Symbolbild: Fußball
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Fußballfans in der Arena in Gelsenkirchen
Fußballfans in der Arena in Gelsenkirchen

21.12.2017

Bundesliga-Tabelle nach sozialem Engagement Werder Bremen ist Branchenprimus

Die Fußball-Bundesliga ist in der Winterpause. Ein Blick auf die Tabelle zeigt dabei Werder Bremen als Branchenführer. Jedenfalls wenn es nicht um Punkte, sondern um das soziale Engagement der Vereine geht. Das zeigt eine neue Studie.

DOMRADIO.DE:  Es gibt also eine Tabelle, die Fußballvereine der Bundesliga anstatt nach Punkten, nach sozialem Engagement listet. Die Hochschule Heilbronn hat die Erstligisten der Saison 2015/16 daraufhin untersucht. Sie haben die Studie gemeinsam mit einer Kollegin durchgeführt. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen, eine Bundesliga-Tabelle nach sozialem Engagement zu erstellen?

Sebastian Kaiser-Jovy (Professor für Betriebswirtschaft an der Hochschule Heilbronn): Ausgangspunkt war die Arbeit einer unserer Studentinnen, eine hervorragende Abschlussarbeit, die sich genau mit dieser Frage beschäftigt hat. Es ging darum zu schauen, wieso zunehmend Maßnahmen der Unternehmerischen Sozialverantwortung, also CSR-Maßnahmen nicht mehr bloß bei großen Industrieunternehmen, sondern auch beim Sport auftauchen und die Sport-Organisationen das auch für Marketingzwecke nutzen.

Wir wollten uns die Vielfalt dieser Maßnahmen anschauen und sie versuchen zu erklären. Denn die Grundannahme, die dahinter steht, ist, dass, wenn sich der Sport kommerzialisiert und professionalisiert, daraus auch gesellschaftliche Verantwortungen erwächst. Und das gilt für Fußballclubs erst mal genauso wie für große Industrieunternehmen.

Das ist aber im Sport nicht unbedingt selbstverständlich, weil man eigentlich davon ausgehen sollte, dass der Sport schon an sich gesellschaftliche Wirkungen entfaltet, auch wenn vielleicht anders als bei Unternehmen aus anderen Branchen. Von daher beruht letztendlich die steuerfinanzierte Sportförderung auf dieser Annahme. Das war der Ausgangspunkt dieses Spannungsfeldes und das wollten wir genauer untersuchen. 

DOMRADIO.DE: Schauen wir auf Platz 1 der Bundesligaliste, den belegt Werder Bremen. Was machen die besonderes?

Kaiser-Jovy: Man muss dazu sagen, es geht nicht darum, einzelne Fußballclubs zu diskreditieren oder ihr Engagement in Abrede zu stellen, sondern wir haben uns gezielt einzelne Bereiche nach bestimmten Kategorien angeschaut: wie viel Aktivitäten werden ausgeübt, inwiefern werden die gebündelt, welche Dimensionen werden angesprochen – zum Beispiel ökologische, soziale oder ökonomische Dimensionen. Wie ist der Wirkungsbereich, national, regional oder lokal?

Und die Clubs die auf der Liste oben stehen, allen voran Werder Bremen, sind relativ lange schon unterwegs und haben viele unterschiedliche Bereiche, die sie ansprechen. Sie sind in ihrem Wirkungsbereich auch international aktiv, auch in Kooperationen mit anderen Clubs. Das sind die Gründe, warum Bremen und andere Clubs relativ weit oben erscheinen.

DOMRADIO.DE: Der 1. FC Köln belegt leider nur Platz 14. Woran liegt das?

Kaiser-Jovy: Es ging bei der Studie darum, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu beschreiben, und dass ein Club jetzt weiter hinter auftaucht, heißt nicht unbedingt, dass er im Bereich CSR schlechtere Arbeit macht. Das muss man nochmal ganz klar sagen. In Köln ist es eben so, dass die Aktivitäten verglichen mit anderen später gebündelt wurden, in der eigenen Stiftung zum Beispiel. Außerdem ist der Wirkungsbereich vor allem regional. Die soziale Dimension, die Strahlkraft der einzelnen Projekte ist eben im Vergleich zu den anderen Clubs etwas weniger stark, zum Beispiel verglichen mit Leverkusen, die etwas weiter oben in der Tabelle erscheinen, weil sie zu ihrem regionalen Engagement auch international tätig sind.

DOMRADIO.DE: Jetzt haben Sie die soziale Ader untersucht von 2015 und 2016? Werden sie das noch weiter verfolgen?

Kaiser-Jovy: Ja, das denke ich schon, das wir das weiter verfolgen werden. Es ist ein hoch spannendes Thema, weil es uns vor allem darum ging, nicht nur etwas zu beschreiben, dass wir beobachten können, sondern wir wollen versuchen zu erklären, warum das so ist, einen Blick in die Zukunft werfen und uns unterschiedliche Erklärungsansätze anschauen. Da gibt es vor allem zwei Dinge, die uns beschäftigen werden. CSR ist auch aus Sicht von Fußballclubs rational. Denn je stärker die wirtschaftliche Perspektive wird, desto häufiger tauchen Skandale der großen internationalen Sportorganisationen auf und damit steigt die Gefahr, dass eine Kluft, eine ideelle Kluft zwischen Fans, Kommune, Region und den Clubs entsteht. Und die kann man vielleicht abmildern durch CSR-Aktivitäten, gerade in der sozialen Dimension. Das wäre ein Erklärungsansatz. 

Anderseits sehen wir auch, dass es zunehmend Druck - rechtlichen - von außen gibt. Es gibt klare Vorgaben von Seiten der Gesetzgebungen, beispielsweise neue EU-Richtlinien, die der neue Bundestag umgesetzt oder in deutsches Recht überführt hat. Große Unternehmen müssen in Zukunft nicht nur finanziell bilanzieren, sondern auch über ihr soziales und ökologisches Engagement Rechenschaft ablegen. Das ist im Sport zwar noch keine Pflicht, aber es gibt immer mehr Stimmen, die in diese Richtung gehen, das eben zu fordern. Letztlich zeigt auch der Blick auf die internationale Bühne, dass da noch deutlich Potential nach oben ist. Das wird uns sicher auch noch weiter beschäftigen.

Das Gespräch führte Tobias Fricke. 

(DR)

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