Mitarbeiter der Hilfsorganisation Oxfam sollen Sexorgien mit Prostituierten veranstaltet haben
Mitarbeiter der Hilfsorganisation Oxfam sollen Sexorgien mit Prostituierten veranstaltet haben

14.02.2018

Oxfam-Skandal beschäftigt auch andere Hilfswerke Rufschädigung nach Sex-Vorwürfen befürchtet

Das Fehlverhalten Einzelner kann die humanitäre Hilfe insgesamt in ein schiefes Licht rücken. Manche Organisation sorgt sich um ihren Ruf, nachdem Sexpartys bei Oxfam bekanntwurden. Andere zeigen sich eher gelassen.

Der Sex-Skandal bei der Hilfsorganisation Oxfam beschäftigt auch andere Hilfswerke in Deutschland. Die Kindernothilfe sieht durch die Negativschlagzeilen auch den Ruf anderer Hilfsorganisationen gefährdet. Egal wie die Hilfswerke jetzt dagegen arbeiteten, ein "Beigeschmack" bleibe, sagte Kindernothilfe-Sprecher Christian Herrmanny am Mittwoch in Duisburg dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Der Verband Entwicklungspolitik (Venro) zeigte sich dagegen eher gelassen. "Die Menschen erkennen hoffentlich, dass es sich um das Fehlverhalten einzelner Mitarbeitender handelt", erklärte der Vorstandsvorsitzende Bernd Bornhorst, der mit dem Verband rund 120 private und kirchliche Hilfswerke repräsentiert.

Er rechne damit, dass die Spender den Mitgliedsorganisationen weiterhin ihr Vertrauen schenken. Einen speziellen Verhaltenskodex gegen sexuelle Belästigung habe Venro nicht entwickelt.

Verhaltenskodex

Die Kindernothilfe legt nach eigenen Angaben schon beim Bewerbungsverfahren für neue Mitarbeiter größten Wert auf den Schutz von Kindern. Unter anderem müssten Beschäftigte alle drei Jahre ein neues polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, sagte Herrmanny. Das "Non plus ultra" sei der Verhaltenskodex, die "Kindesschutz-Policy".

Falls ein Verdacht auf sexuelle Belästigung oder Missbrauch aufkomme, könnten sich Mitarbeiter und Außenstehende auf der Internetseite an den Kinderschutzbeauftragten der Organisation wenden. Zudem gebe es eine externe Obhutsperson und einen Krisenstab.

Sex-Partys mit Prostituierten

Das in Oxford gegründete Hilfswerk Oxfam wird kritisiert, weil Mitarbeiter 2006 im Tschad und 2011 in Haiti Sex-Partys mit Prostituierten gefeiert haben. Zugleich tauchten Vorwürfe auf, wonach es mehr als 100 Fälle sexueller Belästigung in britischen Oxfam-Shops in neun Jahren gegeben habe, ohne dass das Hilfswerk angemessen reagiert habe.

Unterdessen trat der Aufsichtsratsvorsitzende von Oxfam International, Juan Alberto Fuentes Knight, nach seiner Festnahme in Guatemala zurück. Ihm wird Korruption in seiner Zeit als Finanzminister in Guatemala vorgeworfen.

Nach Angaben der britischen Tageszeitung "The Guardian" ist sexuelle Belästigung in der humanitären Hilfe weiter verbreitet als angenommen. Der Oxfam-Skandal sei nur die "Spitze des Eisbergs", sagte die Journalistin Rebecca Ratcliffe in einem am Mittwoch veröffentlichten Audio-Podcast.

Ratcliffe befragte monatelang Mitarbeiterinnen in der Entwicklungszusammenarbeit der Vereinten Nationen. Viele Frauen hätten sexuelle Belästigung erlebt, trauten sich aber oft nicht, darüber zu sprechen, sagte sie. Ratcliffe forderte einen besseren Schutz für "Whistleblower", die solche Vorfälle bekanntmachten.

(epd)

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