Kinderarmut gibt es auch im reichen Bonn
Oschmann: "Menschen in prekären Lebenssituationen sind bei uns in der Überzahl"

14.05.2018

Neue Weiterbildung zur Sozialpastoral Nachhaltige Hilfe für die Menschen

Eine arme Kirche für die Armen – das wünscht sich Papst Franziskus. Die Katholische Hochschule NRW greift diesen Wunsch mit der Weiterbildung "Soziale Arbeit für die Sozialpastoral" auf. Diakon Michael Oschmann ist einer der ersten Absolventen.

DOMRADIO.DE: Was sind denn Ihre Aufgaben als Diakon in Chorweiler, die vielleicht andere Diakone nicht leisten müssen?

Michael Oschmann (Diakon in Köln-Chorweiler): Es geht als Seelsorger ja immer darum, den Menschen zu begegnen, ihnen beim Gelingen des Lebens zu helfen, an dem Ort, wo man eingesetzt ist. Das kann ganz mannigfaltig sein. Es ist schon so, dass in unseren Stadtteilen die Menschen in präkeren Lebenssituationen in der Überzahl sind, sodass wir da jeden Tag neue Situationen erleben können.

DOMRADIO.DE: Was hat denn für Sie den Ausschlag gegeben, an dieser Weiterbildung der Katholischen Hochschule NRW teilzunehmen?

Oschmann: Zum einen ist es mein persönliches Interesse. Ich habe die Stelle in Chorweiler nicht etwa, weil ich strafversetzt wurde, sondern weil ich tatsächlich dahin wollte. Ich mache es wirklich gerne. Der Diakon als solcher wird ja nicht wirklich grundsätzlich für eine solche Arbeit qualifiziert. Insofern habe ich mir versprochen, so dem "gut gemeint" das "gut gemacht" ein Stück weit hinzufügen zu können.

DOMRADIO.DE: Was verbirgt sich denn hinter dem Begriff Sozialpastoral?

Oschmann: Es gibt die Wesensmerkmale der Kirche in Verkündigung, in Liturgie und auch in Diakonie – also der fachlich gelebten Nächstenliebe. Die Sozialpastoral ist eben die konkrete Ausprägung dieser Nächtenliebe – wenn sie Struktur bekommt, wenn sie Menschen erreichen soll, wenn sie – das Wort klingt ein bisschen hölzern – auch effektiv sein soll. Es geht darum mit den Menschen Hilfe zu erarbeiten, nachhaltige Hilfe, die dann auch fruchten kann.

DOMRADIO.DE: Jetzt gehören Sie zu den Absolventen des ersten Kurses. Was genau nehmen Sie mit in Ihre alltägliche Arbeit?

Oschmann: Grundsätzlich war dieses Seminar sehr dimensionerweiternd für mich. Denn es waren ganz viele Grundlagen dabei, nochmal Dinge weiter zu betrachten, nochmal Menschen in den einzelnen Lebensaltern zu betrachten, das Thema Migration nochmal auf eine andere Weise zu sehen. Also, es ging nicht nur um das Spektrum, was tagtäglich konkret vor der eigenen Nase auftaucht, sondern auch wirklich nochmal um die Möglichkeit, Hintergründe zu sehen. 

DOMRADIO.DE: Wem empfehlen Sie jetzt vor allem, einen solchen Kurs zu absolvieren?

Oschmann: Also, wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre das, dass diese 15 Tage grundsätzlich in der Diakonausbildung ihren Platz hätten. Denn es ist das Proprium des Diakons, sich um die Kleinen der Gemeinde zu kümmern. Deshalb ist diese Weiterbildung als Grundlage sicherlich sinnvoll – und das nicht nur einmalig. Es wäre auch gut, das in der Neuauflage zu erfahren. Denn wenn es die Aufgabe ist das Evangelium im Licht der Zeit zu deuten, dann brauchen wir vor allem die Kenntnis der Zeit und auch die Kenntnis des Lichtes. 

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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