Arbeitslosigkeit
Arbeitslosigkeit

13.02.2018

Mike Gallen kümmert sich als Arbeitslosenseelsorger um Menschen in Hartz IV Mutmacher für Abgehängte

Mike Gallen ist einer der wenigen hauptberuflichen Arbeitslosenseelsorger in Deutschland. Der Neuseeländer ist im Münchner Westend im Auftrag der Erzdiözese tätig. Bei dem Pastoralreferenten erhalten Erwerbslose Trost, aber auch konkrete Hilfe.

Mitte Dezember hat Michèle einen kleinen Brief geschrieben. "Friede in der Welt" war da zu lesen und "Schluss mit der Armut". Beigelegt waren dem Brief fast 40 kleine Stoffbärchen, gefüllt mit Lavendel. Michèle schickte die Weihnachtsgeschenke mit der Post an die Arbeitslosengruppe im Münchner Westend, früher war sie dort Mitglied. Heute lebt sie wieder in Frankreich.

Gerichtet war das Päckchen mit dem Selbstgenähten an "Mike Gallen, Arbeitslosenseelsorger, St. Benedikt". Seit gut zwei Jahrzehnten ist der 62-jährige Pastoralassistent in dem alten Arbeiterviertel tätig. Er sagt: "Ja, ich finde schon, dass Hartz IV noch ein Thema ist." Zumindest am Mittwoch. Dann kommt die von Gallen betreute Arbeitslosengruppe in dem Treffpunkt an der Gollierstraße 61 des Pfarrverbandes München-Westend zusammen. Die Tische stehen in Hufeisenform, es ist 10 Uhr und es gibt Frühstück: Kaffee und Tee, kleine Wurst- und Käseplatten, Brötchen. Rund 30 Leute haben sich heute hier versammelt.

Tipps und Tricks für Langzeitarbeitslose

Nach dem Frühstück folgt der Programmpunkt "Tipps und Tricks". Dabei geht es ganz konkret um Hilfestellungen für das Leben unter Hartz-IV-Bedingungen. Also für Menschen, die in die Langzeitarbeitslosigkeit gerutscht sind und jetzt mit 416 Euro im Monat auskommen müssen, Miete und Heizung werden vom Jobcenter bezahlt. "Tipps und Tricks", da geht es dann etwa um den Münchner Gesundheitsladen, wo man sich Zähne ohne Zuzahlung richten lassen könne. Oder um Aushilfsjobs und Beratungsangebote.

Gallen hat sein Büro im Hof von St. Benedikt an der Schrenkstraße, gleich um die Ecke liegt die Augustiner-Brauerei. Wenn der gebürtige Neuseeländer sich um die Menschen in seiner Gruppe kümmert, dann geht es in den Gesprächen auch um zwei scheinbar widersprüchliche Entwicklungen. Da ist zum einen die Tatsache, dass die Wirtschaft brummt und die Bundesagentur für Arbeit von einer sehr guten Trend auf dem Arbeitsmarkt spricht. Zum anderen leben bundesweit rund acht Millionen Menschen an der Grenze zum Existenzminimum. Sechs Millionen davon sind Menschen in Hartz IV.

Es ghet um mehr, als nur um Geld 

Seit 2006, als der erste Pressebericht über ihn erschien, hat Gallen in den Medien eine kleine Karriere hingelegt hat: Weil er damals in Deutschland der einzige amtlich bestellte Arbeitslosenseelsorger war. Die Erzdiözese München und Freising stellte ihn in der Überzeugung ein, dass Menschen in einer derartigen Situation nicht nur materielle Unterstützung, sondern auch Zuspruch und Trost brauchen.

Gallen kennt die Schicksale hinter der Statistik. Die Menschen, die nicht fit genug für den "Zack-Zack-Arbeitsmarkt" sind, wie er es nennt. An denen die Vollbeschäftigung vorbeigeht. "Viele sind über 50", sagt er, "und wenn sie in einer Krise stecken, können sie nicht mehr mithalten." Krise, das kann vieles sein: Krankheit, Scheidung, Überschuldung. Und die Firmen, so seine Erfahrung, würden einen nicht mehr wie früher mittragen. Die andere große Gruppe, die prekär lebt, ist die der alleinerziehenden Mütter.

Zahlen erhalten ein Gesicht

Manche in der Arbeitslosengruppe sind schon einige Jahre hier, andere sind neu. "Bei uns ist es wie in der Statistik", sagt Gallen, "die Hälfte der Hartz-IV-Bezieher ist schon mehr als vier Jahre dabei." Da ist der 60 Jahre alte Gerd, der früher auf einem Postzug gearbeitet hat. Heute versucht er sich ein paar Euro zu verdienen, wenn in einer Firma die Inventur ansteht. Oder die 47-jährige, gelernte Übersetzerin Magdalena, die mehr als ein Jahr lang einen neuen Job suchte. Dann ging sie zurück nach Hessen zu ihrer Mutter.

Fast 270.000 Menschen gelten in München als arm, hier in St.Benedikt erhalten die Zahlen ein Gesicht. Neben der Seelsorge geht es in dem Arbeitslosentreff aber auch um Aktivierung – in eigener Sache. Viele der Arbeitslosen sind ehrenamtlich tätig. Regelmäßig trifft sich eine Theatergruppe, die mit gesellschaftskritischen Botschaften in der Öffentlichkeit auftritt. Die dahinterstehende Parole hat Gallen schon vor ein paar Jahren ausgerufen: "Nicht nur deprimiert rumlaufen!"

Rudolf Stumberger
(epd)

Kölner Ministrantenwallfahrt 2018

Rund 2.400 Messdienerinnen und Messdiener aus dem Erzbistum Köln besuchen zur diesjährigen Ministrantenwallfahrt Rom. Noch bis 20. Oktober wollen sie unter dem Motto "Felsenfest" ihren Glauben stärken.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

DOMRADIO in Berlin und Brandenburg

Ab sofort auf DAB+ auch in Berlin und Brandenburg: Das Kölner DOMRADIO!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 18.10.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • MdB Hirte über Bundestagsdebatte zu §219a
  • Messdienerleiter der vom Ministranten-Dasein erzählt
  • Jugendsynode: Jesuitenpater Clemens Blattert berichtet aus Rom
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Europäischer Tag gegen Menschenhandel
  • Campusradio bonnFM zu Festgottesdienst 200 Jahre Uni Bonn
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Europäischer Tag gegen Menschenhandel
  • Campusradio bonnFM zu Festgottesdienst 200 Jahre Uni Bonn
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2018
  • Union gegen Streichung Paragraf 219a
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2018
  • Union gegen Streichung Paragraf 219a
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Jugendsynode: Jesuitenpater Clemens Blattert berichtet aus Rom
  • Europäischer Tag gegen Menschenhandel
  • Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2018
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Lukasevangelium
    19.10.2018 07:50
    Evangelium

    Lk 12,1–7

  • Neue Glocken für den Hamburger Michel
    19.10.2018 09:10
    Anno Domini

    Der Michel: Das Wahrzeichen Ha...

  • Lukasevangelium
    20.10.2018 07:50
    Evangelium

    Lk 12,8–12

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen