Eine Welt voller Facebook-Freunde
Schwester Barbara Offermann: "Facebook ist wie eine Kneipe"
Schwester Barbara Offermann OP
Schwester Barbara Offermann OP

17.06.2018

Wie Ordensfrauen Facebook und Twitter nutzen "Facebook ist wie eine Kneipe"

Nonnen sollten ihre Zeit nicht mit sozialen Medien vergeuden, fordert der Papst. Ordensschwester Barbara aus Bergisch Gladbach stimmt ihm da grundsätzlich zu, sie postet dennoch eifrig. Schließlich sind Social Media ein Schaufenster von Klöstern.

"Facebook ist wie eine Kneipe", sagt Barbara Offermann. Auf ihrem Facebook-Profilfoto zeigt sich die 49-Jährige in einem weißen Habit – einem traditionellen Gewand, das Mitglieder des Dominikaner-Ordens von Bethanien tragen.Im Internet begegne sie Menschen, die sie im Alltag eher mieden, sagt sie im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die 49-Jährige lebt seit knapp 20 Jahren im Kloster im nordrhein-westfälischen Bergisch Gladbach. "Die User können vorsichtig an meinem Facebook-Profil schnuppern und gucken, ob ich auch so konservativ schreibe, wie ich im Habit aussehe."

Flotter Spruch oder Gedanken zur Andacht

Die Online-Gemeinschaft scheint Gefallen an der postenden Schwester zu finden – die Ordensfrau ist auf Facebook mit rund 2.000 Menschen befreundet. Nur einen Bruchteil davon kennt sie persönlich. Viele interessierten sich für ihr Leben als Schwester, erklärt sie.

Auf ihrer Seite postet die Dominikanerin einen flotten Spruch, Gedanken zu einer Andacht oder verlinkt zu ihrem Blog, den sie für ihren Orden führt. Auf Fotos taucht immer wieder die Playmobil-Figur einer Nonne auf. Schwester Barbara stellt sie als ihr Alter Ego vor, das frecher und provozierender auftreten dürfe als sie selbst.

Im Kloster in Bergisch Gladbach hat nicht nur Schwester Barbara ein Facebook-Profil. Während sie vor ihrer Anmeldung vor knapp zehn Jahren unter den Schwestern noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten musste, hätten die meisten Schwestern unter 60 Jahren heute ein eigenes Profil.

Social-Media-Regeln vom Papst persönlich

Dass die sozialen Netzwerke innerhalb von Klostermauern längst kein Phänomen mit Seltenheitscharakter mehr sind, weiß auch Papst Franziskus. Für postende Nonnen hat er Mitte Mai Social-Media-Regeln erlassen: Prinzipiell gestattet er die Nutzung von Facebook und Co. Allerdings sollten die Nonnen ihre Zeit nicht vergeuden, sondern die Plattformen mit "Ernsthaftigkeit und Diskretion" nutzen.

Die Anweisungen des selbst eifrig twitternden Papstes richten sich an monastisch lebende Nonnen in Gemeinschaften, die sich als "kontemplativ" bezeichnen, also eher zurückgezogen leben. Als apostolisch tätige Ordensschwester, die in einer Pfarrei arbeitet, muss sich Schwester Barbara nicht an diese Regeln halten.

Sie tue es aber schon automatisch, erklärt sie. "Wenn ich auf Facebook von einem Katzenvideo zum nächsten Witz hopse, verliere ich Zeit, die ich für den Dienst am Menschen haben will." Trotzdem käme auch sie auf einer Bahnfahrt in Versuchung, eher das Handy rauszuholen und durch Facebook zu scrollen als eine Zeitung zu lesen oder sich ins Gebet zu vertiefen.

"Gefährlich ist es, wenn man den Aus-Knopf nicht kennt"

Schwester Birgit aus der Ordensgemeinschaft Congegratio Jesu in Augsburg legt ihr Smartphone im Zug ebenfalls bewusst nach zehn Minuten weg. "Gefährlich ist es, wenn man den Aus-Knopf nicht kennt", sagt die 40-Jährige. Als sie ihrem Orden vor zehn Jahren beitrat, war ihre größte Sorge, dass ihre künftige Welt "zu katholisch" werde. Durch die sozialen Netzwerke jedoch halte sie bewusst Kontakt zu außenkirchlichen Gruppen und Bewegungen, etwa aus der Politik oder dem Ausland.

Beide Schwestern wissen, dass Social Media ein Schaufenster der Ordensgemeinschaften sind – eine Möglichkeit, deren Tore im Netz für Interessierte zu öffnen. Doch auf Facebook und Twitter sei es – wie in einer Kneipe – auf Dauer allerdings sehr laut, betont Schwester Barbara.

Wie laut es dort ist, werde ihr klar, wenn sie sich vorstelle, dass alle geschriebenen Worte tatsächlich gesprochen würden. Das lasse sie manchmal unruhig werden, gesteht sie.

Patricia Averesch

(epd)

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