Schaukel auf einem Kinderspielplatz
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06.07.2018

Erste christlich-muslimische Kita vor der Eröffnung Spielen wie in "Abrahams Schoß"

Dass Kinder verschiedener Religionen eine Kita besuchen, ist nicht neu. Doch eine anteilig gemischt christlich-muslimische Tagesstätte in entsprechender Trägerschaft gab es bisher in Deutschland nicht. Nun schon. "Abrahams Kinder" heißt sie.

DOMRADIO.DE: Muslimische, christliche, jüdische Kinder und Kinder von Atheisten zusammen in einer Kita ist ja eigentlich nichts Neues. Das ist vor allen Dingen in den großen Städten Alltag. Was ist denn bei ihrer Kita im niedersächsichen Gifhorn besonders oder anders?

Martin Wrasmann (Katholischer Pastoralreferent und Vorsitzender des Trägerkomitees vom bundesweit ersten christlich-muslimischen Kindergarten in Gifhorn): Anders ist, dass die muslimische Gemeinde fragte, wo sie denn mit ihren Eigenheiten bleibt. Sie hatten dann überlegt, eine eigene Kita zu bauen. Dann habe ich wiederum gedacht, dass dies kein integrativ kluger Gedanke sei und es clever wäre, man würde es zusammen machen. Zumal wir erlebt haben, dass in der ganzen Frage der Flüchtlingssituation, die 2015 begann, auf die Moscheegemeinden zugegangen wurde und man sie gefragt hatte, ob sie nicht politisch und institutionell auch verantwortlich sein wollen.

Heraus kam die Idee dieser Kita, von der die Moscheegemeinde sagte: "Zusammen trauen wir uns das zu". So kam es zur muslimisch-christlichen Kita, bei der wir uns trauen gemeinsam ein Ziel zu verfolgen, um die Kultur der Achtsamkeit und das Kennenlernen des jeweils anderen auf den Weg zu bringen.

DOMRADIO.DE: Sie haben alle zusammen entschieden wie die Kita aussehen soll, was es zu essen gibt und welche Feste gefeiert werden?

Wrasmann: Genau. Wir haben erst einmal ein Haus für eine Gruppe angemietet. Es werden dort 17 Kinder aufgenommen. Die Hälfte davon ist muslimischen Glaubens, die andere Hälfte kommt eher aus dem christlichen Kontext. Unser Ziel ist, das jeweils Andere kennen- und wertschätzen zu lernen. Wir werden nicht alle Feste feiern, aber wir werden darauf eingehen, was die Feste dem Einzelnen bedeuten.

Wir werden gemeinsame Feste neu entwickeln. Zum Beispiel könnte das Erntedankfest ein regionsübergreifendes, verbindendes neues Fest sein. Das wäre übrigens auch ein interessanter Gedanke für einen gemeinsamen Feiertag. Wir wollen uns die Dinge so anzuschauen, dass das jeweils Andere gewürdigt und kennengelernt wird.

Das haben wir auch in der Arbeit mit Geflüchteten immer wieder erlebt. Da, wo das Andere, das Fremde ein Gesicht bekommt, wird es nah, wird es in der Regel auch sympathisch und man kann gut miteinander ins Leben kommen.

DOMRADIO.DE: Welches waren denn die kompliziertesten Fragen, die es zu klären galt?

Wrasmann: Es gab keine komplizierten Fragen. Wir arbeiten mit der örtlichen Moscheegemeinde schon seit zehn Jahren zusammen. Wir haben an einer Schule gemeinsamen Religionsunterricht und wir haben Friedensgebete zusammen auf den Weg gebracht.

Wir besuchen uns in den Vorständen der jeweiligen Gremien – Kirchenvorstand hier, Moscheevorstand dort – sodass wir uns auf einer Kultur des Vertrauens eigentlich relativ schnell einig waren. Was den Namen, die Grundregeln, das Personal betrifft und wie wir diese ganze interreligiöse Geschichte an den Start bringen wollen.

DOMRADIO.DE: Das klingt so als ob die Kinder bei Ihnen so sicher und gut aufgehoben wären, wie in Abrahams Schoß. Erklärt das den Namen der Kita "Abrahams Kinder"?

Wrasmann: Genau. Abraham ist der Urvater unserer beiden Regionen und auch des Judentums. Leider konnten wir hier die jüdische Gemeinde nicht beteiligen, weil es sie hier nicht gibt. Für uns war wichtig, den interreligiösen Dialog insgesamt als Grundlage zu nehmen. Dass das in christlich-muslimischer Trägerschaft ist, ist das eine.

Aber wir wollen in der breiten Vielfalt all dessen, was Religion auch unserer Gesellschaft schenken kann, Kinder und Familien aufnehmen. Wir wollen dabei auch in besonderer Weise, mehr als in anderen Kitas, mit den Eltern zusammenarbeiten. So kann ein neuer gesellschaftlicher Diskurs und damit eine Tendenz gegen das Auseinanderbrechen der Gesellschaft entstehen.

DOMRADIO.DE: Wie haben denn die Eltern, überhaupt die Gemeindemitglieder und Menschen in Gifhorn reagiert, als sie das gehört haben?

Wrasmann: Wie das so ist. Die einen haben es für einen genialen Gedanken gehalten, die anderen haben uns für bekloppt erklärt. In diesem Spannungsfeld bewegte sich das. Unsere Gemeinde steht in ihren Gremien voll dahinter und trägt dieses Projekt. Zumal wir auch schon mit der muslimischen Gemeinde die benannten Erfahrungen gemacht haben.

In der Öffentlichkeit ist es so: im liberalen Teil ein "Na ja", im bürgerlich-linken Teil Applaus und aus dem AfD-Teil Beschimpfung. Aber das ist, glaube ich, bei diesen Projekten, die sich in dieser Weise auf den Weg machen, auch nicht anders zu erwarten.

DOMRADIO.DE: Am 1. August geht es los. Gibt es noch freie Plätze in der Kita?

Wrasmann: Nein. Wir haben sechs Plätze auf der Warteliste. Da muss ich aber ehrlicherweise sagen, dass sich die Familien in der ersten Phase nicht darum gerissen haben. Ein Teil der Kinder ist auch deshalb angemeldet worden, weil sie in anderen Kitas keinen Platz gekriegt haben. Das muss man auch sehen. Es war nicht das große Hurra.

Vor 30 Jahren hat es die ersten Integrationsgruppen in Kindertagesstätten gegeben. Da wollte auch niemand, der ein nicht gehandicaptes Kind hatte, sein Kind in eine solche Gruppe geben. Man muss einfach mal starten und dann sehen, wie es sich entwickelt.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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