Auf dem Gelände des Hotels "Neisseblick" treffen sich Rechtsextremisten aus ganz Deutschland
Auf dem Gelände des Hotels "Neisseblick" treffen sich Rechtsextremisten aus ganz Deutschland

20.04.2018

Das sächsische Ostritz reagiert mit Friedensfest auf Neonazis "Wir stehen für andere Werte"

Am heutigen Freitag treffen sich Rechtsextremisten aus ganz Europa zu einem "Schild-und-Schwert-Festival" im ostsächsischen Ostritz. Die Bürger des 2.400-Seelen-Ortes nehmen das nicht tatenlos hin.

Das sonst so beschauliche Ostritz im Osten Sachsens ist am Freitag im Ausnahmezustand. Die rechtsextreme Szene feiert an diesem Tag Adolf Hitlers Geburtstag (1889-1945). Sie hat sich als "Treffpunkt" die südlich von Görlitz gelegene Kleinstadt an der Neiße ausgesucht. Rund 800 Neonazis aus ganz Europa werden zu einem zweitägigen "Schild-und-Schwert-Festival" erwartet. Doch viele Bürger der 2.400-Einwohner-Stadt stellen sich dagegen. Sie organisieren an dem Wochenende ein parallel stattfindendes Friedensfest.

Im Dezember 2017 wurde bekannt, dass der Landesvorsitzende der Thüringer NPD, Thorsten Heise, das "Schwert- und Schild-Festival" als politische Versammlung angemeldet hat. Es soll auf dem Gelände des Hotels "Neißeblick" stattfinden. Prominente Neonazis wie der ehemalige NPD-Vorsitzende und jetzige Europaparlamentarier Udo Voigt und Sascha Krolzig von der Partei "Die Rechte" werden als Redner erwartet. Szenebekannte Bands treten auf, deren Lieder zum Teil verboten sind, weil sie zu Gewalt gegen Ausländer und Juden aufhetzen. Zudem steht auch ein sogenannter Kampf der Nibelungen auf dem Programm. Das Spektakel gilt als Magnet für aggressive Neonazis und die Hooligan-Szene.

Ostritzer wollen dagegenhalten

Die Ostritzer wollen dem einen klaren Kontrapunkt entgegensetzen. "Dieses Festival darf nicht ohne Antwort bleiben", erklärt der Vorstandsvorsitzende des Internationalen Begegnungszentrums (IBZ) Sankt Marienthal, Michael Schlitt. Als "Gegen-Event" hat der Chef der auch von Polen und Tschechen besuchten Bildungsstätte schon vor Monaten das Friedensfest auf dem Ostritzer Marktplatz angemeldet, um den Platz zu blockieren. "Hitler hat Krieg, millionenfachen Tod sowie die Vernichtung von Millionen Juden über die Welt gebracht. Wir hier in Ostritz stehen für andere Werte", betont Schlitt, der mit rund 80 Mitstreitern das Friedensfest organisiert.

Vertreter von Vereinen, Kirchen und viele Privatpersonen engagieren sich für das Fest, um dem Neonazi-Festival und dem möglichen Eindruck, dass Ostritz dem schweigend zustimmt, entgegenzutreten. Unterstützung gibt es dafür von prominenter Stelle: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat die Schirmherrschaft übernommen und eröffnet das Friedensfest am Freitagabend.

Unterstützung von den Kirchen

Die Kirchen unterstützen das Event auf unterschiedliche Art. Der Katholikenrat des Bistums Dresden-Meißen lud in einem Appell zu möglichst zahlreicher Beteiligung ein. Die katholische und die evangelische Kirche in Ostritz werden als Orte der Ruhe und des Gebetes das ganze Wochenende offen stehen. Als feierlicher Abschluss des Festes ist ein ökumenischer Gottesdienst auf dem Marktplatz geplant.

Zeitgleich mit dem Friedensfest finden zwei weitere Versammlungen statt, die dem Rechtsrockfestival Paroli bieten. Vertreter der Linkspartei haben den Protest angemeldet, darunter der Landtagsabgeordnete Mirko Schultze. Er kündigte zugleich bereits an: "Es wird in Ostritz keine direkte Konfrontation mit den Neonazis geben". Schultze geht damit auf Befürchtungen ein, es könnten sich die Krawall-Bilder vom G-20-Gipfel in Hamburg 2017 wiederholen.

Polizei bereitet sich auf Großeinsatz vor

Die Situation in Ostritz werde eine ganz andere sein als in der Hansestadt und in Dresden bei den Gedenkveranstaltungen für die Bombardierung vom 13. Februar 1945, versichert der Linken-Politiker. Schließlich würden die Neonazis nicht marschierend durch die Stadt ziehen. "Alle öffentlichen Flächen sind an dem Wochenende von Menschen besetzt, die ausdrücklich für Demokratie und gegen die Verherrlichung der nationalsozialistischen Diktatur sind." 

Bei ihrer Versammlung wollen auch diese Gegendemonstranten mit Musik und politischen Reden den Rechtsextremisten kontra geben - keine hundert Meter vom Neonazi-Festival entfernt. Die Polizei bereitet sich derweil nach eigenen Angaben auf einen Großeinsatz vor.

Georg Purtzel
(KNA)

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