine Konferenz über das sogenannte "Impact Investing" aus. Gastgeber ist das von Franziskus neugegründete Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen unter Leitung des afrikanischen Kurienkardinals Peter Turkson.

Rund 150 Vertreter von Hilfsorganisationen wie der Caritas, aber auch Finanzexperten, Banker und Unternehmer aus dem legendären Silicon Valley sind in das funktionale Hotel "St. Peter’s" als Tagungsort an der Via Aurelia Antica in Rom gekommen. Ebenfalls mit dabei ist der Kölner Finanzexperte Winfried Hinzen, Finanzberater für kirchliche Einrichtungen und ehemaliges Mitglied im Vorstand der Pax-Bank.

"Man kommt in einen Raum mit vielen Menschen in schwarzen Anzügen, seien es Bischöfe oder Finanzexperten, das ist schon ungewöhnlich", so beschreibt Hinzen die Atmosphäre. Insgesamt seien die Teilnehmer aber sehr locker miteinander umgegangen: "Da waren die Leute von den Hilfsorganisationen auf der einen Seite und die Finanzindustrie auf der anderen Seite, dazwischen die Bischöfe – das war ein buntes Bild!"

Investieren und Gutes tun

Hinter dem Stichwort "Impact Investing" steht die Idee, dass der Investor Gutes tut, in soziale Projekte wie ein Krankenhaus investiert und dabei auch Geld verdient. Rendite erwirtschaften gehört also dazu, verbunden mit dem Ziel, den Menschen mit der Investition zu helfen. Um den schnelle Gewinn geht es nicht: "Das ist einer der großen Unterschiede zum klassischen Investment, dass die Finanzleute  sagen, wenn wir uns auf 'Impact Investing' einlassen, dann sind das langfristige Dinge, weil wir schauen müssen, dass wir den Menschen nachhaltig helfen", erklärt Finanzexperte Hinzen.

Vor allem US-amerikanische Investoren würden da eher in großen Maßstäben denken: "Damit das wirklich funktioniert, damit die Renditen stimmen, muss man schon relativ viel Geld in die Hand nehmen, dass die Investitionen interessant werden."

Konkrete Beispiele werden bei der Konferenz vorgestellt, etwa ein Projekt in den USA zur Qualifizierung von Flüchtlinge aus Mexiko, das satte acht Prozent Rendite abwirft oder ein Krankenhaus in Kenia, das durch einen Investor in eine große und moderne Klinik umgewandelt wurde und mittlerweile einen erheblichen Gewinn erwirtschaftet. Für Hinzen ist klar: "Man kann sehr wohl in die Gesundheitsversorgung für die Menschen investieren und damit die wirtschaftlichen Verhältnisse verbessern und die Leistungsfähigkeit der Medizin für die Menschen spürbar voranbringen."

Berührungsängste zwischen Sozialem Sektor und Finanzwelt in Deutschland

Nicht alle Beispiele der Konferenz lassen sich auf Deutschland übertragen, erklärt Hinzen. Außerdem würde man im sozialen Sektor in der Bundesrepublik eher vorsichtig investieren, um Verluste zu vermeiden. "Nicht zuletzt gibt es in Deutschland unbestreitbar Berührungsängste zwischen der sozialen Szene und der Finanzwirtschaft - da muss man erstmal drüber springen."  

Deswegen sei das Konzept von "Impact Investment" hierzulande noch ein Nischenthema. In Rom allerdings habe es viele Kontakte zwischen Hilfsorganisationen und der Finanzwelt gegeben. Auch die Kapitalismuskritik des Papstes sei präsent gewesen: "Man merkte doch deutlich, dass alle, die dort im Saal waren, gedacht haben, wir müssen an den Missständen etwas ändern!"

Kirche als "Global Player"

Gerade der Katholischen Kirche traut Hinzen zu, als Global Player das Thema "Impact Investing" noch mehr voran zu bringen, dass hätte auch die Zusammensetzung der Konferenz gezeigt: "Es waren in Rom nicht nur Katholiken, sondern auch jüdische Vertreter aus New York und muslimische Vertreter mit dabei - die Finanzindustrie war insgesamt sehr präsent."

Nachhaltig investieren und Menschen langfristig helfen – dieser Gedanke soll in Zukunft noch stärker Realität werden, hofft Katholik Hinzen: "Alle, die bei der Konferenz waren, waren motiviert von demselben Gedanken: wir wollen erfolgreich arbeiten, aber dabei als ganz zentrales Kriterium den sozialen Nutzen, den Effekt für die Menschen in den Blick nehmen."

Ob immer mehr Investoren den Gedanken des "Impact Investing" übernehmen, das können die Teilnehmer in zwei Jahren überprüfen – dann lädt der Vatikan zur nächsten Konferenz ein.

Mathias Peter
(DR)

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