Pater Anselm Grün
Pater Anselm Grün

09.03.2018

Pater Anselm Grün lässt sich von Freunden auch bei der Arbeit inspirieren "Ohne Freundschaft trocknet die Seele aus"

Mit einem Freund wandelt sich das Wahrnehmen der Welt, sie wirkt freundlicher. Das sagt Pater Anselm Grün. Er hat sich mit Freundschaften befasst - und ein Buch darüber geschrieben: "Das Geschenk der Freundschaft".

DOMRADIO.DE: Was macht einen guten Freund aus?

Pater Anselm Grün: Ein guter Freund steht zu einem, sowohl mit seinen Stärken als auch mit seinen Schwächen, in Zeiten des Erfolgs, aber auch in Zeiten der Not. Es gibt ja das Sprichwort "In der Not kannst du prüfen, wer ein guter Freund ist".

DOMRADIO.DE: In Ihrem Buch heißt es "Neben der Liebe bedarf jeder Mensch der Freundschaft, wenn er nicht Schaden an seiner Seele nehmen will". Warum ist eine Freundschaft für die Seele so wichtig?

Grün: Weil wir uns sonst allein fühlen. Wir brauchen einen Freund, mit dem wir Gedanken austauschen können, wenn wir alles alleine mit uns ausmachen, dann trocknet die Seele aus.

DOMRADIO.DE: Sie sagen: Freunde sind heute wichtiger denn je. Warum?

Grün: Weil viele Menschen alleine sind. Sie haben oft keine Familie mehr oder sehr kleine Familien. Oft sind die Geschwister zerstritten und da braucht es einfach gute Freunde, die zu einem stehen oder die einem Mut machen, auch wenn man mal Pech gehabt hat, oder krank geworden ist. Der heilige Augustinus sagte "Sine amico nihil amicum" was bedeutet "Ohne Freund kommt einem nichts freundlich vor in dieser Welt"Also ein Freund verwandelt auch das Wahrnehmen der Welt, durch ihn wird die Welt auch ein Stück freundlicher.

DOMRADIO.DE: Was ist Ihnen bei Ihren Freunden denn wichtig?

Grün: Dass ich mich mit ihnen über wichtige Gedanken austauschen kann, die mich bewegen. Freunde sind für mich auch wichtig, um mich inspirieren zu lassen, um zum Beispiel auch bei meiner Arbeit beim Schreiben herauszufinden, welche Themen die Menschen bewegen. Ich wäre nicht so kreativ, wenn ich keine guten Freunde hätte.

DOMRADIO.DE: Freundschaft ist keine Einbahnstraße, sondern ein gleichzeitiges Geben und Nehmen. Was ist davon die größere Herausforderung?

Grün: Beides ist eine Herausforderung. Ich bin jemand, der lieber gibt, und deswegen ist für es mich eine gute Herausforderung auch dankbar anzunehmen, was mir die Freunde geben.

DOMRADIO.DE: Wie bekommen wir es hin Freundschaftsdienste dankbar anzunehmen?

Grün: Wenn man beispielsweise nicht nur redet, sondern auch gut zuhören kann, oder den anderen auch Fragen stellt. Das deutsche Wort Frage kommt von Furche, also "die Furche graben". Somit könnte man sagen, dass durch das Fragen, dem Graben des Ackers der Seele des Gegenübers, es dazu kommt, dass bei ihm eine Frucht aufgeht. Und in der Antwort finde ich auch neue Worte für mich selber.

DOMRADIO.DE: Würden Sie selber sagen, dass Sie mit Gott befreundet sind?

Grün: Theresa von Avila sagte, sie ist mit Gott befreundet. Ich würde Gott nicht unbedingt als Freund bezeichnen, sondern er ist das Ziel meines Lebens, er ist derjenige, der mich trägt. Natürlich ist Gott auch jemand, dem ich alles zeigen kann. Aber es hat für mich eine andere Qualität, als die Beziehung zu Freunden.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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